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Tonspur

Tonspur vom 04.04.2016

Lord Huron - Strange Trails - Filmmusik, Serienmusik. In dem Sinne, wie man Serien und Filme anders konsumiert als früher und Serien immer mehr Raum in unserer Welt einnehmen, ändern sich vielleicht auch die Hörgewohnheiten. Vielleicht erzähle ich da aber auch Quatsch. Filmmusik, ja Filmmusik. Wahrscheinlich hat man selten so eine gute Stereoanlage zur Verfügung wie im Kino und so verwundert es nicht, dass Musik an diesem Ort ganz besonders intensiv rüberkommt und mal begleitet, was zu sehen ist, sogar Teil davon wird, mal einen melancholischen Kontrast bildet, der ein ganz anderes Kopfkino entstehen lässt, das weit über das auf der Leinwand Gezeigte hinausgeht. Andererseits gibt es wenig, dass mir so sehr den Spaß an einem Film verderben kann wie ein richtig doofer Soundtrack. Serien wiederum haben meistens einen Titelsong, an dem man sie erkennt. Die Serie, die mir zur hier beschriebenen musikalischen Entdeckung verhalf, hat aber keinen Titelsong. Sie beginnt einfach. Dafür hat sie immer einen Ausklangsong, und meistens ist dies ein sehr guter, melancholischer, und danach kommt nur noch weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund, und ich glaube, dass dies der Grund ist, weshalb ich diese doch oft eher mittelmäßige Serie sehr gerne mag. Durch sie stieß ich dann auch auf eine Band namens Lord Huron, deren „Fool for Love“ ein toller Ausklangsong war. Zu finden ist er auf dem aktuellen Album „Strange Trails“, das zwar nicht mehr hochaktuell ist, aber allen Leuten, die ich bisher gefragt habe, gänzlich unbekannt. Davon kann man schon mal erzählen.
„Fool for Love“ ist ein ganz einfacher, folkiger Popsong, der einem nie wieder aus dem Kopf geht, obwohl beziehungsweise gerade weil er so simpel ist. Das Album nun ist noch folkiger als der Song, driftet manchmal ins Countryeske, und manchmal auch ins Belanglose. Über weite Strecken ist es aber immer mehr als schön genug. Sänger Ben Schneider hat nun auch irgendwie genau die Stimme, die man bei so einer Band erwartet. Dafür kann er ja nichts, und dafür hat man ganz wenig Berührungsängste mit Lord Huron.
Die Band stammt aus Los Angeles und ist benannt nach dem Lake Huron, an dem Sänger Ben Schneider als Kind seine Ferien verbrachte und am Lagerfeuer musizierte. Das passt so gut zur Musik, man könnte ihnen unterstellen, sich das ausgedacht zu haben.
Nun habe ich mich ein wenig belesen zu den Alben Lord Hurons. Schnell könnte man übersehen oder -hören, dass hinter der simplen, schönen Musik noch so viel mehr steckt. Das Debütalbum „Lonesome Dreams“ war von alten Westerngeschichten inspiriert und strickte darum eine ganze fiktive Welt, inklusive passender Musikvideos. Der Band geht es darum, den Hörern mehrere Bedeutungs- und Erfahrungsebenen zu ermöglichen. Multimediales Storytelling, so wie man das jetzt in Werbeagenturen anstreben könnte, nur schöner.
Für das neue Album nun hat die Band ein seit 20 Jahren verlassenes Studio zu ihrem eigenen gemacht. Inspiration soll vor allem von Comics und Graphic Novels kommen, mit Science Fiction- und Horrorstories. Ben Schneider las bei der letzten Tour der Band einfach zu viele Comics. Passend dazu gibt es Comic-CD-Cover, ein Comicbuch, inspiriert von den Songs, das Schneider mit seiner Schwester verfasst hat, und auch das Video zu „Fool for Love“ mutet trotz realer Darsteller sehr dark-comic-mäßig an. In der Inszenierung ist auch hier der Western zu Hause, es gibt herumwandernde Menschen ohne Ziel und verloren und allein, und die Musik passt genau zu diesem Film, der keiner ist.
Manchmal gibt es puren Wohlklang und wenig eckt an. Keine Avantgarde, nicht das Kreativste der Welt, aber schön. Es wirkt alt, aber nicht langweilig. Denn das Alte ist nicht öde, sondern toll arrangiert. Überraschungen gibt es im Kleinen, so wie das Löwengeheul in „Louisa“ und der tolle Basslauf in „La Belle Fleur Sauvage“.
„Strange Trails“ hat dann irgendwie tatsächlich Soundtrack-Potenzial. Der Film zum Soundtrack sollte in einem alten Auto auf irgendeiner amerikanischen Fernstraße stattfinden, auf dem Rücken eines Pferdes oder einfach nur in meinem oder deinem Kopf. Los geht es mit dem Song, mit dem der Film für mich begann. Der Film beginnt – Lord Huron vom Album „Strange Trails“ mit „Fool for Love“.

(Laura Eigbrecht)

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