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Tonspur

Tonspur vom 11.08.2014

Acollective - Pangaea - Machen wir mal ein kleines Experiment. Stellen wir uns eine Weltkarte vor. Aufmalen oder im Internet aufrufen geht auch. Und dann tragen wir mal mental oder schriftlich ein, wo unsere Lieblingsmusiker so herkommen. Irgendwas Auffälliges? Hm, bei mir schon. Die meisten Bands und Musiker sind in den USA, Kanada, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Deutschland zu verorten. Noch ein paar kleine Ausreißer nach Spanien, Niederlande, Australien. Aber ein erschreckend großer Teil der Welt fehlt. Keine neue Erkenntnis, aber immer wieder interessant zu sehen, wie begrenzt die eigene musikalische Landkarte doch ist. Kleiner Lichtblick: Heute fügen wir gemeinsam Israel dieser Landkarte hinzu. Geholfen haben die Kollegen eines netten Berliner Radiosenders, die neulich die Band Acollective aus Tel Aviv interviewten und ganz viel ihrer Musik spielten. Aus Israel zu sein und momentan um die Welt zu touren ist bestimmt nicht ganz einfach. Die Herkunft polarisiert; die Band sieht es als großes Privileg an, momentan auf Tour zu sein. Die Songs von Acollective sind dann aber mitnichten Politrock, sondern einfach eine besondere Spielart des Indie-Pop-Rock oder so. Aus dem Stehgreif würde sie wohl keiner nach Israel packen: Gesungen wird in lupenreinem Englisch, die Genres werden nur so durchgezappt. Die Band spielte auf ihren Welttourneen schon mit den Flaming Lips, Animal Collective und so weiter. Das passt ganz gut, auch wenn der pure Wahnsinn eben genannter Bands nicht so ganz auf Acollective übergegriffen hat, was vermutlich den Melodien zugute kommt.
Seit 2008 gibt es die Band, mittlerweile zu siebent unterwegs, zuerst in Israel und dann eben auf der ganzen Welt.
Der Albumtitel, Pangaea, bezieht sich auf den letzten Superkontinent der Erde, auf dem die Dinos wohnten, bevor dann alles auseinander driftete. Aussagen der Band zufolge darf man alles reininterpretieren, was man will: Die Band als musikalische Urkraft oder alles für den Weltfrieden, alle eine Welt und shalalala.
Nun zur Musik. Stilistische Festlegung scheint nicht so ihrs zu sein. Das ist allerdings völlig in Ordnung. Man kann nämlich ein lustiges Experiment starten und sich Bands ausdenken. Je nachdem mit welchem Song man bei Acollective einsteigt, kann man sich nämlich eine völlig neue Band vorstellen. Daher: Acollective! Los geht’s!
Erster Song, OTM, der Einstiegstitel. Acollective sind ein Hipsterabklatsch von Alt-J, haben aber mehr Bums und vor allem einen weniger nölig klingenden Sänger. Woo hoo!
Zweiter Song, Breakapart. Acollective sind eine alte, schlecht gestimmte Blaskapelle. Nein, doch nicht: Sie sind eine groooovige Rockband mit funky Einschlag und nur ein ganz bisschen Muckerattitüde.
Dritter Song, Happiest of All Memorial Days. Acollective sind eine Mädchenband für alle die, denen Coldplay jetzt zu bombastisch sind und Band of Horses zu weg vom Fenster. Bläser gibt es auch und eine schöne Zeile: „I want to wake up to parades.“ Ich übrigens auch.
Sechster Song, wir überspringen ein paar, Custom. Acollective tragen Karohemden, Bärte und bringen uns beim Einschlafen zum Weinen. Wie auch nicht, mit dieser Stimme?
Siebter Song, Beating Heart Cadavers: Was für ein netter Songtitel! Acollective sind doch eigentlich Animal Collective, aber nur, wenn sie noch ein wenig anstrengender werden.
Neunter Song, Had it Once. Acollective sind der neue Fetenknaller für jede Indieparty, yeah yeah yeah! Eine 90er-Gedächtnispfeife gibt es auch!
So kann man das weiter spinnen mit allen Songs. Roter Faden? Pfeifen wir drauf. Kann man kritisieren oder spannend finden, ich habe mich für Letzteres entschieden.
Denn sehen wir es doch mal so: Auch wenn man bei 12 Songs hier ungefähr 12 verschiedene Bands sitzen hat, machen die ihre Sache allesamt ganz schön gut. 12 neue Lieblingsbands, und alle heißen sie Acollective. In ihrer eingängigsten Inkarnation, frisch aus dem Zeitalter der Dinosaurier, vom Album Pangaea: Acollective mit „Had It Once“.

(Laura Eigbrecht)

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