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Kommentar

Kommentar vom 26.07.2001

Herr Molotov in Genua - Ziemlich genau eine Woche ist es nun her, als die sieben führenden Wirtschaftsnationen und Russland in Genua zum G8-Gipfeltreffen zusammentrafen. Kann sich eigentlich noch jemand erinnern, was die, wer weiß genau wie vielen, Delegierten beschlossen haben? Ich nicht.

Aber jeder hat die Zahl der Festgenommenen, Verletzten und Toten im Kopf. Die Junge Welt, wird den größten Absatz seit Jahren erleben, da, wie ebenfalls jeder weiß, die Korrespondentin Kirsten Wagenschein, ja man kann fast schon sagen, in Gefangenschaft geriet. Ihr ist, wie auch übrigens noch einigen andren, unmenschliches wiederfahren. Von Folterungen, Schlägen und menschenunwürdigem Verhalten ist die Rede.

Wer tut so was, fragt man sich dann. Die italienische Polizei, die Carabinieri. Ohnehin nicht als zimperlich bekannt, konnten sie sich, nach Meinung einiger, mal wieder richtig austoben. Nein. So sollte man das auch nicht sagen. Wenn einem eine wilde Horde, Molotov-Cocktail werfender Randalierer gegenüber steht gehen einem schon mal die Pferde durch, oder?

Absolut anders wird die Situation aber, wenn eine Horde aufgebrachter Polizisten in ein von friedlichen Demonstranten genutztes Gebäude stürmen und dort mit Knüppeln und anderem Handwerkszeug ein Massaker anrichtet, wie es Augenzeugen berichteten. Noch schlimmer aber scheint mir die Tatsache, dass die Exekutiven mit dem sogenannten "Schwarzen Block" kooperieren. Viele fordern Untersuchungsausschüsse, aber welche Strategie könnte dahinter stecken. Will man seitens der Regierungen provozieren, um potentielle Randalierer besser, klarer, leichter ermitteln zu können? Eine Vorabsortierung sozusagen. Erkannt, einmal festgenommen, und beim nächsten Gipfel ein Ausreiseverbot verhängt. Auch ein Weg.

Am Schlimmsten aber ist die Tatsache, dass bei aller Berichterstattung, bei aller Medienpräsenz nicht ein einziges Mal einer der vielen Delegierten, geschweige denn einer der Regierungschefs von seinem hohen Ross gekommen ist und mit den Unzufriedenen, den Globalisierungsgegnern gesprochen hat. Oder zumindest mal ein öffentliches Statement in Richtung Opposition abgegeben hat. Das ist ein Kommunikationsproblem.

Wenn man die Bilder von händeschüttelnden und in die Kamera grinsenden Politikern sieht, umgeben von Pomp und Prunk und mit den Szenen vergleicht, die sich vor dem Konferenzhochsicherheitstrakt abspielten, erinnert die Situation eher an einen zweitklassigen Endzeit-Movie, als an den Versuch alles Elend auf dieser Welt zu bekämpfen. Der Begriff Globalisierung, der irgendwann einmal, die Verteilung von Reichtum, Lebensstandards und Sozialer Gerechtigkeit beinhaltete, funktioniert auf diese Art und Weise nicht. Auch wenn der Hochsicherheitstrakt für Tausende von Delegierten, beim nächsten Gipfel, irgendwo in einem Naturschutzgebiet in Kanada stehen sollte.

Man muss an den berühmten runden Tisch, an dem nicht nur die führenden Industrienationen sitzen. Und an diesem Punkt muss ich kurz innehalten, mich umdrehen und mich fragen, wer eigentlich auf die blödsinnige Idee von den Großen Acht gekommen ist, wenn doch alle nur das Wohl der gesamten Menschheit im Sinn hatten?

(Andreas Krieger)

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