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Tonspur

Tonspur vom 13.10.2015

GHOST – Meliora -


Ich glaube mit der Wahl dieser Platte setzte ich mich wiedermal zwischen die Stühle, die von verschiedensten Musikgenres aufgestellt werden, denn dieses Gebilde ist irgendwie nicht das was es vorgibt zu sein.
Aber erstmal auf Anfang, das erste was ich von GHOST wahrgenommen habe ist das von ihnen kreierte Bild. Allen voran eine skelettierte Papstfigur, die sich Papa Emeritus III nennt und sich auf jeder Platte neureinkarniert, abgewandelte satanischen Symbole und eine Band voller namenloser Musiker im schwarzen Gewand und schwarzer Maske, die einfache nur „Ghols“ genannt werden. Bei SLIPKNOT wurden die Musiker wenigstens noch durchnummeriert und durch die Masken charakterisiert.Hier nicht, es kann sich nur um die absolute Ausgeburt der Hölle handeln und den Antichristen schlecht hin.
Ja so sind wir Männer immer nur die Oberfläche sehen und nicht das Gesamtkunstwerk, aber da sage ich gerne, ich bin Designer und wurde dazu ausgebildet Oberflächen zu beurteilen und diese Herren geben ein beeindruckendes Bild ab.
Nun liegt uns auch die Platte vor, das Herzstück ihres Handelns, ihre Musik und um gleich noch mehr Verwirrung zu schaffen, produziert wurde das Album, das sich „ Meliora“ nennt von Klas Åhlund, der schon für u.a. ROBYN, BRITNEY SPEARS und SUGABABES produzierte, ja richtig gehört, sollte das ganze nur eine riesen Verarsche sein, naja – keine Verarsche, aber auch nicht finsterster Black Metal, wie man ihn aus ihrer schwedischen Heimat kennt. Die spinnen die Schweden und so ist der erste Durchlauf des Albums auch mit einen recht verwunderten Ausdruck durchgeführt worden – das ist also GHOST!

Dieser künstlerische Wolf-im-Schafspelz-Ansatz macht das Gebotene so effektiv. Radiohörer, Mainstreampublikum und sogar die kirchentreu mitträllernde Schwiegermutter können unmerklich ebenso leicht in den Bann der Lieder geraten, wie gestandene Kuttenträger. Allein für diese Pointe muss man Ghost schon lieben. Spätestens wenn zwischendurch ihre gleichzeitig todernste und dennoch fast schon zu niedlich klingende Blutorgel zur Verzierung erklingt (etwa in "Devil Church"), kann man sich ein Grinsen kaum verkneifen.

Die Stücke selbst sind super eingespielt und strotzen vor Ideen, die Band bedient sich aber auch kräftig im Sammelsurium der letzten 30 Jahren Metal- und Rockgeschichte, aber immer charmant. "Majesty" glänzt mit charismatischer Killerhook. Das Piano in "Absolution" bringt dem ohnehin gelungenen Song das rechte Quäntchen Flair. Ihr zackiges "Mummy Dust" atmet tatsächlich den Pesthauch toter Götter. Als besonderer Leckerbissen entpuppt sich das angedoomte "Cirice" mit seiner einladenden Melodie und seinem Metallica Gedächtnis Intro. "Can't you see that you're lost without me?"

Inmitten dieser ohne hin guten Stücke thront ein einziger Song über allen anderen. "He Is" kristallisiert sich als ultimativer Hit der Platte und perfekter Nachfolger für "Monstrance Clock" heraus. Ein großartiges sanftes Gitarrenarrangement plus hingetupftem Piano bildet das Fundament für eine wahrhaft betörende Gesangslinie. Die Worte singen dazu ein suggestives Gebet an das Tier mit den vielen Namen. Das Lied ist das bisher mit Abstand hypnotischste Stück ihres Katalogs.

Alles in allen ist “Meloria” keine Platte für Puristen, denn diese Platte öffnet viele kleine Türchen, durch die man blicken kann und in den Abgrund hineinschauen kann und wie wir wissen, wenn du nur lang genug in den Abgrund schaust, schaut auch der Abgrund in dich!

Natürlich hören wir nun “He Is” und lasst euch sagen “The World is in Flames... “ aber es gibt Hoffnung! Zwinker zwinker!

(dennis klostermann)

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