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Kommentar

Kommentar vom 06.12.2002

Wagen wagen - Wenn wirtschaftliche Depressionen über das deutsche Land streichen, und es uns wieder mal viel schlechter geht als die Realität es beweist, dann ist es für manche selbsternannte Finanztugendwächter, manische Leserbriefschreiber und örtliche Kabarettistinnen wichtig, jemand zum Draufhauen zu finden.

Beispielsweise unseren Oberbürgermeister. Unbehelligt von Recherchen wird in die Medienwelt posaunt, dass Germers neuer Dienst-BMW viel zu teuer, viel zu luxuriös und dem Spargeist nicht angemessen sei. Naja, 84 000 Euro sind manchem zwar sein Ganzes, aber erstens ist der Wagen nicht gekauft, sondern für 464 € im Monat geleast und damit billiger als das Vorgängerauto, zweitens ist das ja nicht ein privatvergnügliches Gefährt, sondern ein erweitertes Dienstzimmer und drittens soll der OB ja auch ein wenig repräsentieren, und das geht nun mal mit einem Trabi etwas schlecht (zumal der ja inzwischen auch wieder verteuert wurde). Und wenn man noch ein wenig recherchiert hätte, wäre man zu der Erkenntnis gekommen, dass der alte Germer-Dienstwagen jetzt in Zahlung gegeben wurde, und das Neugefährt für vier Jahre quasi mietfrei stellt. Dann sind ja sowieso wieder irgendwo in Deutschland Wahlen gewesen und man kann vielleicht anderweitig meckern.

Sollte man zu den Weimarer Traditionalisten gehören, könnte man auch mit Goethe argumentieren, der ja in Italien seine Sehnsucht nach gelasseneren Verhältnissen befriedigte. Ein italienischer Bürgermeister, der mit einer alten Schrottkarre in einer vergleichbaren Stadt wie Weimar reüssieren wollte, wäre wohl dem Spott und der Verachtung preisgegeben. Und wer in einem Tageszeitungs-Leserbrief behauptet, dass der Essener OB einen acht Jahre alten Mercedes fährt, sollte sich besser informieren: dessen Dienstwagen ist ein (gekaufter) Audi A6.

Abseits dieser Kämmererbelange stellt sich viel drohender die Frage: Wem nützt solch billige Polemik gegen Germers Dienstwagen? Soll da ein Stadtoberhaupt demontiert werden, ähnlich wie es jetzt ein lächerlicher CDU/CSU Wahlausschuss wegen angeblichen Wahlbetrugs mit der Regierung versucht? Oder will sich da jemand mangels besserer Alternativen profilieren? Oder durfte Goethe nicht öfter nach Italien fahren, weil seine Dienstkutsche zu teuer war? Und was hat das alles mit dem Geist der Dienstweihnacht zu tun? Und nach diesen Fragen legen wir uns mal ruhig in die Meckerecke, gönnen unserem Nachbarn ein bisschen Wohlstand und denken an das Gute im Menschen. Das soll es nämlich auch noch geben...

(Matthias Huth)

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