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Kommentar

Kommentar vom 22.04.2014

Hurra! Wasserwerfer für alle! - Da spendiert der Bund unserer Polizei mal eben einen neuen Wasserwerfer. Für etwa 900.000 Euro. Fragt sich, woher das Geld kommt. Denn nicht nur für die Thüringer Ordnungshüter gibt es so ein üppiges Geschenk. Nein. Jedes Bundesland bekommt einen. Und weil es vermutlich Mengenrabatt beim Einkauf der Geräte gibt, gönnt sich der Bund selber auch noch ein paar. 78 Stück sind insgesamt bei einer österreichischen Firma bestellt worden. Der Wasserwerfer wird von seiner Besatzung liebevoll „Sanfter Riese“ oder einfach WaWe 10 genannt. 33 Tonnen wiegt das High-Tech-Gefährt. Mit drei Kameras kann die Besatzung das Umfeld des 408-PS-Lasters überwachen. Zwei Strahlrohre können bei Bedarf nach vorn und eines nach hinten Wasser schießen. Statt wie bisher nur einen gezielten Strahl abgeben zu können, ermöglichen die Spezialdüsen des neuen Werfers drei verschiedene Auffächerungen. Damit könne das Verletzungsrisiko im Ernstfall minimiert werden, heißt es. Wir erinnern uns? Bei einer Demo zu Stuttgart 21 hatte ein Wasserwerfer einem Schüler das Auge ausgeschossen. Der WaWe10 kann 10.000 Liter Wasser aufnehmen. Und er hat einen Extra-Tank, aus dem Reizgas beigemischt werden kann. Primärer Einsatzbereich des Wasserwerfers ist der Einsatz unmittelbaren körperlichen Zwanges gegen Personen. Es soll dabei um Gefahrenabwehr gehen. Insbesondere bei Demonstrationen und anderen Großveranstaltungen. Durch die ungewöhnliche Form soll ein Heraufklettern unmöglich gemacht werden. Und er besitzt ein internes Löschsystem, das den Wagen plötzlich in eine Wasserglocke einnebeln kann - unten wie oben, sollte doch einmal ein Molotow-Cocktail fliegen. Bis 2015 sollen alle Länder mit dem WaWe10 ausgestattet sein. Was bei all den technischen Daten nicht zu lesen ist: Wasser sieht immer so harmlos aus. Ist es aber nicht. Entsprechend gebündelt und mit dem notwendigen Druck, kann ein Wasserstrahl zentimeterdicken Stahl zerschneiden! Im Netz tauchte deshalb auch die Frage auf, wo der Unterschied ist zwischen einer solchen Kampfmaschine und militärischem Gerät. Vielleicht liegt dieser Unterschied in der Qualität. Der neue 900.000-Euro-Wasserwerfer kommt aus einer Firma, die sonst Feuerwehr-Technik baut. Und gleich bei der ersten Übung in Thüringen war das neue Spielzeug kaputt. Wie peinlich. Die Bereitschaftspolizisten hatten den Koloss mit Wurfgeschossen attackiert, wie sie bei Demos vorkommen. Also Eier, Tennisbälle und halb leere Plastikflaschen. Keine Steine wohlgemerkt. Und was ist passiert? Das Polycarbonat-Panzerglas wurde beschädigt. Nachdem sich die Netzgemeinde ordentlich über die Polizei lustig gemacht hatte deswegen wurde aber schnell klar, dass hier noch etwas ganz anderes beschädigt worden war: Da stand beispielsweise: „Mir wird Angst und Bange um unsere Demokratie. Oder sollte man inzwischen besser sagen: Um die Reste unserer Demokratie? Rund 70 Mio für diese hochmodernen Kampfmaschinen, mit denen man alle politisch unliebsamen Bürger niederknüppeln kann.“ Oder noch ein anderes Zitat: „Scheinbar befürchtet der Staat Demonstrationen gegen seine Politik. Dem muss der Staat dann mit Gewalt begegnen ist doch klar. Soviel hält der Staat also von seinen Bürgern.“ Oder noch ein Beispiel: „70 Millionen für solch lustige Wasserpusten? Mit was für einem Bürgerkrieg wird denn hier gerechnet? Ach ja - die ganzen Demos gegen das Fracking werden ja kommen, dann ist die Anschaffung ja berechtigt um die Bürger klein zu halten!“ Genug der Zitate. Irgendwie kommt einem das vor wie die Geschichten, die Opa manchmal erzählt hat: Wenn es vom Lehrer Hiebe gab, musste der unartige Schüler selber den Rohrstock holen. Und heute rüstet der Staat gegen seine eigenen Bürger auf und die bezahlen das Ganze auch noch. Mit ihren Steuern. Laut Wikipedia stammt der Beschluss für dieses Geschenk an die Länder übrigens aus der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern von 2005. Damals regierte rot-grün und der zuständige Innenminister war SPD-Mann Schily. Auf der gleichen Konferenz wurde auch entschieden, Roma und Aschkali unbedingt in den Kosovo „zurückzuführen“ und sie auch zwangsweise abzuschieben. Aber das ist ein anderes Thema.

(Grit Hasselmann)

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