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Kommentar

Kommentar vom 28.06.2002

Fussball! - Ich liebe die Fußball-WM! Wirklich.

Spätestens seit dem Viertelfinale schaue ich mir jedes Spiel an. Schöne Männer mit knackigen Körpern in spannenden Zweikämpfen - und dann noch überraschend unterhaltsame Interviews mit Olli Kahn.

Doch das Schönste an der WM ist, wie sich das nationale Fußball-Fieber auf die deutschen Männern auswirkt: Nicht nur, dass introvertierte Designstudenten und biedere Familienväter jetzt zusammen sitzen und sogar miteinander reden, darüber hinaus entdecken sie plötzlich selbst wieder die Lust, einen Gummiball über den Rasen zu bolzen.

Gut, wir Frauen müssen dann schon mal Pflaster und Verbände bereithalten, und unsere Schreibtischathleten sind danach schweißüberströmt und kurzatmig - aber sie sind glücklich. Und ungewöhnlich ausgeglichen.

Und dann ist da ja auch noch das Rollenverhalten. Stellen Sie sich folgende Situation vor: 10 Männer in einer Kneipe, der Fernseher läuft, Bierflaschen, abschätziges Gegröle, kindlicher Torjubel. Typisch Mann eben. Aber jetzt: Am Nebentisch die emanzipierte Selbsterfahrungs-Gruppe! Die Frauen lächeln milde und nippen weiter an ihrem Kräutertee. Nur ein Traum?

Dank der Fußball-WM und der kollektiven Euphorie dürfen sich die Männer endlich mal wieder zu ihrer Natur bekennen, dürfen das Kind und den Macho rauslassen. Und es geht ihnen gut dabei! Sie schämen sich nicht und wir lassen es ihnen durchgehen, sie sind entspannt, genießen die Selbstverständlichkeit und - sie danken es den Frauen! Mal wieder ein Kompliment, mal Blumen, auch mal von selber den Müll raustragen. Ich bin ehrlich: So mag ich das. Soll er doch ein Macho sein, wenn er seine Frau dafür auf Händen trägt. Ich wasche ihm gern seine Socken, wenn er mich dafür anbetet.

Und auch gegen eine feste Rollenverteilung in der Beziehung habe ich nichts. Ich muss nicht um jede Entscheidung erbitterte Grabenkämpfe austragen; so ein bisschen Harmonie stellt auch nicht gleich sämtliche Errungenschaften der Emanzipation in Frage. Und das Finale schauen wir am Sonntag zusammen. Und trinken beide ein Bier. Das schmeckt zum Fußball einfach besser als Kräutertee.

(Grit Hasselmann)

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