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Tonspur

Tonspur vom 22.09.2014

Alt-J - This Is All Yours -

Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr auf ein Album gefreut, wie auf „This Is All Yours“ von Alt-J. Und dabei weiß ich doch ganz genau, dass man das nicht tun sollte. Schließlich erwecken Vorfreuden immer auch unheimliche Erwartungen, die dann nur extrem schwer erfüllt werden können. Alt-J setzten zudem noch einen drauf. Ihr Erstlingswerk „An Awesome Wave“ lief auf meinem MP3-Player so unglaublich häufig hoch und runter, dass ich zugeben muss: Ich liebe diese Platte. Klar, dass ich danach mehr wollte. Und so begann das Warten auf einen Nachfolger. Und endlich hieß es im Sommer 2013, Alt-J seien im Studio, um eine neue Platte zu machen. Auf Freude folgte jedoch Ernüchterung. Denn, es passierte nichts; weder musikalisch noch informativ. Bis es schließlich Anfang des Jahres hieß, dass das Gründungsmitglied Gwil Sainsbury die Band verlassen habe. Damit war für mich klar, dass ich von denen sicher nichts mehr hören werde, und war irgendwie auch froh darüber, so nun nicht mehr mit einem schlechten Nachfolger enttäuscht werden zu können. Aber wie es in der Liebe nunmal ist: Es kommt doch immer anders, als man denkt. Denn nun liegt sie vor mir; die schwarze Scheibe mit den tiefen Rillen und darauf steht: „This Is All Yours“. Ich muss sie nur auflegen, frei von Vorurteilen zuhören, mich darauf einlassen, und die Reise kann beginnen.
Sie startet fast seltsam vertraut und doch anders. Im Intro klingt A-Capella-Gesang, der dann doch in elektronische Variationen mündet und dann klingts auch irgendwie nach meinem Liebling „Taro“ – der letzten Nummer der ersten Platte. Anschließend erreichen wir vom Piano getragen Nara, eine Stadt im Süden Japans. Die Menschen dort verehren Rehe, was dazu führt, dass sie in ihrem beschaulichen Ort mit den Tieren in absoluter Harmonie zusammenleben. Ein höchst romantisches Plätzchen also, an dem es – man ahnt es schnell – darum geht, dass sich zwei Liebende verbinden. Ich weiß, es klingt auch für mich absolut kitschig, während ich das hier schreibe und dazu auch noch höre, wie Joe Newman „Love is the warmest colour“ oder „In my youth the greatest tide washed up my prize: You“ singt, aber ich glaube ihm das irgendwie, und das gefällt mir auch. Und es hört nicht auf. In „Every Other Freckle“ geht es darum, dem Anderen selbst die letzte Sommersprosse geben zu wollen; das unerwartet brachiale „Left Hand Free“ pflügt die Stimmung um und fügt der Beziehung das Leid dazu; vervollständigt wird das Ganze anschließend selbstredend von Sehnsucht, Hoffnung und Angst – alles im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz/Unsicherheit und Verlangen. Und so fragt Newman den Hörer kurz vor Schluss „Are you a pusher or are you a puller?“ Hach, irgendwie ist das alles so tragisch schön, dass man den Kopf in den Nacken legt, die Augen schließt und mit abschweift. Die unglaublich komplex geschichtete Musik, die Harmonien der Instrumente, die kryptischen Texte, der fragile Gesang; das alles baut hier so unglaublich gut aufeinander auf, und deshalb sollte es auch eigentlich nie aufhören. Da das aber nicht geht, heißt es auch hier irgendwann „Leaving Nara“. Aber man kann ja immer wieder kommen und deshalb heißt es jetzt hier nunmehr „Nara“….

(Christian Faludi)

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