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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 15.02.2016

Wie nah sind uns Weimarer Verhältnisse? - Kulturreport am 15.02.2016
Anmoderation:
Der Name Weimar steht für viele Facetten deutscher Kulturgeschichte. Während man in Weimar um einen vermeintlichen Bedeutungsverlust im Zuge einer Thüringer Gebietsreform bangt, wirkt ein überregional agierender Verein derzeit dafür, Weimars Verfassungsgeschichte ins rechte Licht zu rücken. Von seinem Wirken berichtet Wolfgang Renner heute in seinem Kulturreport...



In Jena gibt es in dieser Woche eine öffentliche Diskussion zum Thema: Wie nah sind uns Weimarer Verhältnisse? Dabei geht es nicht etwa um die kommunalen Beziehungen beider Städte zueinander oder gar um Fragen der Gebietsreform... Es geht um viel mehr: nämlich um Demokratie und um ihre Gefährdungen in der Gegenwart.

Und bei solch einer Titelwahl für die Veranstaltung wird wieder einmal bewusst, dass der Begrifff „Weimar“ ja für so sehr viel mehr steht, als nur für Klassik oder für eine Spannbreite zwischen einer für eine um ihre Kreisfreiheit bangende Kleinstadt im Thüringischen und einer Wahrnehmung als d e m eigentlichen Symbolort deutscher Geistesgeschichte. Und diese Spannbreite zwischen den Extremen war immer auch – zu allen Zeiten – geprägt von einer Spannung zwischen Geist und Macht.

Und so steht Weimar unter anderem eben auch für eine große bürgerliche, deutsche und demokratische Verfassungsgeschichte. Das begann hier vor Ort schon im aufgeklärten Absolutismus: 1816, nach den Befreiungskriegen , mit Wartburgfest und schwarz-rot-goldener Fahne etc. ... Das ist weit weniger bekannt als das Ereignis der verfassungsgebenden Nationalversammlung von 1919.
Solch eine Tradition führt sich aber nicht wie selbstverständlich fort.
Wir wissen, dass die Weimarer Republik alsbald einer faschistischen Diktatur gewichen ist – weil es vermeintlich zu wenige Demokraten gab – damals. Und wir erkennen dieser Tage, dass es auch wieder einmal gilt, verfasste Lebenswerte zu verteidigen – und das nicht nur gegen Tendenzen des Extremismus in unserer Gesellschaft, sondern zugleich auch gegen die Zumutungen eines global agierenden, ungebremsten Turbokapitalismus. (Stichwort: TTiP)

Die Weimarer Nationalversammlung ist bei all dem ein uns immer noch direkt betreffendes Kapitel deutscher Geschichte. Manche Verfassungsrechtler sagen, die Verfassung, die einst hier in Weimar geschaffen wurde, sei moderner gewesen als es unser heutiges Grundgesetz ist. Und andere Historiker interpretieren die Beschlüsse von Weimar – zum Beispiel zur Unterzeichnung des Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg – als eine Katastrophe für die europäische Geschichte. Da ist wieder solch ein alle Extreme umfassendes Phänomen, das den Namen „Weimar“ trägt...

Im Alltag machen wir Weimarer uns nur selten bewusst, dass die Stadt der Geburtsort einer ersten deutschen Republik ist. Immerhin; es ist schon einmalig in der Welt, dass eine ganze Republik den Namen einer Stadt trägt.
Aber eben dies kann auch Verpflichtung für die Stadt sein, und es könnte viel mehr noch identitätsprägend werden.

Nun aber steht gerade die Weimarer Republik nicht immer in einem guten Ruf. Sie schien nicht überlebensfähig, und der Widerstand gegen diese Republik war gerade auch hier in der Stadt besonders heftig gewesen... Jetzt aber, fast 100 Jahre nach dem Ereignis dieser Weimarer Nationalversammlung, ist es an der Zeit, manche Aspekte der historischen Entwicklung neu zu werten – und damit meine ich zum Beispiel, dass diese Weimarer Republik nicht immer nur von ihrem Ende her – also der Machtergreifung der Nationalsozialisten – gesehen werden möge, sondern dass sie ebenso vom wirklich avantgardistischen Aufbruch am Anfang her zu begreifen wäre...

Es gib da einen sehr rührigen „Weimarer Republik-Verein“, der sich darum bemüht, gerade solche Fragen aufzugreifen und hier in Weimar einen Gedenkort zur deutschen Demokratie zu schaffen. Übermorgen wird eine Expertenkommission dazu tagen und einen möglichen Standort für ein „Hausd der Demokratie“ vorschlagen. Zur Diskussion stehen da u.a. das Volkshaus, Räume im Vereins- und Parteienhaus am Goetheplatz 9b oder das derzeit leer stehende Rathaus am Markt, weiterhin das ehemalige Coudraysche Kulissenhaus am Theaterplatz – direkt gegenüber dem Nationaltheater – oder aber möglicherweise auch Räume im ehemaligen Gauforum.

Und während man in Weimar noch plant, ist der Verein derweil unterwegs mit vier Kinowürfeln: einer mobilen Präsentationen mit dem Titel „Die Weimarer Republik. Die erste deutsche Demokratie“. Und zwar unterwegs an solchen Orten, die von einem sehr breit gefächerten Publikum aufgesucht werden – in Einkaufszentren zum Beispiel, überall in der Bundesrepublik.
Die multimediale Wanderausstellung war im vorigen Jahr auch im Weimarer Atrium zu sehen. Nun kehrt sie, nach etlichen Zwischenstationen, wieder nach Thüringen zurück: In Jenas Neue Mitte, ab Mittwoch dieser Woche und bis zum 27. Februar, kann man sie erleben. Und das ist eine gute Gelegenheit für alle, die diese Ausstellung in Weimar einst verpasst haben, sich diese jetzt in Jena anzusehen.



Abmoderation
Weimar steht also nicht nur für besondere Leistungen der deutschen Klassik. Auch die deutsche Verfassungsge-schichte, und insbesondere die der Weimarer National-versammlung von 1919 sollen hier mehr Aufmerksamkeit erhalten. Über die Aktivitäten des „Weimarer Republik-Vereins“ berichtete Wolfgang Renner in seinem Kulturreport...

(Wolfgang Renner)

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