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Kommentar

Kommentar vom 01.11.2002

Stars & Stripes - Ich verstehe das nicht.

Da gibt es eine amerikanische Akademie für Gastlichkeit, und die hat in der vorigen Woche Weimar fünf Sterne verliehen. Und zwar für die ortseigene Gastlichkeit. Nun weiß ich ja nicht, ob sich der Chef dieser Akademie, Joseph V. Cinque seine Brötchen morgens mal in der Theaterbäckerei geholt hat. Dann müsste er sein Urteil vielleicht revidieren. Aber nehmen wir einmal an, dass Weimar diese Sterne wirklich verdient hat, dann wollen wir sie mit Stolz tragen.

Doch die Sache hat einen Haken. Denn in zwei Jahren will das Gremium den Prämierungsgrund überprüfen. Eine Art Revision des Auszeichnungsgrundes. Und dann würden die Akademiker wohl feststellen müssen, dass eine bestimmte Gruppe von größtenteils minderbehaarten oder strenggescheitelten Stiefelträgern diese Gastfreundschaft heftig missbraucht.

Denn immer an symbolisch besetzten Tagen wie dem 20. April oder 9. November lässt sich diese rechtslastige Bevölkerungsminderheit einfallen, unser Städtchen heimzusuchen. Und dann beginnt die Arbeit für Gerichte, Aktionsgruppen, Stadträte und polizeiliche Hundertschaften.

Ich verstehe das nicht.

Weil es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste, dass an diesen Tagen ein historisches Feingefühl verbietet, braunes Gedankengut auf öffentlichen Plätzen und Straßen zu verbreiten. Das sehen die NPD und anhängliche Kameradschaften natürlich anders. Denn die finden, dass sie als Andersdenkende natürlich die Mittel der Demokratie nutzen können. Das sollte man auch nicht verwehren.

Man könnte die Neonazis zwar mit ihren eigenen Waffen schlagen, und argumentieren, dass Hitler ja mit den Andersdenkenden ganz anders umgegangen ist. Aber man soll den Teufel nicht mit dem Beezelbub austreiben.

Doch merkwürdig ist das schon. Man stelle sich vergleichsweise eine Hochzeitsgesellschaft vor. Die Familie feiert, es klopft an der Tür, und geschniegelte, etwas übelriechende Gestalten bitten und erhalten Einlass. Und die Fremden essen dann die Hochzeitstorte und vergewaltigen die Braut. Sicher, sagt die Familie, man sei gastfreundlich gewesen, aber es hat schon einen bitteren Beigeschmack... Vielleicht gibt es da einen vorsätzlichen Masterplan der Rechten, die Demokratie nicht zu nutzen, sondern zu missbrauchen.

Und deshalb verstehe ich nicht, warum dieses Muster nicht schon längst erkannt wurde, oder ob man in Weimar nur gastfreundlich sein will. Denn was nützt die verliebteste Sternenromantik, wenn man beim Ausziehen braune Streifen bemerkt?

(Matthias Huth)

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