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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 10.03.2009

Peter Eckhart Reichel: Der große Munkepunke - Was Heinrich Zille in der Malerei war, war vielleicht ein Joachim Ringelnatz in der Dichtkunst. Auf jeden Fall ist der ihnen zugrunde liegende Humor ähnlicher Art. Doch während sich diese beiden größerer Bekanntheit erfreuen, wollen wir uns in der heutigen Hörbuchrezension mit einem weiteren Menschen beschäftigen, der zwar Zeitgenosse der anderen war, doch bei weitem nicht dergleichen Anerkennung fand.

Alfred-Richard Meyer ist schwer zu beschreiben. A.R.M., ein Mann irgendwo zwischen Zille und Ringelnatz, das kommt tatsächlich auch hin, dennoch, er war ganz anders. Vielleicht war Meyer schlicht ein verkannter Lyriker, der irgendwie seiner Zeit voraus ist, der sein Publikum nicht findet, bzw., der erfahren muss, was alle anderen Lyriker der Weltgeschichte erfuhren, nämlich, dass man von Gedichten allein schlecht leben kann. Nicht einmal die Unterstützung bekannter Künstler (wie z.Bsp. George Grosz, der einige seiner Gedichte illustriert) verbessert die Situation. Also sucht er andere Tätigkeiten, er versucht sich im Kabarett als Ansager und Vortragender, mit mäßigem Erfolg, und wird Verleger, was weitaus mehr Erfolg bringt.

Meyer scheint also sein Metier gefunden zu haben, denn er entdeckt Dichter wie Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz. Man merkt, Meyer, der sich selbst seit 1912 den Namen Munkepunke gibt, ist ein Mann der Kleinkunst. Mit Erfolg, wie wir heute wissen, selbst ohne ihn bisher wahrgenommen zu haben.

Dennoch haben verschiedene Künstlerinnen und Künstler diesem Mann auf ihre Weise ein Denkmal gesetzt. Dabei sind zum Beispiel der Schauspieler Jörg Gudzuhn, der Kabarettist Thomas Pigor oder der Musiker Kurt Holzkämper. Mit verschiedenen Textcollagen versuchen sie das Leben des „großen Munkepunke“ nachzuzeichnen. Und zumindest für Unbedarfte wie mich, gelingt diese Projektion. Also, ich habe jetzt eine Vorstellung von dem Typen und ich glaube, der Name Munkepunke oder Alfred-Richard Meyer ist jetzt auch einer der interessanteren, wenn ich in eine Buchhandlung gehe. Zumal ich seine ArtArt, also seine Art Kunst zu machen, teils sehr belebend finde, experimentell, rotzfrech, respektlos und geistreich.

Munkepunke hat aber auch einen bitteren Beigeschmack. Er war Mitglied der NSDAP und Mitarbeiter in der so genannten „Reichsschrifttumskammer“. Das ist das Spiel der Geschichte. Wie immer, wenn es derartige Veränderungen in einer Gesellschaft gibt, dann zeigen manche, wes Geistes Kind sie sind, haben entweder viel Mut oder wenig Zivilcourage oder manche sind einfach nur angepasst. Meyer jedenfalls hat sich als Strömungsschwimmer gezeigt, hat, so habe ich unter Wikipedia erfahren, 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ mitunterzeichnet und wurde als Mitglied des Reichverbandes Deutscher Schriftsteller, dem er schon lange angehörte, im selben Jahr mit in die Reichsschrifttumskammer überführt. Damit war er Angestellter der Kammer und musste daher 1937 zumindest zahlendes Mitglied der NSDAP werden.

Interessant aber ist, dass er nun als Fachschaftsleiter für Lyrik Gelegenheit hatte und diese auch genutzt hat, um brisante Dossiers über Dichter und Schriftsteller, die der NS-Herrschaft ein Dorn im Auge waren, verschwinden ließ, um diese vor weiterer Verfolgung zu schützen. Also ist er hier einen Kompromissweg gegangen. Sicher ein Thema, dem man noch weiter nachgehen kann.

Verlag: Duo-Phon Records; Auflage: 1 (Juli 2004)
ISBN: 3937127062
Mitwirkende: Jörg Gudzuhn, Thomas Pigor, Gunter Schoß u.a.
Hörcollage von Peter Eckhart Reichel
Preis: ca. 10 Euro
www.hoerbuchproduzent.de

(Shanghai Drenger)

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