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Tonspur

Tonspur vom 07.04.2015

The Amazing – Picture You -

Wo ich in der letzten Tonspur noch den Frühling ein Loblied sang und ihm damit alle Türen zu meinem Herzen öffnete, macht mir der Winter der alte Arsch wieder alles zu nichte. Er soll sich in rauhe Berge zurück ziehen und von dort, fliehend nur, Schauer körnigen Eises senden, oder vielleicht auch das lassen, es ist April, Ostern und die Kindlein wollen Eier suchen und sich nicht einen Schnupfen holen, da kann sich der olle Winter ja mal mit so einer Tigermutti anlegen, die ihr Kind in Gore Tex und Wolle hüllt.

Oder Frau Holle kann der doofen Pech Marie sagen, nachdem du jetzt den ganzen Winter über (angenehm) faul war, braucht sie jetzt, wo´s nach Hause geht auch nicht mehr an fangen die Betten auszuschütteln. Überhaupt, was macht eigentlich Frau Holle den Rest des Jahres, Wolken Regen, Plagen?

Aber was erzähle ich den hier, ich will doch die neue Platte von The Amazing vorstellen, die Picture You heißt.
„Picture You“ ist - wie schon das Debüt und der noch bessere Zweitling „Gentle Stream“ (2011) - ein Album für Rockmusik-Kenner, ohne jemals ins Nervig-Nerdige oder gar Geschmäcklerische abzurutschen.

Ein Spektakel mit twangenden Gitarren, atmosphärischen Keyboards und einer Rhythmusgruppe die immer wieder in unerwartete Richtungen abdreht.
Die meist in Mid-Tempo gehaltene Musik ist so überzeugend wie rätselhaft. Sie hat ihre eigene, einzigartige Textur und Klangfarbe und ist wohl am besten mit “psychedelisch“ zu umschreiben.

Die ersten Songs auf “Picture You” weisen eine bemerkenswerte Harmonie auf und vermitteln in ihrer Unaufdringlichkeit und Schönheit Ruhe, Wärme und Kraft.

Christoffer Gunrup, Reine Fiske, Fredrik Swahn, Alexis Benson und Moussa Fadera bilden das aktuelle Gerüst der Band bei den Aufnahmen zu dieser Scheibe, die Basics wurden innerhalb drei sehr intensiver Tage im Studio eingespielt bevor der Gesang mitsamt den Overdubs hinzugefügt wurden und die Melange dieses wirbelnde Ganze ergab.
Diese Schweden, die es wie viele Künstler aus dem Land im Norden verstehen, eingängige Popmusik zu zelebrieren bilden damit die Spitze eines nicht schmelzenden Eisbergs, der uns immer wieder überraschend frisch und inspiriert klingende hierzulande bislang übersehene Bands zutage fördert.

Das Herzstück der Platte, das etwa zehnminütige Titelstück treibt vor sich hin, bricht im Mittelteil, verstummt, um sehnsuchtsvoll jauchzend wieder Fahrt aufzunehmen, treibende Drums, ein kreisendes Gitarrenstück im Herzen, ein ausgelassener Song ohne Möglichkeit zur Flucht.

Man denkt an Beach Boys und Byrds. Bis im Verlauf des Albums psychedelische Gewitter aufziehen und sich mit tosendem Lärm entladen, um sich am Ende wieder zu beruhigen und in Seelenfrieden auszuklingen. Ein Album wie eine Landschaft und das Wetter.
Mal wild, mal zahm, mal chaotisch und fast nie so, wie man es erwartet.

Wir hören den Song, der die Platte beendet “Winter Dress” ein Loblied und so hoffe ich Abgesag auf die kalte Jahreszeit, den man aber auch im Sonnenuntergang im Sommer hören kann!

(dennis klostermann)

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