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Tonspur

Tonspur vom 15.02.2014

Alcest – Shelter -

Man muss nur warten können und von wegen man kann nur einmal im selben Fluss baden, man kann jede Welle zweimal oder auch dreimal reiten, bei entsprechender Lebenszeit. Irgendwie kommt alles wieder, aber jede Generation beansprucht es als eigene Idee. Ich meine wie lang sind die “Achtziger” schon wieder in Mode zehn zwölf fünfzehn Jahre, haben sie je aufgehört, frage ich mich an der Stelle. Auf einmal tragen Frauen wieder Leggins und Männer wieder Röhrenjeans. Was auch jede Generation für sich entdeckt ist das Kritisieren, das alles schon mal da war und überhaupt nicht mehr neu ist, das andere (alte Leute) das alles schon gemacht hätten und viel besser.
Auch und gerade auf dem musikalisch Sektor kann man sich derzeit vieles anhören, was man von früher kennt, Retro nennt sich das und geht teilweise soweit, das die Produktion auf dem Alten Equipment eingespielt wird und noch zusätzlich mit modernster Studiotechnik auf alt getrimmt wird.

Worauf will ich überhaupt hinaus, im Jahre 1991 kaufte ich mir eine Platte mit Namen „Nowhere“ der britischen Band Ride, die es leider nicht mehr gibt, aber zu großen Teilen bei Oasis spielen. Diese Platte machte mich mit einer Musik vertraut, die etwas später Shoegazer genannt wurde und vor allem von Bands wie My Bloody Valentine und den Großartigen Slowdive weiter entwickelt wurde. Diese Musik ist geprägt von Gitarrenflächen, die zigfach übereinander gestapelt werden und noch oben drauf Hall bekommen, sphärisch, laut, psychedelisch und teilweise wunderschön. Der Begriff „Shoegazer“stammt übrigens von der Art und Weise, wie die Musiker ihre Konzerte bestritten, in sich gekehrt und auf ihre Schuhe starrend,was dem Charakter der Musik entgegen kam.Aber eigentlich, weil sie ständig ihre Effektgeräte mit dem Fuß bedienen mussten und deshalb immer auf ihre Schuhe geschaut haben

Diverse Bands später gibt es da eine Französische Black Metalband namens Alcest, die diese Tradition aufnimmt und weiter führt. Die Band besteht aus zwei Musikern die sich kurz “Neige” Gesang Gitarre Bass und “Winterhalter” am Schlagzeug nennen.
Die Band kommt zwar aus dem Metalbereich, was man auf der Vorgängerplatte LES VOYAGES DE L’ÂME noch durch die Wall of Sound hören kann, aber mit SHELTER sind auch diese Spuren verflogen. Sie weichen einem ausgefeilterem Songwriting, Passagen voller positiver Melancholie, denen man sich gerne hingibt und alles was das Genre so bezaubend macht, spärischer Gesang für den der Raum nicht grossgenug sein kann, der von dem treibenden Schlagzeug und der schwebenden Gitarre weiter getragen wird ans Licht in den Sonnenuntergang, oder wo auch immer der Platz ist an dem du gerne sein möchtest. Das spiegelt auch das Cover wieder, wo Standbilder auf weißem Untergrund zu sehen sind und die Band versucht das Licht einzufangen.
Oft basieren die Songs auf wenigen Riffs, selbst der epische Schlusstrack "Délivrance", der es auf über zehn Minuten Spielzeit bringt, stellt sich seinen monumentalen Ausmaßen zum Trotz als ein sehr schlüssiges und greifbares Stück heraus. Der Schlusspart gehört dabei zum stimmungsvollsten und eindringlichsten, was ich in diesem Segment seit langem hören durfte
Die gehauchten Texte sind übrigens auf französisch, was man nicht sofort merkt.
Einzig der Song “Away” sticht heraus, weil er zum einen auf englisch ist und er wird nicht von Neige gesungen, sondern der Sänger hat sich einem lang gehegten Traum erfüllt und Neil Halstead von Slowdive ins Studio geholt, der diesen Song singt.

Abschliessend kann man ohne große Umschweife sagen: "Shelter" ist ein bemerkenswertes, ein unglaublich tiefgründiges - ein schlichtweg herausragendes Album und ich möchte es euch ans Herz legen.
Hier nun der besagte Song “Away”

(Dennis Klostermann)

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