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Mittwoch, der 01.Dezember, 17:26 Uhr

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Musik - Tonspur

Augustines - This Is Your Life -

Sind wir eigentlich am Leben? Ja, verdammt, und wie! Mit einem Knall starten die Augustines in ihr drittes Album, "This Is Your Life". Vielversprechend prescht da das erste Lied des Albums, "Are We Alive", voran - eine 'Lok auf zwei Beinen' oder besser: sechs. Ganz vorn Schlagzeuger Rob Allen als energiegeladener Triebwagen, hinten Multi-Instrumentalist Eric Sanderson als anmutiger Speisewagen und mittendrin Sänger Billy McCarthy, Freibier ausschenkender Zugbegleiter und Kalauer verbreitender Kontrolleur in einer Person.

Mit "Are We Alive" setzt sich der gewohnt herausragende Bandexpress in Bewegung, um jäh im darauffolgenden Song ausgebremst zu werden. Trippelnde elektronische Klänge leiten "When Things Fall Apart" und damit auch einen komplett neuen Klang der Augustines ein. Zwar schimmert noch immer Billy McCarthys unverwechselbar klagende Reibeisenstimme durch den Beatteppich, ansonsten ist der Song jedoch glatter und poppiger als jemals einer zuvor. Was keine Katastrophe sein muss, entpuppt sich auch hier nur als Kataströphchen, zumindest in der Konserve. Denn: Die Live-Qualitäten der Band sind außerordentlich und stecken ihre eigenen piepsenden Synthies locker in die Tasche. Stehen die Drei erstmal auf der Bühne – ganz gleich ob im unterirdischen Club oder vor hunderten Festivalbesuchern – ist die freigesetzte Energie zwingend ansteckend.

Die beiden ersten Alben "Rise Ye Sunken Ships" und "Augustines" konnten genau das auch im gepressten Zustand einlösen: Urwüchsige, rhythmisch ausgeklügelte Songs mit Texten, die direkt ins Herz gehen. Texte, die das Leben mit seinen Höhen und Tiefen besingen und dabei immer den Blick nach vorn wagen. Das tun auch die Songs auf dem aktuellen Album. Wobei scheinbar eher die Tiefen zum Songwriting inspiriert haben. "Landmine" zeugt davon. Eine bröckelnde, vorm Zerfall befindliche Beziehung, die ein letztes Mal klagend besungen wird. Und immer wieder: Einsamkeit. Ein Thema, das die Band von Beginn an begleitet. Mal ist es der schmachtende Blick durch's Kirchenfenster auf die Hochzeit der Geliebten, mal der einsame Gang durch nächtliche Straßen ohne Hoffnung. Das mag an der bewegten Geschichte des Sängers Billy McCarthy liegen, dessen Bruder sich das Leben nahm und McCarthy zu den Texten der ersten beiden Alben anspornte. Eine Schwermut, die live musikalischer Erbarmungslosigkeit weicht.

Textlich also in gewohnter Weise, sind die Lieder von "This Is Your Life" musikalisch gesehen eher schwach – zumindest gemessen an früheren Glanzstücken wie "Cruel City" oder "Book of James". Weich und überspült von Streichern sowie elektronischen Betten gleiten sie wie ein schnittiger ICE durch die Landschaft. Das ist komfortabel, aber für Halt an netten kleinen Dorfbahnhöfen ist da kein Platz. Hin und wieder folgt die völlige Irritation, wenn beispielsweise die senegalesische Band Pape & Cheikh in den Songs "Running In Place" und "May You Keep Well" jeweils am Ende im Hintergrund zu hören sind, die Lieder diesen Einsatz aber überhaupt nicht einbetten. Hier hätten es ruhig prominentere Positionen sein können. Letztgenannter Song "May You Keep Well" macht außerdem keinen Hehl aus seinem eher einfach gehaltenen Melodieverlauf und präsentiert sich als Sing-Sang mit Volksliedcharakter.

Ein Element jedoch, macht auch das dritte Album zu einem Augustines-Album: das Schlagzeug. Angetrieben von Rob Allen entpuppt sich so manches Lied, beispielsweise "Landmine", dann doch noch als tolle, charakteristische Nummer. Die beiden ersten Alben wurden deutlich von Billy McCarthys charakteristischer Stimme getragen, hier ist es das Schlagzeug, das so manches Lied rettet und daran erinnert, dass die Augustines zu den besten Live-Bands überhaupt gehören.

Der Rat kann also nur lauten: Augustines live anschauen und das dritte Album „This Is Your Life“ wohlwollend in die Musiksammlung aufnehmen. In Kürze erscheint zudem eine Dokumentation über die Band namens „Rise – The Story of Augustines“.

(Tina Kunath)

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