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Tonspur

Tonspur vom 20.04.2015

Oliver Gottwald - Zurück als Tourist -
Ich habe sie vermisst, lange vermisst. Die Pusteblumen, Honigmelonen und die schönen Männer aus Amsterdam. All die Dinge, die mein Musikuniversum um ein paar Farben bunter machten.

Vier Jahre nichts Neues von Anajo. Der Augsburger Truppe, die zwar nie den ganz großen Ruhm einfahren konnte, es aber doch zu gern gesehenen Gästen in mittelgroßen Clubs brachte. Ihr Rezept: verschlingerte Wortspiele bis zur Unkenntlichkeit, feine, fast unmoderne Melodien und eine kräftige Portion Furchtlosigkeit auch mal in die Schlagertruhe zu greifen. 1999 ging es los. In Augsburg. Nicht unbedingt als Nukleus der deutschen Popkultur bekannt, aber grade die regionale Färbung war es, die Anajo unverwechselbar machte: leicht gerolltes R im Gesang, musikalische Begleitung durch das Uni-Poporchester und die Unentschlossenheit zwischen Dorf und Stadt. Doch seit 2011 nichts Neues mehr von den Dreien aus dem Süden. Mit ihrem vierten Album „Drei“ machten sie damals große Hoffnungen: etwas düsterer die Texte, etwas dreckiger die Musik, unverwechselbar jungshaft die Stimme von Oliver Gottwald. Mit ihrem Album „Drei“ schließen sie aber auch das Kapitel Anajo.

Seitdem: Ungewissheit. Bis es im sozialen Netzwerk rumort: Der Oliver, der macht jetzt wieder Musik. Und da ist er: Oliver Gottwald, Sänger und Texteschreiber von Anajo, nun allein unterwegs. Wo vorher Anajo draufstand und vor allem Oliver Gottwald drinsteckte, steht nun nur noch Oliver Gottwald drauf. Inhalt weiterhin hochwertig. „Zurück als Tourist“, so sein erstes Album, liefert eine Mixtur aus vielschichtigen Texten und – wollen wir mal sagen – lässig bis unbequemen Melodien. Es ist immer noch Oliver Gottwalds unverwechselbare Stimme, die selten direkt AUF den Tönen landet, meist eher daneben. Aus Honigmelonen und Pusteblumen haben sich Themen entwickelt, die mit ihrem Interpreten gewachsen sind: Das melancholische „Balance“ lehrt uns vom Umgang mit Risiken und Widrigkeiten, „Freunde für’s Leben“ gibt Einblick in sich verändernde Beziehungen und „Zurück als Tourist“ lässt das schale Gefühl von Wiederkehr an einen einst bekannten Ort zurück. Lebenserfahrung auf Platte. Zum Glück vergisst der Sänger dabei nicht, auch mal Doppeldeckerbusse zu besingen. Danke dafür!

Bei Oliver Gottwalds „Zurück als Tourist“ haben wir es mit einem süßlich-abgeklärten Popalbum zu tun, textlich aufgeklärter als seine Anajo-Vorgänger, aber auch weniger musikalisch experimentierfreudig. Kein elektronisches Geklimpere, keine groovigen Bassläufe. Eher der solide Griff zur Akustikgitarre ohne viele Schnörkel. Aber wenn man ehrlich ist, dann lagen Oliver Gottwalds Qualitäten ohnehin schon immer eher im Um- und Einkreisen von Wörtern.

(Tina Kunath)

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