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Kommentar

Kommentar vom 20.05.2014

Bist du versichert? Dann werd nicht krank! - Letztens hatte ich ein Gespräch im Wartezimmer, das mich stutzig gemacht hat. Ich war mit meinem Kind zum Impfen. Die Frau neben mir, ungefähr mein Alter, wusste nicht so genau, warum sie da war. Sie war halt recht lange nicht beim Arzt. Und wofür zahlt man schließlich die hohen Krankenversicherungs-Beiträge, wenn man sich dann nie behandeln lässt. Ja. Wofür eigentlich? Ich habe nicht einmal einen Hausarzt, weil ich die Damen und Herren in Weiß meide, wo es nur geht. Und dann gibt es Leute, die lieben Arztbesuche. Wegen der Gespräche, wegen der Massage-Rezepte und wegen der Sicherheit bezüglich ihrer eigenen Gesundheit. Bei uns auf dem Dorf gehen die Leute übrigens fast nur zum Arzt, wenn wirklich etwas anliegt. In der Stadt öfter auch mal einfach so. Und dann gibt es noch die Sportbegeisterten, bei denen nicht die Frage ist, ob sie sich verletzen, sondern eher wann und wie. Alles das bezahlt die Krankenversicherung. Auch Schwangerschaftsbetreuung, Geburten, Vorsorgeuntersuchungen etc. Und trotzdem liest man immer wieder von den wahnsinnigen Überschüssen, die dort angehäuft werden. Scheinbar sind die Beiträge eben doch zu teuer. Und für manche sind sie es definitiv. Fast 140 000 Deutsche leben hierzulande ohne Krankenversicherung. Mit rund 35.000 sind viele Selbstständige darunter. Wegen schlechter Auftragslage oder schleppender Zahlungen können sie sich weder eine gesetzliche noch private Versicherung leisten. Ohne Versicherungsschutz sind aber auch geringfügig Beschäftigte und Hausfrauen. Wohlfahrts- und Flüchtlingsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die offizielle Zahl nach oben korrigiert werden müsste. "Es gibt eine hohe Dunkelziffer", heißt es bei der Caritas. Denn das Statistische Bundesamt erfasst nur Menschen mit gemeldetem Wohnsitz. Beispielsweise tauchen also Obdachlose nicht in der Statistik auf.
Nach Einschätzung der Ethikkommission kommen dazu noch zwischen 200.000 und 600.000 weitere Menschen ohne jeglichen Krankenversicherungsschutz. Dazu gehören etwa "Untergetauchte". Abgelehnte Asylbewerber, Staatenlose, aber auch Kinder, deren Eltern keinen gesicherten Aufenthalt haben. Wer nicht versichert ist, lebt mit der Angst: "Bloß nicht krank werden." Denn eine Krankenkasse, die den Arztbesuch bezahlt, existiert nicht. Was bleibt? Man zahlt die Rechnung aus eigener Tasche, was wegen Geldmangels meistens kaum möglich ist. Zwar sind Ärzte in Deutschland verpflichtet, Notfälle auch ohne Krankenversicherung zu behandeln, die Kosten können anschließend von den Sozialämtern erstattet werden. Doch was ein Notfall ist, darüber gehen die Einschätzungen oft auseinander. Vor allem bei Ausländern ohne Krankenversicherungskarte schalten viele Ärzte und Krankenhäuser sofort auf Abwehr - aus Angst, auf den Kosten sitzenzubleiben. Und schicken die Leute weg. Und das mitten in Deutschland. Die gesetzliche Krankenversicherung wurde als erste Leistung 1883 aus dem Bereich der Sozialversicherungen von Otto von Bismarck als Teil des deutschen sozialversicherungsrechtlichen Solidarsystems eingeführt, um die Arbeiterschaft für den Staat zu gewinnen. Seit 1. Januar 2009 besteht die Allgemeine Krankenversicherungspflicht. Alle Personen (von Ausnahmen abgesehen) mit Wohnsitz in Deutschland müssen sich bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer gegen Krankheitskosten versichern. Flüchtlinge haben im Regelfall keinen Krankenversicherungsschutz, wenn sie nach Deutschland kommen. Selbst mit einer Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung haben Flüchtlinge nicht sofort uneingeschränkt Zugang zum herkömmlichen Versicherungssystem. Erst nach vier Jahren Aufenthalt in Deutschland können alle Leistungen beansprucht werden, wie sie auch deutsche Bürger bekommen. Ob sie sich dann die Brüche vom Ski-Unfall richten lassen oder die Gehirnerschütterung vom Wochenend-Trip auf dem Nürburgring oder doch eher die Schulter-Schmerzen nach dem Fallschirm-Springen – alles kein Problem. Jeder, der eine Krankenversicherung hat, kann so oft und solange und so grundlos zum Arzt gehen, wie er will. Allerdings vermute ich, dass Menschen, die wirkliche Probleme haben, schon mit einer Grund-Sicherung für sich und ihre Familien mehr als zufrieden wären. Und das sollte doch in einem Land wie Deutschland möglich sein: Dass jemand, der ärztliche Hilfe braucht, die auch bekommt. Und zwar in guter Qualität. Und nicht nur die, die genug Geld haben dafür.
Zum Abschluss ein Zitat aus dem Netz: „Wir brauchen endlich EINE Grundabsicherung für alle: Nichtverdiener, Geringverdiener, Normalverdiener, Gutverdiener, Beamte, Selbständige, etc. Unser aktuelles System ist einfach nur ungerecht, es grenzt die Selbständigen aus, die nicht genug verdienen, und lässt den Mittelstand für alle anderen zahlen. Wer wie ich oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze, aber unterhalb der Versicherungspflicht verdient, zahlt horrende Beiträge für wenig Leistung. Es ist ja schön, wenn ich meinen Beitrag dazu leiste, dass auch kinderreiche Familien und sozial Schwache versichert sind, aber warum müssen Beamte und Gut Verdienende nicht den gleichen Beitrag leisten? Dann würde es nämlich für alle billiger.“

(Grit Hasselmann)

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