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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 04.04.2016

Tasifan - tolles Programm trotz Unwägbarkeiten - Anmoderation:
Am sonnigen Wochenende gab es wieder öffentliche Aufführungen vom Kinderzirkus TASIFAN in Weimar: „Miss Marple und das große Kreuzfahrträtsel“.
Wolfgang Renner hat sich für unseren Kulturreport heute eine der Aufführungen angesehen, aber mehr noch: Auch er rätselt, wie es der Zirkus immer wieder schafft, mit relativ wenig Unterstützung so Großartiges in die Manege zu bringen...


Frühlingswetter, Osterferien – es ist die Zeit, da der Thüringer Kinder- und Jugendzirkus TASIFAN aus Weimar sein Winterhalbjahr beendet und einige der Arbeits- und Probeergebnisse vorzeigt. Da gibt es zuvor noch eine Projektwoche auf dem Gelände am Papiergraben – rund 150 Kinder waren diesmal beteiligt, einige Flüchtlingskinder dabei, manche auch aus anderen Bundesländern, die eigens angereist waren. Und dann am Sonnabend und am Sonntag gab es die Vorstellungen, - wieder einmal im überfüllten Zirkuszelt.
TASIFAN- Aufführungen sind immer toll. Niemals habe ich in den nunmehr fast 20 Jahren Zirkus-Existenz einen wirklichen Flop erlebt. Dabei geht es ja gar nicht um zirzensische Höchstleistungen und raffinierte Tricks, sondern hauptsächlich um die Aktion vieler – meist auch noch sehr verschiedener – Kinder. Und deren Aufführungen sind – egal in welcherart Schwierigkeitsgrad – dann stets anrührend: die Aufregung, die Anstrengung, die Freude, wenn etwas gelungen ist – das ist wohl das eigentlich große Ereignis bei TASIFAN. Aber auch nicht zu vergessen: die Programmgestaltung – auch die ist seit vielen Jahren immer wieder ein Ereignis. Ich weiß nicht, wie viele hundert Vorstellungen es mittlerweile bei TASIFAN schon gegeben hat: aber sie sind immer wieder neu, thematisch wie auch akrobatisch. So viele Ideen, so viele lustige, spannende und auch skurrile Geschichten... Und solche Geschichten immer wieder neu zu erfinden, das ist – mit Verlaub gesagt – eine großartige künstlerische Leistung. Meist kommen die Ideen dazu vom Zirkusdirektor Dirk Wendelmuth...

Diesmal war es eine Seefahrt, ein großes Rätsel auf einem Kreuzfahrtschiff mit Matrosen-Clowns und Artisten auf dem schaukelnden Wellenmeer, mit Bordkapelle und mit Miss Marple, der legendären alten Krimi-Dame, die nicht nur im Film, sondern auch bei TASIFAN einen Rätselfall an Bord auflösen konnte... Wunderbar; da kann man nur staunen...
Staunen, über das, was da in der Manege passiert, und staunen auch darüber, wie es das Zirkus-Team es immer wieder schafft, dass sich das ganze Jahr über der Vorhang heben kann und dass hunderte Kinder für solöch ein Moment jeden Tag in vielen verschienen Arbeitsgruppen – von den Artisten oder Clowns über die Musiker und Bühnenarbeiter bis zu den Veranstaltungsmanagern und Kostümbildnern etc. - voller Enthusiasmus und Ideenreichtum tätig werden. Das Projekt funktioniert wie eine Kunst- oder Musikschule. Wöchentlich wird da geprobt, und weil es so viele einzelne Arbeitsgruppen sind, wird an sich täglich geprobt.

Nur; der Zirkus ist eine freie, eine vereinsgetragene Einrichtung, ist weder kommunal- noch landeszugehörig, und das macht die regelmäßige Arbeit – künstlerisch wie pädagogisch – zwar unabhängiger, aber nicht gerade leichter.
Beispiel Finanzen. Wenn man in den Osterferien – also eigentlich schon mittendrin im Veranstaltungsjahr – noch immer nicht weiß, wie der Etat für das laufende Jahr sich gestalten mag, dann ist das nicht nur schwierig für die Macher, sondern auch ärgerlich und letztlich sogar antiproduktiv, motivationshemmend, kreativitätsfeindlich...
Und da kommen wir zu einer weiteren großartigen Leistung, die man beim Zirkus TASIFAN erleben kann: das Weitermachen, trotz aller Unwägbarkeiten, und eben für die Kreativität, die Motivation, die Produktivität...
Ja, es ist mittlerwiele vielleicht schon eine Kunst für sich, wenn man sich voller Enthusiasmus und Spaß immer wieder auf neue, interessante Projekte einlassen kann, obwohl man doch kaum weiß, wie die Bilanz am Jahresende ausfallen mag. Was die Kulturpolitik wohl nicht immer vermag – nämlich wirklich verlässliche Rahmenbedingungn für die freie Kulturarbeit zu schaffen – danken dann aber die Zuschauer, die Eltern, und umso mehr die Kinder den unentwegten Projektmachern, wie Dirk Wendelmuth. Wir könnten hier aber auch noch etliche weitere Namen nennen: wie Kathrin Schremb vom Stellwerk-Theater, wie Frank Motz von der ACC-Galerie und manch andere noch. Sie alle haben finanzielle Unterstützung für einige ihrer Projekte erbeten, sie haben mit ihrer Arbeit dazu längst begonnen und wissen nicht, ob letztlich das Geld dafür reichen wird.

Ein Systemfehler... Und der zieht sich durch die Zeit.
Während ich diesen Beitrag lese, kommt es mir vor, als wiederhole ich meine Rede aus einem Kulturreport vom vorigen Jahr oder auch dem Jahr davor. Und ich befürchte: nächstes Jahr werde ich um die gleiche Zeit wieder diesen gleichen Missstand beklagen müssen.


Abmoderation:
Immer wieder das gleiche Problem: Wir haben den Monat April, und freie Träger der Kulturarbeit wissen bis heute noch nicht, ob und mit welchen Förderzuwendungen sie für ihre Arbeit in diesem Jahr noch rechnen können. Bis der kommunale Finanzhaushalt verabschiedet ist, wird dies wohl auch ein Geheimnis bleiben...

(Wolfgang Renner)

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