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Kommentar vom 04.03.2009

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Sollte man eigentlich sagen, wenn man den Fall Althaus aufmerksam verfolgt hat. Der schwere Skiunfall ist schlimm genug. Aber was in seiner Aufarbeitung folgte, verschlägt einem buchstäblich die Sprache.
Dieter Althaus selbst ist außer seiner Unachtsamkeit, die zu dem tragischen Geschehen auf der Piste führte, kein Vorwurf zu machen. Er war nachweislich nicht handlungsfähig und ist es heute wohl immer noch nicht. Was sich seine Entourage beim Umgang mit dem Vorfall gedacht haben mag, ist nicht nachvollziehbar. Jedenfalls haben die Mitarbeiter und Strippenzieher um den Ministerpräsidenten herum ihm schweren Schaden zugefügt, und damit auch dem Land Thüringen.
Das Fernsehmagazin Zapp hat recherchiert, dass das in der Bild-Zeitung veröffentlichte Foto, welches Dieter Althaus und seine Gattin Katharina bei der Beerdigung seines Vaters am Grab zeigen sollte, nachgestellt war. Es zeigt einen gefassten, trauernden Menschen, der am Arm seiner Ehefrau dem Verstorbenen gedenkt, von Schneeflocken umwirbelt. Zu dumm, dass beim Begräbnis ein völlig anderes Wetter herrschte. Der Schneefall setzte erst einen Tag später ein. Also eine Inszenierung, oder auf gut neudeutsch, ein Fake.
Einem ohnehin schon angeschlagenen Ministerpräsidenten auf diese Weise auch noch die Glaubwürdigkeit zu nehmen, zeugt von absolutem Realitätsverlust der dafür Verantwortlichen.
Und jetzt das Expressurteil des Bezirksgerichts Irdning. Auch die österreichische Justiz ist dem Statut nach unabhängig. Aber das Richter schneller entscheiden, als Dieter Althaus die Piste herunter fuhr, wirft Fragen auf. Dass die Thüringer CDU eine zeitnahe Entscheidung haben wollte, um endlich den Wahlkampf starten zu können, ist sogar legitim. Aber dieser Schuss geht nach hinten los und trifft exakt den, der am wenigsten dafür kann, nämlich Althaus selbst. Die Bürgerinnen und Bürger Thüringens, auch die wohlmeinenden und der CDU freundlich gesinnten, haben schwer an dem Nachrichtenbrocken zu schlucken, der ihnen da auf den Wiener Kaffehaustisch geknallt wurde. Gerade mal knapp vier Stunden lagen zwischen dem Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens und der Urteilsverkündung. Ob die zuständigen Richter einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde angestrebt haben, bleibt offen. Fakt ist, dass der auch in Österreich selbst als völlig ungewöhnlich angesehene Prozessverlauf eine Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Mike Mohring ad absurdum führt. Dieser hatte den Unfall mit den Worten: „Das kann jedem passieren“ zu relativieren versucht. Im Kern hat er ja recht. Es kann wirklich jedem passieren, vor dem Schicksal sind alle gleich. Hätten er und seine Mitstreiter es mal dabei belassen. Ein dem üblichen Gang der Justizmühlen gemäßer Prozess hätte vielleicht zu dem selben Urteil geführt, aber der bittere Nachgeschmack wäre uns erspart geblieben. Mit dem Turboschuldspruch wurde der bisherigen Strategie, Althaus auf Biegen und Brechen als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl zu halten, endgültig der Garaus gemacht. Auch ein gesundheitlich angeschlagener Mensch kann durchaus ein politisches Amt ausfüllen, wenn ihm kompetente Berater zur Seite stehen. Die Liste kränkelnder und schwer kranker Spitzenpolitiker mit Höchstleistungen ist lang und kennt so prominente Namen wie Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy oder in Deutschland Helmut Schmidt und Walter Scheel. Und das krasse Fehleinschätzungen nicht ursächlich mit dem Gesundheitszustand der Entscheidungsträger zusammen hängen, wissen wir spätestens seit der Bankenkrise.
Auch ein von einem Gericht bestrafter Ministerpräsident, der eine Zehntelsekunde lang nicht aufgepasst und einfach Pech hatte, wäre noch tragbar gewesen. Die Schuld am Tod eines Menschen kann kein Geld und kein Urteil der Welt sühnen, das muss der Betroffene mit sich selbst ausmachen und verbietet jede öffentliche Diskussion.
Jetzt bleibt nur noch eins: der Schlussstrich unter der Ära Althaus. Das Ansehen ist dahin. Wirtschaftskrise und die Gefahr des Einzugs von Nazis in den Thüringer Landtag erfordern schon allein einen tatkräftigen, glaubwürdigen und kompetenten Menschen an der Spitze der Regierung mit einem qualifizierten Beraterstab an seiner Seite. Aber wer solche Zu- und Wasserträger wie Dieter Althaus hat, sollte sich nicht einmal für den Vorsitz eines Kleingartenvereins bewerben.

(Michael Schlag)

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