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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 08.07.2008

Alexander Wolkow: Der Zauberer der Smaragdenstadt - Heute geht es um ein Hörbuch, das allen Ostkindern meiner Generation (die jetzt so um die 30 sind) noch als Buch in Erinnerung sein dürfte: „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ von Alexander Wolkow, gelesen von Katharina Thalbach. Dabei handelt es sich um eine Nachdichtung des amerikanischen Kinderbuches „Der Zauberer von Oz“. Allen, die davon noch nichts gehört haben, wird das wohl skuril vorkommen.

Die Geschichte dahinter ist folgende: Alexander Wolkow war ein sibirischer, literaturbegeisterter Mathematikprofessor, der die englische Sprache erlernte, dann als Übersetzer tätig war und sich schließlich an den „Zauberer von Oz“ heranwagte. Dabei begann er nach und nach, Kleinigkeiten zu ändern, die ihm nicht gefielen und schließlich wurde aus der Übersetzung eine eigenständige Adaption. 1939 erschien die Erstauflage in Russland. Erst 20 Jahre später gab es eine neuillustrierte Neuauflage, die so erfolgreich in den Ostblockstaaten und besonders in der DDR war, dass sich Wolkow an eine Fortsetzung machte, aus der dann wiederum 5 Bände wurden. So entstand ein ganz eigenständiges Universum voller liebevoll gestalteter Figuren mit denen ganze Generationen ostdeutscher Kinder aufgewachsen sind. Soweit zur Geschichte des Buches.

2005 erschien die bis jetzt 11. Auflage in einer neuen gekürzten Textfassung. Das ist auch die Fassung, die heute hier als Hörbuch besprochen wird, gelesen von Katharina Thalbach. (Rein textlich, muss man sagen, geht schon etwas verloren im Vergleich zur Originalausgabe. Für den hörenden Einstieg ist das aber eigentlich genau richtig, um Lust auf die Bücher zu machen.)

Die Handlung ist im Groben den meisten bekannt: Erzählt wird die Geschichte des Mädchens Elli, das mit ihrem Hund Toto durch einen Sturm ins Zauberland verschlagen wird und sich dort gegen verschiedenste Gefahren behaupten muss, um wieder nach Hause zu kommen. Auf den ersten Blick ist dieses Zauberland paradiesisch: Es ist immer Sommer und es wimmelt von drolligen Geschöpfen. Mit der Zeit stellt sich aber heraus, welch düsterer und gefährlicher Ort das ist - wo böse Zauberer, Menschenfresser und Säbelzahntiger lauern. Bei ihren Abenteuern lernt Elli jede Menge seltsame Völker, bunte Länder und geheimnisvolle Paläste kennen und findet drei neue, treue Freunde: eine Vogelscheuche, die gern ein Gehirn hätte, den Eisernen Holzfäller, der sich ein Herz wünscht und einen feigen Löwen. Gemeinsam machen sich die fünf dann auf die Reise zum Zauberer Goodwin in die Smaragdenstadt, der ihnen bei ihren verschiedenen Anliegen helfen soll. Was die fünf dann in der Smaragdenstadt erwartet, soll nicht verraten werden...

Die Änlichkeiten zum „Zauberer von Oz“ sind auffällig; die Unterschiede klein aber fein und zahlreich. Das soll hier nicht weiter aufgeschlüsselt werden. (Wer möchte, kann das eingehend bei wikipedia nachschlagen.) Ich würde aber raten: einfach genießen. Wolkow baut mit seiner leicht altertümlichen Sprache und einem feinen Gespür für Spannung, Witz und Pointe einen ganz eigenen Charme auf. Das gekoppelt mit der Stimme von Katharina Thalbach und ihren Vorlesequalitäten ist wirklich ein Hochgenuss. (Katharina Thalbach dürfte ja allen bekannt sein aus Film und Fernsehen: Ihr Repertoire reicht von der „Blechtrommel“ bis zur „Sonnenallee“, sie hat schon alle großen Theaterrollen gespielt und ist seit den 90'er Jahren auch selbst sehr erfolgreich als Regisseurin tätig.)

Und außerdem hat sie eben diese ganz eigene, besondere Stimme: kratzig, kraftvoll, sanft – die ganze Bandbreite. Spätestens wenn man „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ gehört hat, glaubt man, das es niemanden gibt, der besser geeignet ist als Märchenerzählerin und Vorleserin als eben Katharina Thalbach. Sie schafft es, allein mit ihrer Stimme eine Atmosphäre zu erzeugen, als säße man nachts am Lagerfeuer – halb gruselig, halb heimelig. Vom ersten Wort an läßt sie die Geschichte lebendig werden und haucht den Figuren mit verstellter Stimme Leben ein.

Zusammenfassend kann man also sagen: Es lohnt sich absolut! Es ist ein Vergnügen, Katharina Thalbach zuzuhören, wie sie diese Geschichte liest. Da wird wirklich jeder nochmal zum Kind. Die Adaption hat ihren ganz eigenen Charme. Und für alle Ostkinder ist das Hörbuch natürlich pure Nostalgie!

Alexander Wolkow: „Der Zauberer der Smaragdenstadt“
2 CDs
Länge: ca. 177 min
gelesen von Katharina Thalbach
erschienen im JUMBO-Verlag
Preis: 14,95 €

(Claudia Solle)

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