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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 15.01.2015

Bittersüße Zeiten in Apolda - Grit Hasselmann:
„Bittersüße Zeiten“ – das verspricht eine neue Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde. Am Sonnabend wurde sie in unserer Nachbarstadt eröffnet und Wolfgang Renner hat sich bei dieser Gelegenheit dort umgehört und umgesehen...

Wolfgang Renner:
Mit der Ausstellung „Bittersüße Zeiten“ beginnt das Kunsthaus Apolda Avantgarde das 21. Jahr seines Bestehens. Die 20 Jahre davor wertet man hier als eine großartige Erfolgsgeschichte, mit unerwartet vielen Besuchern in all den Jahren und zugleich mit einem unverkennbaren Image-Gewinn für die Stadt.
Nun also gibt es „Bittersüße Zeiten“ – allerdings nicht nur im Ausstellungstitel, sondern auch bei der weiteren Ausstellungsplanung. Den Apoldaern wurde nämlich das lang geplante Jahreshauptausstellungs-Projekt „Ich liebe das Leben“ mit Werken der grandiosen von Niki de Saint Phalle kurzfristig abgesagt.
Das heißt, die Veranstalter stehen vor einem Problem, das bisher noch nicht gelöst werden konnte – so zumindest drückte es Apoldas Kulturchef Giese bei der Eröffnung aus.

Die erste Schau im neuen Jahr ist aber schon wieder etwas ganz besonderes und meiner Meinung nach sehr gut gelungen: 30 Bilder des flämischen Barock aus dem 17. Jahrhundert und 90 Werke von Künstlern unserer Gegenwart, die hat man einander gegenübergestellt und lässt sie in einem Dialog – miteinander oder auch gegeneinander – treten. Gerade dadurch wird viel vom Geist der jeweiligen Zeit sehr deutlich.
Was da im Abstand von 400 Jahren geschaffen wurde, zeigt nicht nur die Veränderungen im künstlerischen Genre- und Formenverständnis, sondern ganz besonders auch das Gegensätzliche der Epochen.
Hier und heute: Das Auf- und Ausbrechende, Eruptive, mitunter Flüchtige, Verletzliche, Zerrissene, auch Provokante, all das Experimentierfreudige wie auch Experimentiermögliche – perfektionierte Finesse wie auch Dahingeschmiertes, Großformatiges wie Kleinteiliges, Anziehendes und Abstoßendes – alles ist dabei.
Und einst: „...die idealisierende Darstellung des täglichen Lebens, moralische Anleitung für ein ehrbares Dasein und die Hervorhebung des bürgerlichen Selbstbewusstseins...“ (so ein Flyer-Zitat). Die alten Meister waren perfekt, wählten warme, erdverbundene Farben und ihr bildhaftes Licht- und Schatten-Spiel gleicht einer Theaterdramaturgie. Da werden spannende Geschichten erzählt...
Heute gibt es eher Abbildungen, denn Geschichten. Und manches wirkt vielleicht aus diesem Grund flacher als einst. Und dennoch ist auch dies interessant und betrachtenswert. Da sind große und weniger bekannte Namen versammelt; und wenngleich sie alle nicht mit ihren Hauptwerken vertreten sind, so ist die Auswahl ihrer Bilder doch thematisch sehr passend: David Hockney, Norbert Bisky, Moritz Schleime, Jonathan Meese, Neo Rauch – um nur einige zu nennen. Ihnen gegenüber: Pieter Verelst, Jan Molenaer, Adriaen van Ostade, David Teniers d.J. und andere.
Trotz aller vermeintlicher Unvereinbarkeit zeigt solch eine Gegenüberstellung aber tatsächlich auch noch Gemeinsames, vor allem im thematischen Bereich: Alle Bilder fragen nämlich nach der Existenz des Menschen. Und nach der Essenz seines Daseins.

Die Ausstellungsmacher sind beim Rundgang dem Verlauf eines Lebensweges gefolgt: Menschenbilder – Kinderzeiten – Der tätige Mensch – Sex und Liebe – Vergnügen und Absturz – bis hin zum Totenbett: memento mori; bedenke, dass du sterblich bist... „Das wahre Problem ist nicht der Tod; es ist das Leben. Auf die wirklichen(!) Fragen des Lebens gibt es nämlich keine Antwort“ – so der Kurator bei der Eröffnungsrede.

Und solcherart von der Kunst wieder auf das reale Leben zurückgeworfen, bietet übrigens das Kunsthaus Apolda fortan ein Ausstellungsticket in Kombination mit einem Besuch der Toskana-Therme in Bad Sulza für 15 Euro an.
Neben die künstlerische Qualität haben die Apoldaer übrigens immer auch eine image-befördernde und eine touristische Qualität gesetzt. Und schon deshalb können wir davon ausgehen, einen durchaus einen interessanten „Ersatz“ für die entgangene Jahresausstellung „Ich liebe das Leben“ im Herbst zu erleben. Vorerst kann man ja erst einmal die „Bittersüßen Zeiten“ in Apolda erleben...

Grit Hasselmann:
Eine schöne Anregung also, vielleicht doch wieder mal auch im Weimarer Land auf die Suche nach Kunst und Leben zu gehen...
Wolfgang Renner hat sich für uns die Ausstellung „Bittersüße Zeiten“ in Apolda angesehen. Die Ausstellung dort kann man ab heute - und noch bis zum 15. März - ansehen.

(Wolfgang Renner)

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