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Kommentar

Kommentar vom 17.01.2003

Vertrauensfrage - Kann sich noch jemand an Marion Töpfer erinnern? Das war diese tapfere Frau, die im vorigen Jahr gegen den Teuro zur Demonstration in Weimar aufgerufen, und tatsächlich eine Schar von Protestierenden zusammentrommelte. Damals wurde ihre Aktion von Vielen belächelt und nicht ernst genommen. Marion Töpfer hat zwar nach eigenem Bekunden nette Menschen kennengelernt, aber manchmal sinniert sie noch über die Feigheit der Menschen. Würde man heute die Stimmung der Weimarer gegenüber dem Euro anheizen, wäre wohl eine weitere, kräftigere Unmutswelle zu erwarten. Denn die neue Währung, die wir quasi ungefragt erhielten, hat das Vertrauen der Deutschen nachhaltig enttäuscht.

Viele rechnen laut Umfrage im Kopf noch mit der D-Mark. Verständlich, denn die Umstellung wurde von fast allen Händlern, Ketten und Herstellern schamlos ausgenutzt, um eine unverhältnismäßige, heimliche und schamlose Verteuerung durchzusetzen. Zwar wollen uns staatlich bestallte Statistiker weismachen, dass diese Teuerung nur 0,4 Prozent beträgt, aber damit ist ein Vergleichzeitraum von Januar bis August 2002 gemeint. Es ist ähnlich der gefühlten und tatsächlichen Temperatur: der kalte Wind der Marktwirtschaft, die neuerdings dem Turbokapitalismus weichen muss, verunsichert die sowieso existentiell besorgten Deutschen. Im Falle des Euro, und nur in diesem Falle, hätten sie wirklich Grund zum Jammern.

Denn nun setzt diese staatlich sanktionierte Teuerungswelle seit Monaten den Jojo-Effekt in Gang: wenn man Kunden auf diese Weise verprellt, dann kaufen sie eben erst mal nicht mehr. Bis auf die geschickten Discounter, die zwar auch leicht verteuerten, aber das sowohl geschickt verschleierten als auch von dieser Anti-Euro-Stimmung profitierten, vermeldet der Einzelhandel bundesweit Milliardenverluste und dessen Vertreter ringen nach Erklärungsversuchen.

Davon mal abgesehen, dass der Kundenservice oftmals, gerade in den Neuen Bundesländern noch an Vorwendezeiten erinnert, bringt der Preiskampf einigen kleinen Einzelhändlern und Gaststätten die Nähe zum finanziellen Ruin. Wenn jedoch Tannenbaumverkäufer wie Herr Stuckatz aus Bad Berka auf dem Weihnachtsmarkt 2002 seinen Verkauf schon am 23. Dezember vormittags einstellt, viele Ladenöffnungszeiten immer noch am Profitwillen der Händler zweifeln lassen und Unternehmer ihre Reklamationsabteilungen an ungeschulte Telefondienste übergeben, ist mir in diesem deutschen Jammertal noch nicht bange. Sorgen machen mir eher die, welche bei diesem Preispoker auf der Strecke bleiben: Gemeinnützigkeiten, Selbständige, Obdachlose und gute Sitten.

(Matthias Huth)

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