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Tonspur

Tonspur vom 26.10.2013

Eivør - Room -

Es gibt eine Vokabel die dich sofort als Thüringer outet, gut es gibt sicher noch zwei drei mehr, aber die die ich meine ist „Frühs“, was für Ungeübte früh am Morgen bedeutet. Wenn sie also frühs mit dem Bus oder Zug fahren, haben Sie da nicht auch oft die Ahnung, das wir auf dem Planeten nicht allein sind, das es da zwischen Mensch Tier und Pflanze noch mehr gibt, Zwischenwesen wie Trolle, Zwerge, Riesen, Marsianer, Jupiterianer, Schlümpfe, und das sind nur die die alle irgendwie Menschähnlich sind. Wenn jetzt jede Spezies ihre eigene Zwischenwesenvielfalt noch hat, was das wohl für für ein Gewimmel geben würde oder gibt, gut das einige sich nur einigen einfältigen Dorfbewohnern zeigen, oder nur in geheimen Dörfern wohnen oder in entlegenen Orten im Norden. So ein Ort sind mit Sicherheit die Faröer Inseln. Viel Landschaft, viel Meer, viele Schafe, wenige Färinger und das eine oder andere Wesen, das sich ganz vergeistig der Haarpflege und des Gesangs hingibt. Ich rede von Feen, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als Anmut zu verbreiten, mit Glitzerstaub um sich zu werfen und zu singen.
Eivør Pálsdóttir könnte genauso eine Fee sein, genauer gesagt aus der Art der Popfee über die man weis, das diese ursprünglich alle von Kate Bush abstammen. Wie oft verwendet man diesen Vergleich, diese und jene Sängerin klingt irgendwie nach Kate Bush, nur weil sie es schafft hoch, zart und zerbrechlich zu klingen, aber hier ist er wirklich angebracht. In der Presse wird sie zwar häufiger mit Björg verglichen, aber lassen sie sich da keinen Bären oder Troll aufbinden. Es ist nicht nur die stimmliche Ähnlichkeit der Beiden, als auch die Art der Songs, die mich an die Ersten Alben von Kate Bush erinnern, wo sie sich noch ausprobierte und nicht jede Songidee oder jede stimmliche Eskapade uneingeschrängt gut zu hören war. Aber das war und ist auch irgendwie spannend.
Aber genug über Kate Bush, auch wenn sie meine musikalische Sozialisation entscheidend geprägt hat, Spott auf Eivør Pálsdóttir!
Sie ist mittlerweile 29 Jahre und wurde in dem kleinen Nest Gøta auf den Färöer Inseln geboren. Schon mit 15 Jahren beschloss sie Musikerin zu werden, studierte in Islands Hauptstadt Reykjavik Gesang, lebte danach in Kopenhagen, spielte in diversen Rockbands, sang Jazz oder als Gaststar der Danish Radio Big Band, mit denen Sie auch ein Album mit eigenen Kompositionen auf nahm.
Seit 2004 ist sie unter ihrem Namen unterwegs und live kann man sie solo, im Duett mit dem kanadischen Folksänger Bill Bourne, als auch mit kompletter Band erleben.
Room ist mittlerweile ihr achtes Soloalbum und auch mit Abstand ihr poppigstes Album geworden. Im Gegensatz zu ihren früheren Alben auf denen sie viel Färöisch gesungen hat ist dieses komplett in englisch, was es zugänglicher macht. Das ist aber auch ein Punkt den man ihr ankreiden möchte, mehr Experiment, weniger Schönklang, weniger Feenimage, denn wer so eine Stimme hat darf sich nicht darauf ausruhen, Kollegen wie Sigur Ros,Trentemoller und MUM machen es vor.
Inhaltlich geht es viel um Trennung und Verlust, zB. den unerwarteten Tod ihres Vaters, denn sie hier versucht künstlerisch zu verarbeiten, es geht aber auch um die Akzeptanz des Unvermeidbaren, um nie versiegende Hoffnung und um neue Horizonte, die sich immer wieder auftun. Die Musik schwebt zwischen folkig-sphärischen Nordic-Klängen und handfesten Beats, zwischen akustischem Schönklang und effektvoller Elektronik, zwischen spartanisch instrumentierten Songs und opulenten Klangkaskaden. Gerade jetzt wo das Laub fällt und die Kamine knistern kann man dieses Album gut hören, kann man sich dieses Zauberwesen ins Haus holen.
Für alle die Kate Bush mögen und es schade finden, das sie sich so rar macht ist Eivør eine echte Entdeckung und weil ich so ein alter Nostalgiker bin kommt jetzt Falling Free!

(dennis klostermann)

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