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Tonspur

Tonspur vom 27.01.2014

Boy & Bear - Harlequin Dream - Boy & Bear habe ich tatsächlich über Radio Lotte kennen gelernt, denn die Kollegen hatten vom Debütalbum „Moonfire“ ein paar Songs eingespielt. Besonders ansprechend fand ich damals „Feeding Line“ und „Milk & Sticks“, von dem eine Freundin mal wahrheitsgemäß behauptete, dass man das eigentlich nur anhören kann, wenn man auf einem Pferd sitzt. Aber man kann es natürlich auch dann anhören, wenn man auf keinem Pferd sitzt, zum Glück. Auf dem Haldern Pop Festival 2012 wollte ich mir die Band live ansehen, doch platzte die Zeltbühne aus allen Nähten und es blieb bei einer Übertragung auf Leinwand. Schön war es trotzdem, aber ich freue mich sehr, die Band bald so richtig in Amsterdam sehen zu können.
„Moonfire“ war ein spannendes Album mit einer durchgehend schönen Stimmung. Folkrockig gehalten, nicht anbiedernd und erst durch überraschende Drehs zu Ende mancher Songs so richtig spannend.
Die Band kommt aus Australien und ist dort ziemlich erfolgreich; viel mehr gibt es in dieser Hinsicht nicht zu erzählen. Boy & Bear müssen sich zudem ziemlich viele Vergleiche gefallen lassen, die meisten tatsächlich berechtigt. Die Stimme von Sänger Dave Hosking erinnert tatsächlich an die von Robin Pecknold der ähnlich gepolten, wenn auch vielleicht progressiveren, Fleet Foxes. Und musikalisch zupft man sich mit Einsatz von Banjo und weiterem Folkgebamsel automatisch in die Mumford and Sons-Ecke. Doch ist das hier alles auf eine bestimmte Art lässig, westernmäßig. Erinnern wir uns an die Pferdeassoziation. So zottelig wie die Fleet Foxes sieht die Band übrigens mitnichten aus.
Nun erschien gerade das neue Album von Boy & Bear, Harlequin Dream. Das Cover ist schon mal großartig und aufhängenswert, also an die Wand: eine zirkus- und rummelartige Traumwelt voller Dinosaurier, Getier und Gemensch, offen für freie Assoziationen. Ein Harlequin Dream eben. Auf der Platte wird dann auch von dreiköpfigen Frauen geträumt, im dramatisch-getragenen und wundervollen „Three Headed Woman“. Der Titelsong „Harlequin Dream“ hat auch wieder so einen wundervollen Dreh am Ende mit der unklebrigstmöglichen Art des Saxophoneinsatzes und „End of the Line“ ist wohl das Hittigste, was die Band bisher so vorgebracht hat.
Ein toller Song, aber er weist die Richtung für mögliche Kritik. Jetzt, wo Mumford and Sons aus irgendwelchen komischen Gründen als musikalische Schwiegersöhnchen-Buhmänner herhalten müssen, ist die Frage berechtigt, wieso Boy & Bear nun den eingängigeren, mumfordigeren Weg bestreiten sollten und somit ein wenig an Eigenständigkeit einbüßen. Hier sei gesagt: So einfach machen sie es sich ja gar nicht. Die Hits sind meistens nicht offensichtlich, und sowieso muss man sich ab und zu eine wichtige Frage stellen: Was muss so ein Album eigentlich können? Ein Genre neu erfinden? Wenn dies die Antwort ist, kann „Harlequin Dream“ nur verlieren. Wenn ein Album mich jedoch dazu bringen soll, auf dem Schreibtisch mitzutrommeln, dann ist dies vollends gelungen. Dienstleistungsmusik auf die schönste Art, und das ist netter gemeint als es klingt.

(Laura Eigbrecht)

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