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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 13.01.2009

John Ronald Reuel Tolkien: Die Kinder Húrins - Tolkien ist den meisten bekannt als Autor von „Der Herr der Ringe“. Damit ist er spätenstens seit Peter Jacksons Filmtrilogie zur Fantasy-Legende geworden. Erst 34 Jahre nach seinem Tod, nämlich 2007, erschien unter seinem Namen das Buch „ Die Kinder Húrins“ auf dem Markt. In jahrzehntelanger Kleinarbeit hatte Sohn und Nachlaßverwalter Christopher Tolkien eine der größten Geschichten aus dem „Silmarillion“ rekonstruiert, ergänzt und erstmals ohne Brüche und riesenhaften Anhang lesbar gemacht. Nach „Der Herr der Ringe“ ist das die erste wieder wirklich lesbare Tolkien-Lektüre.

Zeit seines Lebens war J.R.R. Tolkien von einem Projekt beseelt, das in der Literaturgeschichte seines Gleichen sucht: der Erschaffung eines vollständigen Sagenzyklus, beginnend mit der Schöpfung der Welt. So begann er „Das Buch der verlorenen Geschichten“. Er erdachte eine eigenständige Mythologie, erfand auf's Finnische und Walisische zurückgehende Sprachen und ganze Stammbäume und Ländereien. Sein ganzes Leben sollte er an diesem Sagenzyklus schreiben, ihn aber nie veröffentlichen. Am Ende ist er wahrscheinlich an seinem Perfektionismus gescheitert. In seinem Kopf hatte er eine eigenständige komplexe Welt geschaffen, von der es ihm nicht gelingen wollte, sie zufriedenstellend und vollständig in eine Form zu bringen. Was am Ende seines Lebens blieb, war ein Berg von Geschichten, Namensregistern, Landkarten und Fragmenten. Diesen unvollendeten Sagenzyklus veröffentlichte Christopher Tolkien nach dem Tod seines Vaters in verschiedener Form, so geschehen im „Silmarillion“ oder auch in den »Nachrichten aus Mittelerde«. Mit „Die Kinder Húrins“ hat er eine der großen Geschichten aus diesem Sagenschatz seines Vaters zusammengefügt und vollendet.

"Die Kinder Húrins" spielt lange vor dem großen Ringepos, in den Ältesten Tagen von Mittelerde am Ende des düsteren Ersten Zeitalters. Damit spielt die Geschichte ca. 6000 Jahre vor den Ereignissen in „Der Herr der Ringe“, in einem Teil Mittelerdes, der am Ende des Ersten Zeitalters von einer gewaltigen Flut überschwemmt werden soll. Einer der Götter, die Mittelerde geschaffen haben, hat nun Gestalt angenommen, um als Morgoth seine böse Macht über Mittelerde und deren Völker auszubreiten. Horden von Orks fallen über Menschen und Elbenvölker her. So treten diese gemeinsam den Kampf gegen Morgoth an.

Húrin von Dor-lomin ist der König eines der drei großen Menschengeschlechter dieser Zeit. In der Schlacht der Ungezählten Tränen wird er von Morgoth gefangen genommen. In einem Wortgefecht bietet er Morgoth die Stirn, woraufhin dieser Húrin und alle seine Nachkommen mit einem unheilvollen Fluch belegt. Húrin soll von da an auf ewig an einen steinernen Sessel auf einem Berg gefesselt und gezwungen sein, das tragische Schicksal seiner Familie zu mit anzusehen. Sein Sohn Túrin muss aus der feindlich besetzten Heimat fliehen und wird von Elben aufgezogen. Er wird ein starker und tapferer, aber auch ein zorniger und unbedachter junger Mann. Und so macht er sich auf, seinen Vater aus der Gefangenschaft zu befreien... Túrin wird an seinem Schicksal und dem Versuch, dieses zum Guten zu wenden, scheitern. So wird „Die Kinder Húrins“ nicht wie „Der Herr der Ringe“ in einem Happy End aufgehen.

Auch wenn „Die Kinder Húrins“ weit düsterer ausfällt als „Der Herr der Ringe“: Tolkien-Fans kommen trotzdem voll auf ihre Kosten. Aber eben nur die wahren Fans, die sich schon mit Landkarten und Namensregistern durch "Der Herr der Ringe" gekämpft haben - und nicht die, die erst durch die Peter Jackson-Filme davon gehört haben. Für diese dürfte "Die Kinder Húrins" ein ziemlich schwerer Brocken sein. Auch hier gibt es wieder ein Gestrüpp komplizierter Verwandtschaftschaftsverhältnisse und diverser Namensvarianten der Figuren. Stimmung und Sprache fesseln den Hörer jedoch bald in die tragische Geschichte von Mittelerde, Húrin und seinen Angehörigen. Was zu einem großen Teil auch dem hervorragenden Sprecher Gert Heidenreich zu verdanken ist, der mit seiner dunklen Erzählerstimme die Figuren und ganz Mittelerde im Kampf zwischen Gut und Böse im Kopf der Hörer erwachsen läßt. So scheint er selbst aus dem Ersten Weltzeitalter auferstanden zu sein, spricht er doch die schwierigen Namen aus, als wäre Elbisch seine Muttersprache.

Für alle Fans von Mittelerde ist dieses Hörbuch also lang ersehnte, behaglich schicksalsschwere Fantasy-Kost.

Die Kinder Húrins“ von J.R.R. Tolkien
erschienen im November 2008 im Hörverlag
7 CDs / 484 Min.
Preis: 34,95 €
Sprecher: Gert Heidenreich

(Claudia Solle)

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