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Tonspur

Tonspur vom 09.11.2015

EL VY - Return to the Moon - Wenn eine Band einen Sänger mit sehr charakteristischer Stimme hat, ist er es dann, der den Sound der Band hauptsächlich ausmacht oder die Instrumentierung, die Melodien, die Kombination der verschiedenen Klangschichten? Ob Matt Berninger dieses Fass aufmachen wollte – ich wage es zu bezweifeln.
Hauptberuflich ist er Sänger von The National, die ich auf übertriebene Art und Weise verehre. Er singt dort und schreibt die Texte, aber für die Musik, verrät er nun im Interview, sind andere verantwortlich, genauer gesagt die Dessner-Brüder Bryce und Aaron. Nun scheint Herr Berninger kein so rotweinabhängiger, trauriger Barde zu sein, wie man sich das bei der Musik von The National so vorstellt – auch wenn diese auf dem letzten Album „Trouble Will Find Me“ sowieso schon vergleichsweise undüster daherkam. Sofern The National für Herrn Berninger, und das deutet er in Interviews durchaus an, ein musikalisches Korsett waren und sind – nun ist es geplatzt und Berningers fette Musikleidenschaften können endlich in die Welt wabbeln und quabbeln. Dabei hat er Unterstützung von einem gewissen Brent Knopf aus der Band Menomena, und zusammen sehen sie plötzlich so hip aus, wie The National es schon von Prinzip her nie sein werden.
Nun sind EL VY keine spinnerte Idee aus einem vertrunkenen Club weit nach dem Morgengrauen, sondern vielmehr die Realisierung von etwas, das es schon länger gab - aus hin- und hergeschickten Songschnipseln wurde so etwas wie eine Band und dann so etwas wie ein Album. Genau wie der erste, hittige Song heißt es „Return to the Moon“ und ist unerwartet groovy, funky, hip und irgendwie trotzdem gut. Und auch sonst finden sich Dinge auf der Platte, die man so vielleicht nicht erwartet hätte: „Ahahaha“-Chöre wie in „Sleeping Light“ und cheesy Keyboard-Sounds. Und da ich die ganze Zeit nur von Matt Berninger rede: Vielleicht sind diese Sounds ja genau der Verdienst der anderen Hälfte EL VYs, Brent Knopfs, und das Projekt ist eben weit mehr als Berningers Spielwiese.
Die Platte lässt sich angenehm durchhören, nicht so wie The National, bei denen nicht jeder die pure Melancholie am Stück ertragen kann. EL VY lassen einen danach wieder los und sind vielleicht lockerer aus der Hüfte geschossen, entspannter, cooler, belangloser als The National. Zu Knopfs Hauptbands kann ich da allerdings nicht so viel sagen. Der Name EL VY hat übrigens irgendwas mit dem Plural von Elvis und Kuchen zu tun - fragt nicht!
Erstaunlich homogen ist das Werk auf jeden Fall geworden. Auf die Texte hatte ich bisher übrigens nicht so viel Acht gegeben. Doch heute morgen ist es passiert und ich sah mich genötigt, beim glamrockigen Crooner-Song „I’m The Man To Be“ zu lauschen - hätte ich es bloß gelassen! Denn nun weiß ich, worüber mich The National immer im angenehm Unklaren gelassen hatten: Berninger ist ein Lustmolch beziehungsweise spielt bei ELVY zumindest einen und freut sich in jedem Fall über den Sticker, der dem expliziten Inhalt der Platte in den USA ein wenig street credibility verleihen wird. Doch das nur am Rande. Für manche Menschen ja vielleicht ein Grund mehr, sich die Platte zuzulegen!
Wenn EL VY genau ein Album und eine Tour standhalten, freue ich mich, dass es sie gegeben hat. Ein gutes Album, gute Musiker, gut gemacht. Aber wenn ich auf eines von Matt Berningers Projekten verzichten kann, dann doch eher auf dieses. Denn wenn eine Band nicht hip, cool, groovy ist, dann ist es The National. Und wenn eine Band in ihrem Zusammenwirken aus Hymnenhaftigkeit, Melancholie, Rotwein, dunkler Nachtmusik, Rätselhaftigkeit und einer faszinierenden Stimme alles außer unverbindlich ist, dann ist es auch The National. Und EL VY? Nun ja, irgendwie unverbindlich. Aber warum sollte Herr Berninger nicht auch einfach mal Spaß haben dürfen?
Eigenen Aussagen zufolge übt er gerade vor dem Spiegel coole Dance-Moves. Ich bin gespannt und hoffe darauf, mich nicht zu schämen, wenn EL VY am 6. Dezember in Berlin spielen. Ab auf den Mond! EL VY mit „Return to the Moon“ vom gleichnamigen Album.

(Laura Eigbrecht)

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