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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 11.07.2016

Großartiges Rudolstadt-Festival - Anmoderation:
Alle Jahre wieder – am Montag nach dem Weltmusikfestival in Rudolstadt – gibt es bei Radio Lotte den Bericht dazu.
Wolfgang Renner war – zusammen mit anderen Kollegen unseres Senders – an den vier Festivaltagen dabei.


Zunächst noch einmal die offiziellen Zahlen, wie sie heute durch Nachrichten und Zeitungen geistern: An den vier Festivaltagen von Donnerstag bis Sonntag gab es mehr als 90.000 Besucher, mehr als 20 Bühnen, mehr als 1.000 Künstler, die aus mehr als 40 Ländern kamen und mehr als 300 Konzerte, Tanzgelegenheiten oder Workshops gegeben haben... Also es war durchaus wieder ein Festival der Superlative. Sogar das Wetter war nahezu ideal für ein Festival, nur ein paar Sonntagnachmittagsstunden waren dann an einigen Bühnen wohl zu heiß.
Alles sprach erneut von der guten Stimmung.

Und auch dies soll als Nachricht nicht unerwähnt bleiben: Radio LoTTe hat wiederum fast 15 Stunden live aus Rudolstadt gesendet, mit der mobilen Sende-Rikscha aus dem Garten am Rudolstädter Schillerhaus – dazu kamen noch ein paar Stunden Sendezeit gemeinsam mit anderen Bürgerradios aus Thüringen. Und da war insgesamt viel Platz, die Musik des Festivals vorzustellen, und auch darüber zu sprechen...

Was aber wurde in Rudolstadt am Rande der vielen Konzerte noch sehr häufig diskutiert?
Da war zunächst der neue Name: Rudolstadt-Festival anstatt dem bisherigen „tff“ (Tanz- und Folkfest). Nun gut; viele Festivals nennen sch mittlerweiile nach dem Ort ihres Geschehens: ob Wacken, Roskilde oder Montreux – und Rudolstadt spielt ja durchaus in solch einer bedeutsamen Liga mit.
Offiziell genannter Grund dafür: Weltmusik ist ständig im Fluss und verändert sich, und mit dem neuen Namen legt man sich in künstlerischer Hinsicht programmatisch nicht fest, vermittelt eine Atmosphäre nur – eben die jenes Ortes. Ein weiterer Grund für die Namensänderung war, dass manche internationale Agenturen sich am „Folk“ im Festivalnamen störten, - jedenfalls dann, wenn sie das tff noch nicht kannten – und so blieben einst wegen eines Missverständnisses manchmal Künstler fern, die man eigentlich gern in Rudolstadt gehabt hätte...
Andererseits bleibt es jetzt auch nicht ausgeschlossen, dass für die, die das Festival noch nicht kennen, es jetzt eher wie ein Volks- oder Altstadtfest klingen mag. Das ist es ja letztlich auch, aber eben so ganz, ganz anders mit seiner Musik, seiner Gestaltung und seinen Veranstaltungszielen...

Auch über solche Veranstaltungsziele wurde diskutiert. Da gibt es immer wieder Stimmen, die meinen, man könne doch noch ein paar Bühnen in die Saale-Auen hinein und bis an die Nachbarorte heran bauen und damit die Besucherzahlen noch einmal spürbar erhöhen. Ein wirtschaftlicher Gewinn lockt.
Zum Glück aber verwahren sich die Festivalmacher bisher gegen jede Vergrößerung: Das Limit ist erreicht; wenn es mehr Menschen am Festivalwochenende in der kleinen Stadt gibt, wird es ungemütlich, unüberschaubar werden; es schadet der Atmosphäre, wenn man nur noch drängelnd durch die Gassen gelangt – und: es kann dem eigentlichen Anlass des Festivals, nämlich interessante Musik gut zu präsentieren, überhaupt nicht dienen!

Ein dritter Diskussionsstoff beim Festivalpublikum, das ist immer noch der Verzicht auf das „magische Instrument“ – neben dem alljährlichen Länderschwerpunkt und dem dazugehörigen Tanz. Das wird nach wie vor vermisst. Als Begründung für den Verzicht galt: man wolle Freiräume schaffen für neue Projekte, neue Ideen, für die man sonst nicht genug Zeit und Geld übrig hätte...
Solch ein neues Projekt war in diesem Jahr beispielsweise die Eigenproduktion eines Singspiels mit Namen „Arche Noah Reloaded“, das sich dem Thema Flüchtlinge in der Welt widmete – dabei Akteure aus Syrien, Burkina Faso, Deutschland und Sinti und Roma aus der Slowakei.
Das war – laut Veranstaltern – sehr erfolgreich. Dennoch will man künftig kein weiteres Singespiel mehr produzieren. Vielleicht dann doch wieder ein Instrumentenschwerpunkt?

Im Programm und auch bei der Verleihung der Weltmusikpreise „Ruth“ ist mir noch eine Tendenz in der musikalischen Entwicklung aufgefallen: eine Überformung dessen, was man hier Weltmusik nennt. Wenn da zum Beispiel deutsche Bands mit englischem Namen Polka, Klezmer, Clubbeats und Balkansounds zusammenführen und miteinander vermengen, mag zwar mitunter gefühltermaßen etwas Neues entstehen, ist aber aus seinen Wurzeln – den „roots“ - heraus nicht mehr recht erkennbar. Da hat man vergessen, woher man kam und wer man war... Dann aber hörte ich bei amerikanischend Bands, wie beispielsweise traditioneller Bluegrass mit Rap-Sounds zusammenkam, ein jeder seine Wurzeln, Stile, kulturelle Ausdrucksformen wahrte, ehrlich blieb, sich nicht vermengte, sondern sich gegenseitig bereicherte. Gut, so etwas zu hören. Ich könnte hier als Beispiel auch das tolle Konzert von Annouschka Shankar mit ihrem indischen Sitar-Spiel, eingebettet in westliche Rockrhythmen und weitere anführen.
Mal sehen, wie da die Entwicklung weitergeht. Rudolstadt wird es uns zeigen...

Und all jenen, die eine sehr spürbare Zunahme neuer Sounds und jugendkultureller Ausdrucksformen beim Rudolstadt-Festival beklagen, denen sei etwas Hoffnung geschenkt: Im nächsten Jahr wird Schottland der Länderschwerpunkt werden – welcome to europe!. Und dazu wird es schottische Mitmachtänze geben, und all das wird dann vielleicht wieder etwas traditioneller aufgefasst werden können.


Abmoderation:
Das Rudolstadt-Festival ist das größte Weltmusikfestival in Europa. Und es bleibt – trotz neuem Namen – ein Weltmusikfestival.
Wir dürfen also auch auf die Entwicklungen der nächsten Jahre gespannt sein...

(Wolfgang Renner)

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