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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 11.01.2016

Statt der toten Dichter... - Anmoderation:
Wolfgang Renner hat sich umgehört, wie es den Künstlern und Kulturschaffenden im Lande zu Beginn des neuen Jahres geht. Hier sein „Kulturreport“ dazu...


Der Januar ist in der Kulturszene eine Zeit zum Atemholen. Die Programme für die kommenden Monate sind meist fertig, Finanzierungspläne für alle Vorhaben längst erstellt, - aber es gibt noch kein Geld, das für Veranstaltungen und Projekte, für Mieten oder Personal verfügbar wäre.
Insbesondere bei all jenen Kultureinrichtungen, die keine vertraglichen Finanzierungszusagen haben, ist das so. Und das trifft ja bei weitem nicht nur allein auf Vereine zu, also auf freie Träger – die allerdings jedoch vor allem.

Es gibt da eine Reihe von Gründen, warum wir ein jedes Jahr im Januar so etwas wie eine Flaute an bemerkenswerten Kulturveranstaltungen haben: Fehlende Haushalte oder Haushaltssperren, noch fehlende Drittmittel oder bisher nicht gezahlte Zuwendungen... Kultur- und Kommunalpolitiker heben hilflos die Schultern angesichts der alljährlich wiederkehrenden miesen Startbedingungen für kulturelle Arbeit – so als wäre diese Situation von Natur aus gegeben und unabänderbar. Dabei ist doch all das von politischen Entscheidungen und von Verwaltungen – also von Menschen – gemacht!

Einher mit solchen Prozessen beobachtet man dann auch eine schwindende Motivation vieler Talente, das Aufgeben und Weggehen etlicher Kreativer, und die Abnutzung, den Wertverlust, von Kultur, vor allem im öffentlichen Ansehen.

Als Beispiel dafür hatte ich vorige Woche im Kulturreport schon zahlreiche unbeantwortete Fragen zur Weimarer Kulturentwicklung aufgelistet. Und daraufhin hatten mich einige Hörer angesprochen: Die allermeisten stimmten mir zu und bestätigten, dass sie ebenso fühlen. Manche argumentierten dagegen, es gäbe doch noch immer einen gut gefüllten Veranstaltungskalender und außerdem sehr viele Touristen in Weimar, die doch wegen der großartigen Kulturlandschaft hierher kämen...

Tatsächlich, selten waren so viele Touristen in der Stadt, wie zum Weihnachtsfest und über den Jahreswechsel. Die gebuchten Stadtführungen waren rekordverdächtig.
Was also zieht die Touristen hierher? Ist es die Kultur?
Sicher; es ist die Kultur, denn sie macht den Ruf der Stadt aus. Nur; es ist eine Kultur, die nicht von uns – nicht in unserer Zeit – geschaffen wurde.

Die Gegenwart beutet das Vergangene nutzbringend aus, aber schafft nicht genügend Zukunft. Im Gegenteil; sie zerstört derzeit gar einige Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, die notwendig wären, um eine ansprechende Kultur und eine qualitativ gute Kunst der Gegenwart zu ermöglichen. Und das ist ihr Dilemma...

Der Tourismus-Wirtschaft oder einer kulturpolitischen Präsenz mag die gegenwärtige Situation vielleicht genügen. Der Gesellschaft kann diese aber nicht genug sein.

Weimar hat Ende vorigen Jahres mal wieder seinen Vereinen verkündet, dass sie mit beantragten Zuschüssen noch nicht rechnen dürfen. Das gilt noch immer... Aber auch in der so genannten Hochkultur sieht es ja nicht rosig aus. Da analysierte am Wochenende erst wieder die Süddeutsche Zeitung eine schwierige und rechtlose Situation der Schauspieler, und überhaupt der Künstler, die ohne gewerkschaftliche Rechte als Einzelkämpfer in Deutschland agieren. Und ausgerechnet das Kulturland Thüringen kommt in diesem Beitrag nicht gut weg...

Ja; da empfanden vor Jahren noch viele Künstler einen Aufbruch im Lande; alles schien hoffnungsvoll, und manch einer glaubte, dass hier - auch in dieser, unserer Epoche – eine neue kulturelle Avantgarde entstehen könne.
Aber wir müssen jetzt wohl eher der Realität ins Auge schauen: Weimar – ohne seine Künstler und Initiativen – wird wieder viel mehr und zunehmend der museale Kulturort, der sicher gut für die Touristen ist, wo die bekannten Dichter und Denker aber eher zu den Toten zählen...


Abmoderation:
Weimar – die „Stadt der toten Dichter“ oder „Naturschutzpark der Geistigkeit“ oder „Musenwitwensitz“... Ob Heinrich Heine, Franz Kafka oder Egon Erwin Kisch – viele Künstler haben sich früher schon über Weimar amüsiert.
Ich glaube, Wolfgang Renner findet das gar nicht so lustig – wie man zumindest seinem Kulturreport heute entnehmen konnte...

(Wolfgang Renner)

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