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Tonspur

Tonspur vom 21.09.2015

Gloria - Geister -

Manche Bands werden von Anfang an unterschätzt – musikalisch, personell und überhaupt. Dazu gehören auch jene Projekte, die mindestens ein prominentes Mitglied in ihren Reihen haben: die singende Nora Tschirner mit ihrer Band Prag beispielsweise oder Scarlett Johansson, die sich zur Ausstaffierung ihrer sonoren Stimme professionelle Verstärkung von einem richtigen Musiker, nämlich Pete Yorn, gesucht hat oder auch Ryan Gosling, Keanu Reeves, Russell Crowe – allesamt Schauspieler, die auch eigene Bands haben.

Bei Gloria haben sich gleich zwei Prominente zusammengefunden: Klaas Heufer-Umlauf – ihr wisst schon, der von Joko und Klaas – und Mark Tavassol, der ehemalige Bassist von Wir sind Helden. Als dann ihr erstes Album vor zwei Jahren von der Kritikerzunft als „doch ganz solide“ bewertet wurde, waren viele überrascht, die der Meinung waren, Quatschmacher bleibt Quatschmacher. Das gleichnamige Album „Gloria“ hat sich damals bewährt. Melancholische Popstücke, die durch die Großstadt treiben. Klaas‘ durchaus hörbare Stimme und passende Arrangements.

Nun also der gar nicht so lang erwartete Nachfolger „Geister“. Dieses Mal sind die Erwartungen schon höher, denn Nummer eins war ja „ganz ordentlich“. Die Stimmung auf diesem Album hat sich verändert, die Texte sind nachdenklicher, ernster, gereifter. Die Melodien mäandern zwischen kantig und schmeichelnd, zwischen sofort-in-die-Beine-gehend und so-gar-nicht-ankommen-wollend. „Geister“ funktioniert im Durchschnitt. Gerade jetzt, wo Abende, an denen es schon um 20.30 Uhr dunkel wird, nach Musik wie dieser verlangen. Bei Songs wie dem Titellied „Geister“ spürt man bereits wie Blätter fallen und sich dicke Jacken vor Kälte und Nässe schützend um den Körper hüllen. Inhaltlich besingen Gloria hier einen Irrtum, nämlich die Jagd nach einem falschen Messias. „Neu beginnen“ verarbeitet dagegen die Frage, ob man am Ende seines Lebens bereut und Entscheidungen rückgängig machen will.

Gloria jonglieren mit zumindest einigen großen Fragen des Lebens. Musikalisch tun sie das mit treibenden Gitarrenriffs, summenden Streichern und wabernden Bässen wie bei „Stolpersteine“, dem textlich gewichtigsten Lied des Albums, geht es doch um die in deutschen Städten eingesetzten Steine am Boden, die an deportierte Personen zur Zeit des Dritten Reichs erinnern. Die meisten der Lieder bleiben zumindest nach mehrmaligem Hören hängen, bei manchen hingegen sträubt sich die Ohrmuschel fast. „Das, was passiert“ ist so ein Lied, da ist die Nähe zu – Entschuldigung – Bands wie Revolverheld einfach da. Auch Udo Lindenberg und ein Augenzwinkern zum Schlager sind nicht zu leugnen.

Auch, wenn die musikalischen Einfälle durchaus noch Platz nach oben lassen, bleibt „Geister“ ein Album, das sich lohnt. Vor allem dank seiner treibenden Ohrwürmer, die in wenigen Minuten große Geschichten erzählen.

(Tina Kunath)

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