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Tonspur

Tonspur vom 11.05.2016

M83 - Junk -



„Wer sich noch an die 80er Jahre erinnern kann, hat sie nicht erlebt“ und gleich noch ein Spruch zum Anfang „Man erinnert sich nur noch an die schönen Dinge im Leben“ mit solchen Sprüchen muß man sich herumschlagen und gleich zeitig umreist es mein Delema, den beides stimmt in meinem Fall nicht. Ich kann mich noch recht gut an die 80er erinnern und was bleibt ist eben nicht unbedingt nur das Schöne.
Gerade das Album, das ich heute hier besprechen möchte reißt einige Wunden wieder auf und bohrt noch genüsslich drin herum. Also Kopf hoch und sich seinen Demonen gestellt, dem Mutigen gehört die Welt, hinabgetaucht in die Welt in der es slappende Bassline ala Level 42 gibt, Saxephonparts ala Spandau Ballet, Drumcomputer und syntetische Blässer. In eine Zeit in der David Hasselhoff ein Star war, in der Dallas und Denver Clan lief und sich alles irgendwie künstlich angefühlt hat und Formel Eins war nicht nur Motorsport.

»Junk« also. Schrott, Ramsch, Krempel. Für Anthony Gonzalez aka M83 beschreibt das ziemlich gut, wie wir in Zeiten der voranschreitenden Digitalität mit Kunst im Generellen und Musik im Speziellen umgehen.
Dabei fängt "Junk" sogar recht leicht an. "Do It, Try It" faster stronger? Stop,das ist die falsche französische Band, aber einen daftpunkigen Einschlag hat die Eröffnungsnummer schon. Darauf folgt ein unverwechselbarer M83-Track. "Go!"und der hat wieder das volle Programm: Frauenstimme, eingängiger Refrain - vermutlich der Hit des Albums - und die ersten Gitarren.
Darauf folgt "Moon Crystal" hier kredenzt Gonzalez eine Instrumentalnummer, die nach 80er-Jahre-Serienoutro, der musikalischen Untermalung einer nächtlichen Dauerwerbesendung, an softerotische Filme oder an Air erinnert, womit wir bei der nächsten französichen Band wären, was bloss bei denen schief.Suchen sie sich das beste raus.

Selbstverständlich ist auch auf dieser Platte eine Menge Platz für Melancholie. Hier in Form der Balladen "For The Kids", gesungen von Susanne Sundførd, "Solitude" oder "Atlantique Sud". Bei "Laser Gun" hingegen ist man versucht, die Rollerblades rauszuholen und paar Runden zu drehen, bis man eben hinfällt. In diesem Song wieder dabei: Das M83-typische Kurz-"Hey". Und dann wäre da noch der traumhafte, eskapistische Song "Tension". Perfekt, das alles.

Was „Junk“ vor dem Absinken in absolute Retroseligkeit bewahrt, ist natürlich Anthony Gonzalez‘ Musikalität. Sein Sinn für Melodien, eigenwillige Songstrukturen und Klangästhetik, bewirken, dass man „Junk“ trotz aller Vergangenheitsbewältigung immer noch in der Gegenwart verankern kann. Das zeigt sich auch besonders in den vier kurzen Instrumentalstücken. Auf „Moon Crystal“ und „The Wizard“ lässt er so zum Beispiel nette kleine Klangwelten entstehen.

Fünfzehn Stücken über 55 Minuten ist „Junk“ was eine Ansage ist in dieser schnelllebigen Zeit. Und wie gesagt, wer angesichts der Klangästhetik des Achtziger Pops einen deutlichen Fluchtimpuls verspürt, sollte definitiv besser die Ohren von dem Album lassen oder sich der permanenten Seitenhiebe erfreuen, den so charmant habe ich das selten gehört. Freunde von Dingen wie hochtoupierten Haaren, Neonröhren oder dem T-Shirt unter dem Sakko, werden hier allerdings dank Anthony Gonzalez‘ einfallsreicher Musikalität ein komplettes Wohlfühlpaket bekommen.

Ich spiele nun “Go!” - ein Song, den man nicht erklären kann, oder was würden sie zu einem Song sagen, der mit einem Saxophonthema beginnt und mit einem Gitarrensolo endet, sie würden mich merkwürdig anschauen und das zurecht! Viel Spass!

(dennis klostermann)

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