RadioLivestream Radio LOTTE Blog Radio LOTTE Mediathek Radio LOTTE Newsfeed Radio LOTTE bei Facebook
 
Jetzt im Radio

Sonntag, der 20.Juni, 02:42 Uhr

seit 00:00 Uhr
Nächste Sendung ab 00:00 Uhr

Kommentar

Kommentar vom 29.04.2014

Schlechtes Essen macht dicke Kinder - Die Thüringer Kinder sind zu dick. Schon in Kindertagesstätten ist jedes zehnte Kind übergewichtig. Bei den Einschulungskindern im letzten Schuljahr stieg die Zahl der übergewichtigen Kinder auf 11,4 Prozent. In der 8. Klasse sind dann schon 20,7 Prozent zu schwer. Jetzt macht sich der Landtag Sorgen darum. Denn Übergewichtigkeit im Kindesalter verschlechtert die Entwicklungschancen der Kinder. Das Risiko für Folgeerkrankungen steigt. Altersdiabetes schon in jungen Jahren, Erkrankungen des Bewegungsapparates oder psychische Belastungen beispielsweise. Interessant ist, dass die Politiker zu dem Schluss kommen, dass Kinder aus armen Familien deutlich öfter zu dick sind. Aber woran liegt das? Die Politiker wollen eine gesündere Schulverpflegung, ein neues Schulfach: „Ernährung und Gesundheit“ und mehr Spielplätze, Sport- und Bewegungsparks. Aber – ist das die Lösung? Das würde ja bedeuten, dass sozial schwache nichts über gesunde Ernährung wissen. Das ist diskriminierend, finde ich.
Eine Freundin von mir, alleinerziehend mit drei Kindern, würde total gerne nur gesundes Essen auf den Tisch bringen. Bio, regional, von glücklichen Tieren und chemiefreien Feldern. Nur – sie kann sich das nicht leisten. Weder in der Verbrauchergemeinschaft noch im Bio-Supermarkt gibt es Sonderpreise für finanziell Schwache. Wenn sie dann also in den normalen Supermarkt geht, ist es für Stadtmenschen schwer, regionale Produkte von welchen aus Übersee zu unterscheiden. Gut- dass Erdbeeren im Dezember nicht regional sein können, ist klar. Aber nicht alles ist eben so einfach. Erst recht ist kaum herauszufinden, welche Produkte gentechnisch veränderte Bestandteile aufweisen. Jetzt schon. Sollte das berühmte Freihandelsabkommen in Kraft treten, wird das noch schwieriger. Ebenso ist das mit dem Dünger, den Antibiotika, dem Zucker und all den anderen Dingen, die uns beim Essen untergejubelt werden. Und wenn dann noch die Cola 90 Cent kostet und die gesunden Getränke fangen bei 1,10 erst an, wird es noch schwieriger. Wenn ein Weizenbrötchen fast einen Euro billiger ist, als eins aus Vollkorn. Wenn zu Tode behandelte Milch für 60 Cent zu haben ist, Rohmilch aber das 3fache kostet. Verstehen Sie mich nicht falsch. Gutes und hochwertiges Essen soll durchaus einen korrekten Preis haben. Aber die minderwertigen Produkte werden vorgezogen, weil sie so billig sind. Und das sind sie nicht nur wegen der schrecklichen Art ihrer Erzeugung. Immer noch werden Milliarden an Agrarsubventionen an Landwirte gezahlt, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen. Statt Öko-Bauern zu fördern, werden in Thüringen riesige Schweinefabriken noch weiter ausgebaut. Gesundes Schulessen soll also die Lösung sein? Und wenn es dann ans Bezahlen geht? Man kann der Küche nicht vorschreiben, wo sie einkauft. Der Staat ist verpflichtet, bei Ausschreibungen das günstigste Angebot zu nehmen. Selbst reiche Eltern fangen an zu meckern, wenn das Schulessen 6 oder 7 Euro kosten soll. Und das tut gesundes Essen, wenn es nicht gefördert wird.
Mehr Spielplätze? Klar. Dann muss sich keiner mehr die Zeit nehmen, mit seinem Kind zu wandern, zu klettern, einfach mal raus zu gehen. Natürlich brauchen Kinder Spielplätze. Aber da kann man nur „rumhängen“. Zum richtigen Toben muss man in die Natur. In den Wald, auf die Wiese. Abgesehen davon gehen dicke Kinder nur sehr ungern auf Spielplätze. Und dann war da noch nach neue Schulfach: „Ernährung und Gesundheit“. Das ist mein Lieblingsvorschlag. Nichrt etwa mehr Sportunterricht. Nein. Ernährung und Gesundheit. Wenn man im Netz unterwegs ist, gibt es gefühlte drei Millionen Ernährungsprogramme. Alle gesund, alle sind die besten. Von Steinzeit-Ernährung über basisches Essen bis zu Rohkost. Wer will entscheiden, was den Kindern als gut vermittelt werden soll? Und wie will man sicher stellen, dass die Eltern das Gelernte dann auch in ihren Alltag integrieren? Das gelingt doch schon der Waldorfschule nicht. Und dann gibt es da noch die Fastfood-Läden. Burger und Cola für 1 Euro. Wie will man Kinder und Jugendliche davon fernhalten? Zumal sie ja auch richtig eklig sind, wie gestern von Günther Walraff zu sehen war. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

(Grit Hasselmann)

nach oben

Beitragsarchiv

Sortiert nach Kategorie:

Förderer

Kunstfest 2016 Ehringsdorfer Adapoe Sound dottr. Brings auf den Punkt!