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Tonspur

Tonspur vom 13.04.2014

Sisyphus – Sisyphus -

Kennen sie das, sie gehen zum Fasching, lernen da eine maskierte Frau kennen, sie verstehen sich gut, reden, trinken und es kommt zum Äußersten und sie haben die ganze Zeit das Gefühl, das Sie die Unbekannte kennen? Aber sie wissen nicht was es ist, der Geruch, die Art wie sie lacht, das Arschgeweih. Gut ich kenne das nicht, schon weil ich nicht so der Faschingstyp bin, aber ich könnte mir das vorstellen, das es so was zu Fasching gibt.
Nun habe ich eine Band kennen gelernt, die Sisyphus heißt und ihre Platte heißt auch „Sisyphus“, es ist im weitesten Sinn ein Rapalbum, na gut, warum nicht immer schön offen sein für neue Musik. Aber es bleibt das Gefühl das ich das kenne, oder es ist etwas dabei das ich woanders her kenne. Also nähere ich mich der Band über das was ich weis – Sisyphus ist das nicht dieser griechische Typ, der den Felsblock immer wieder den Berg hinauf rollen soll, gut das man über eine Menge Halbwissen verfügt, mit dem man an solchen Stellen gut glänzen kann. Aber dieser Sisyphus steht auch für Gerissenheit, mit der er seine Chefs z.b. Zeus, oder den Totengott Thanatos hinters Licht geführt hat und die haben ihn mit diese Felsbrockenstrafe bestraft.
Also es geht um Schlitzohrigkeit, um gerissene Täuschung.
Also schauen wir mal hinter den Vorhang!
Dort verbergen sich drei Schwergewichte, nicht im körperlichen Umfang sondern im musikalischen Sinn – zum einen der Rapper Serengeti, der Electronic Tüfftler Son Lux und Sufjan Stevens, der vielleicht genialste Songschreiber unserer Zeit.
Spätestens jetzt weiß man auch warum einem das alles irgendwie so bekannt vor kam. Das Letzte was wir von Sufjan Stevens gehört haben war das 5fach Weihnachtsalbum Silver & Gold und davor 2010 das Elektromonument„Age Of Adz“, das trotz aller Schrägheit die Kurve zu einem schönen Album fand, vor allem live eine Wucht war,

Das Album ist abgefahren, experimentell, aber mehr interessant als anstrengend. Um den Klang einordnen zu können, genügt eigentlich eine Auflistung der bloßen Fakten: Musik von Sufjan Stevens und Son Lux, Beats von Hudson Mohawke (Warp Records, Kollaborationen mit Kanye West), Raps geschrieben von Kendrick Lamar, gerappt von Serengeti. Beyoncé, Jay-Z und Janet Jackson haben auch mitgemacht. Klingt nach ziemlich viel Spaß, einen riesigen Haufen Buddies ins Boot holen und los geht's. Das belegt schon, dass ursprünglich eine EP geplant war, die dann aber zur LP geworden ist.

„Sisyphus“ ist irgendwie alles: Sufjan Stevens' verzaubernde Stimme, mal über melancholische Klänge („I Won't Be Afraid“), mal über fette Beats, mal beides. Ein Sound, der schon stark an „Age Of Adz“ oder eben Son Lux erinnert, nur noch mit einer Portion mehr Wumms. Tragende Balladen wechseln sich mit Hip-Hop-Tracks und knautschigen Elektrobeats ab, abgeklärte Rap-Parts Serengetis mit Gesängen Stevens'. „Rhythm Of Devotion“ beginnt gar als bounciger Raptrack im Kanye-West-Style, vermischt sich aber mit melancholischen Elementen und baut sich immer dramatischer auf. „Lion's Share“ erinnert in seinem smoothen Sound an Daft Punk. „Sisyphus“ ist eine spannende Mischung aus Coolness, Melancholie und dicken Beats.

Herrlich ein überraschendes Album von einem meiner Lieblingsmusiker – an der Stelle kommt nun „Lion's Share“, in dem alle drei Musiker von Sisyphus ihre Stärken ausspielen können.

(dennis klostermann)

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