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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 11.03.2014

"Fack ju Göhte" - Juli Thiele:
So mancher schnürt in diesen Tagen, bei diesem Wetter, mal wieder die Laufschuhe und dreht die eine oder andere Runde im Park. Und so mancher hängt sich dazu auch einen MP3-Player um und hört während des Laufens vielleicht ein Hörbuch.
Shanghai Drenger ist jetzt hier bei mir im Studio und stellt uns eine akustische Laufunterstützung vor.
Du hast heute was wirklich Weimar-Taugliches mitgebracht?

Shanghai Drenger:
Ja, wie man's nimmt. Heute ist es ein Filmhörspiel, welches den schönen Titel „Fack ju Göhte“ trägt. Also, Weimar-tauglich insbesondere, wenn man durch den Goethepark läuft.
Aber im Ernst. Man hört ja gerade hier des öfteren, wir lebten in „Deutschlehrers Freizeitpark“, also an dem Ort, wo die Deutschlehrer ihre Schulklassen durch die Museen jagen und den lieben Kindern die Klassik einimpfen wollen. Das lass ich mal so stehen. Ich denke aber auch, dass wir gerade deswegen dieses Hörspiel in Weimar um so mehr genießen können. Es ist auf jeden Fall erfrischend.

Juli Thiele:
Es ist ein Filmhörspiel, das heißt, es basiert auf den Originalsequenzen des gleichnamigen Films?

Shanghai Drenger:
Ganz genau. Der Film „Fack ju Göhte“ ist ja erst im November letzten Jahres in die Kinos gekommen und hat sich dann aber mit über 7 Millionen Zuschauern als der zuschauerstärkste Film des Kinojahres gezeigt. „Fack ju Göhte“ ist eine Komödie, die meines Erachtens nach gut funktioniert. Also, zumindest dieses Genre hat man in Deutschland noch drauf. Und das ist erfreulich.
Und das man uns diesen Film nun auch gleich mit als Hörspiel serviert hat zunächst einen starken Marketing-Charakter, es ist ja eben nur ein Nebenprodukt des Films, ist aber letzten Endes auch gut geworden und funktioniert. Also, ich habe den Film nicht gesehen, habe ihn aber nach dem Hörspiel trotzdem vor Augen.

Juli Thiele:
Worum geht es in dem Film?

Shanghai Drenger:
Kurz der Einstieg: der Bankräuber Zeki Müller wird aus dem Gefängnis entlassen. Er macht sich auf die Suche nach der von seiner Freundin vergrabenen Beute, um aufgelaufene Schulden zu begleichen. Zekis Freundin hatte dreizehn Monate zuvor die Beute auftragsgemäß vergraben und die Koordinaten mit einem GPS-Gerät festgehalten. Dummerweise war das schöne Loch, wo sie die Beute versenkt hat eine Baustelle. Und als Zeki die Beute holen will, läuft er gegen die Wand der neu erbauten Turnhalle der Goethe-Gesamtschule. Das ist das Problem.
Die Problemlösung sieht dann so aus, dass Zeki sich auf die freie Stelle des verstorbenen Hausmeisters bewirbt, weil er nun einen Tunnel graben möchte. Auf Grund eines Missverständnisses wird er allerdings als Aushilfslehrer eingestellt. Und er entpuppt sich als einer, der auch mit den widerspenstigsten Schülern umgehen kann. Sehr amüsant.

Juli Thiele:
Das Hörspiel klingt ja mitunter „robust“, könnte man sagen. Ich muss trotzdem mal auf den Goethe zurück kommen. Wo taucht der auf, außer im Namen der Schule?

Shanghai Drenger:
Naja, eigentlich bleibt der nur da. Also, es geht nicht wirklich um Goethe, aber, die graumäusige Kunstlehrerin Frau Schnabelstedt geht irgendwann mit den Kids raus, um auf Anregung Zekis mit ihnen einen Old-Train zu machen, also, einen Eisenbahnzug zu sprayen. Und einer der schönsten Schriftzüge ist eben jenes „Fack ju Göhte“.

Juli Thiele:
Alles in allem erinnert das alles an die alten „Pauker-Filme“ mit Uschi Glas und Roy Black und so. Hat es davon was?

Shanghai Drenger:
Ich glaube definitiv ja. Es ist diese alte Geschichte der aufmüpfigen Schulklasse, die durch einen neuen Lehrer gebändigt wird. Das alles eben nur in eine neue Zeit versetzt mit entsprechendem Witz, also keineswegs bieder. Es geht da schon ziemlich handfest und manchmal eben auch gesetzlos zu. Aber in Komödien ist das ja erlaubt. Und, es gibt da auch einen Verweis auf diese Pauker-Filme mit Uschi Glas, die spielt hier nämlich noch mal mit. Sie ist eine der überforderten Lehrerinnen und die versucht sich das Leben zu nehmen, in dem sie aus dem Schulfenster springt. Aus dem ersten Stock zwar nur, was mit einem Beinbruch endet, aber ich denke mal, dem Regisseur Bora Dagtekin war genau daran gelegen. Die neue Generation ist da: neue Schüler, neue Lehrer.
Wir dürfen gespannt sein, wie viele Jahrzehnte „Fack ju Göhte“ im TV-Programm präsent bleiben wird.

Juli Thiele:
Zum Schluss: die Regie, du sagtest eben Bora Dagtekin. Habe ich schon mal gehört.

Shanghai Drenger:
Gut möglich, Bora Dagtekin ist der Autor der Serie „Türkisch für Anfänger“ und hat damit bereits schon mal bewiesen, dass er das Filmpublikum treffen kann. Also, noch ein Erfolg für ihn.
Weil du aber Schluss sagst, eine Kritik habe ich dennoch am Hörspiel. Am Schluss nämlich, oder besser nach dem Schluss hat man einige vermeintlich witzige Outtakes vom Film-Set rauf gepackt. Das kommt vielleicht im Kino nach dem Abspann ganz gut an, auf der Hör-CD aber geht das gar nicht. Da kann man dann getrost abschalten.

„Fack ju Göhte“ ist der Titel des Hörbuches der Woche, welches Shanghai Drenger heute vorgestellt hat. Das Filmhörspiel ist zeitgleich mit dem gleichnamigen Film Ende 2013 erschienen. Herausgebracht vom GoyaLIT-Jumbo-Verlag. Die zwei CDs haben eine Spieldauer von rund zwei Stunden und zwanzig Minuten und das Ganze kostet im Handel 14,99 Euro.
ISBN 978-3-8337-3266-9

(Shanghai Drenger)

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