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Tonspur

Tonspur vom 11.11.2013

The Head and the Heart - Let's Be Still - 2011 war so ein Jahr, in dem allerhand große Bands große Alben veröffentlichten, zum Beispiel Radiohead, Wilco, die Fleet Foxes, die Foo Fighters. Alles egal, als ich damals Bilanz zog. Mir fiel auf, dass ein kleines Wunderwerk sich Weg gebahnt hatte in mein musikalisches Gehirn, um das ganze Jahr immer wieder hervorzuplatzen. Summend, beim Aufräumen, unterwegs, eigentlich immer, wenn man gar nicht mehr damit rechnete. Damit war auch nie zu rechnen gewesen: Das Debütalbum von The Head and the Heart ist nämlich vor allem mal unauffällig. Wunderschöner Folk zwar, aber unauffällig eben. Weder die Stimmen der Sänger der Band aus Seattle sind auffällig noch die Instrumentierung und schon gar nicht die Songs. Die sind behäbig, gemütlich. Keine Hits, und so einen richtigen Hit warf die Platte dann auch tatsächlich nicht ab. Genau genommen haben die meisten Menschen außerhalb der USA die Platte wahrscheinlich gar nicht mitbekommen. Eine super-spannende Bandentstehungsgeschichte gibt es auch nicht: Die Mitglieder lernten sich in einem Pub kennen. Und die Musik noch gleich? Folk, ruhig, unauffällig genug, um zu verstecken, wie unfassbar gut die Songs dahinter sind.
Nun tauchte vor ein paar Wochen ein Stream des kompletten neuen Albums von The Head and the Heart im Internet auf. Hat sonst wieder niemand groß mitbekommen, aber ich zum Glück schon. So sehr habe ich noch nie einen Stream ausgereizt. Seit kurzem kann man die CD, „Let’s Be Still“ heißt sie, tatsächlich auch physisch erwerben.
Die grundlegenden Eigenschaften sind dann auch gleich geblieben: es gibt Folk, einen Sänger mit angenehmer Stimme und eine Sängerin, die nicht halb so niedlich klingt, wie sie aussieht, sondern eher auf eine etwas schiefe Art und Weise soulig. Aber trotzdem, einiges hat sich dann doch geändert. Wo das Debütalbum unauffällig toll war, ist „Let’s Be Still“ völlig offensichtlich, ja sogar offensiv toll. Die Songstrukturen scheinen etwas eindeutiger zu sein, das Feuerwerk der Emotionen wird offener, nun ja, abgefeuert. Es gibt nämlich Streicher und Piano und so weiter. Schon der erste Song ist ein Ohrwurm, sofort, nicht erst nach Monaten.
Trotzdem: „Let’s Be Still“ ist zum Glück kein anbiederndes Album mit geplant geschmierter Hit-Machine, sondern die vermutlich schönstmögliche Musik für diesen Herbst. Sie ist sofort da, anstatt sich unauffällig anzuschmiegen. Vorteil für mich: So könnte ich schneller andere Leute finden, die meine Begeisterung teilen können. Leider vorerst nicht live, Europa ist noch nicht unter den Tourneedaten zu finden. Schade, manche Videoaufnahmen lassen vermuten, dass ein Konzert mit The Head and the Heart eine recht erfüllende Angelegenheit sein müsste.
Folgende Highlights hat die Platte übrigens zu bieten: Bereits erwähnten Opener „Homecoming Heroes“, vermutlich ein gut gelungener Versuch, den perfekten Popsong zu schreiben. Dann das zum Heulen schöne „Another Story“, das bizarr-groovige „Summertime“ und die niedliche Single „Shake“. Und natürlich der Titelsong, „Let’s Be Still“. Auch wenn ich mir das von The Head and the Heart nun wirklich nicht wünsche. Alles, nur nicht das. Wobei, just for a moment, let’s be still. Damit wir besser lauschen können, dem formidablen ersten Song eines formidablen Albums. The Head and the Heart mit „Homecoming Heroes“.

(Laura Eigbrecht)

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