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Buchrezension

Buchrezension vom 05.08.2008

Bündnis für sicheres Reisen: Ausländisch für Notfälle: Ein Sprachführer für Paranoiker - Es ist Reisezeit.
Ich packe in meinen Koffer: meine Zahnbürste.
Ich packe in meinen Koffer: meine Zahnbürste und meinen Pyjama.
Ich packe in meinen Koffer: meine Zahnbürste, meinen Pyjama und den
Reiseführer «Ausländisch für Notfälle».

Den Reiseführer «Ausländisch für Notfälle»? Ein «Sprachführer für Paranoiker»? Das kann ja heiter werden. Und das wird es zunächst auch: Auf der Umschlaginnenseite sehen wir eine Weltkarte, und diese Weltkarte kennt genau zwei Farben gleichbedeutend mit der sicheren Zone (Deutschland) und der extrem gefährlichen (der Rest der Welt). Allerdings - so lustig geht es nicht weiter. Denn der Herausgeber (ein «Bündnis für sicheres Reisen» und genauer erfährt man es nicht) legt bisweilen einen sehr schlechten Humor an den Reisetag, manchmal gar keinen, und dann geht es ziemlich geschmacklos daher, so zum Beispiel, wenn wir aufschlagen: «Ausland Extrem-Ost, Lektion 7, Arabische Welt». Ich konstatiere hier extremen Mangel an Feingefühl und Verständnis für die andere Kultur, besonders in unseren durch Unverständnis aufgeladenen Zeiten. Aber vielleicht ist es genau das, was eine Menge Leute momentan besonders lustig findet.

«Ausländisch für Notfälle», ein Scherzbuch, ist nicht für die Welt gemacht sondern für die Couch. Aber ob man dort nicht auch anders mehr Spaß haben kann - diese Frage muß gestattet sein. Und weil eine Welt nicht genug ist, gibt es auch noch ein Kapitel «Andere Welten». Von diesen gibt es für die Herausgeber nur genau zwei und zwar «Mittelerde» und den Weltraum. Diese Auswahl erscheint wiederum arg phantasielos und jeder echte Enterprise-Brückenoffizier oder Jedi-Ritter würde sofort ein paar Unstimmigkeiten bemerken, denn StarTrack-Universum ist nicht gleich StarWars-Weltraum. Und Ungenauigkeiten bei 10(hoch)-12 mbar und -270°C sind mit Sicherheit immer tödlich. Komplettiert wird das Buch zwar mit einem «Wie man dieses Buch benutzt»-Abschnitt, aber erwarten Sie hier bitte ebenso gaga und keine nützlichen Tipps. Ich weiß, ich nehme dieses Buch allzu ernst. Aber ich will es so.

Ebenso scham- und witzlos wie das Beispiel «Arabische Welt» sind auch die Kapitel über die Türkei und Indien. Nein: Ich selbst halte mich im täglichen Leben auch nicht für lupenrein politisch korrekt, aber ich war mir mit einigen Kollegen darüber einig, daß man wirklich nicht über alles lachen kann - und muß.

«Ausländisch für Notfälle» bietet eine Sammlung an Klischees bis zur totalen Geschmacklosigkeit und ist ein Buch, daß meiner Ansicht nach nicht notwendig gewesen wäre - Ratgeber aus dem Lübbe-Verlag vereint mitunter das gleiche Schicksal. Mein Rat deshalb, wenn ich einen geben darf: Gehen Sie mal wieder ins Kabarett und lachen Sie dort. Dann aber richtig. Oder fahren Sie wirklich hinaus in die Welt. Das wahre Leben schreibt mitunter unterhaltsamere Bücher.

(Charles Ott)

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