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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 08.04.2003

Elisabeth Mann Borgese: Mein Vater der Zauberer - Meine Liebe das Meer - Eigentlich wollte ich Ihnen heute ja ein Reiseführer-Hörbuch über Venedig vorstellen. Aber dann flatterte mir vorgestern die CD "Mein Vater der Zauberer - Meine Liebe das Meer" von und mit Elisabeth Mann Borgese ins Haus, und die kann und will ich Ihnen einfach nicht vorenthalten. Ich gebe gern zu, dass Elisabeth, die jüngste Tochter von Thomas Mann, zu meinen ganz privaten Highlights des vergangenen Fernseh-Jahres gehörte.

Wie ungemein sympathisch die über 80 Jahre alte Dame über ihre Familie erzählte, wie fast kindlich-naiv sie sich in Bremen in den Senatorstuhl ihre Großvaters setze, wie ergriffen sie am Grabe von Klaus Mann über das tragische Leben ihres Bruders berichtete - das alles hat mich damals tief beeindruckt und war für mich die eigentliche Entdeckung in der inzwischen mehrfach preisgekrönten Fernsehserie "Die Manns".

Nun legt der Audiobuch-Verlag Freiburg den Mitschnitt eines Interviews vor, dass Wolfgang Gaudlitz vom Bayerischen Rundfunk mit Elisabeth Mann Borgese in ihrem Haus im kanadischen Halifax geführt hat. Und da ist sie wieder - die zwanflos heitere, zuweilen auch ernste, ebenso zurückhaltend wie kenntnisreiche und immer ungemein einnehmende Art, die einen förmlich am Lautsprecher kleben lässt. Dabei wäre allein der Inhalt dieses so reichen und engagierten Lebens ausreichend, um jeden Zuhörer zu fesseln. Elisabeth Mann Borgese erzählt von Fachismus und Emigration, von ihren Begegnungen mit Albert Einstein,

John Irving und anderen Prominenten, von der McCarthy-Ära und ihrem zwiespältigen Verhältnis zu Amerika und nicht zuletzt auch von ihrer Tätigkeit als Meeresbiologin, Friedensforscherin und Umweltaktivistin.

Immerhin war sie in den siebziger Jahren die erste Frau im illustren Club of Rome und hat aus Protest gegen den Vietnamkrieg ihre amerikanische Staatsbürgerschaft zurück gegeben, hat sie im Dienst der UNO gearbeitet und wurden auf ihre Initiative weltweit Institute zur Erforschung der Meere eingerichtet.

Im Zentrum stehen aber immer wieder - wie könnte es bei einer solch prominenten Familie anders sein - Berichte von ihren Eltern und ihren Geschwistern. Ein Leben lang hatte sie geschwiegen, wollte sie aus Prinzip nicht über ihre Familie reden. "Aber jetzt, wo ich die letzte bin" - wie sie es ausdrückt - ergreift sie die Gelegenheit, ihre Sicht auf die Dinge darzustellen und manches auch zu korrigieren.

Dabei entsteht dreierlei: ein facettenreiches Zeitgemälde des 20. Jahrhunderts, ein spannendes Familienbild der Manns und vor allem - ich kann mich nur wiederholen - das Porträt einer außergewöhnlichen Frau. Schade nur, dass der fragende Journalist oftmals etwas zu dominant in die Erzählungen eingreift. Davon abgesehen, kann dieses Hörbuch nur wärmstens empfohlen werden.

"Mein Vater der Zauberer - Meine Liebe das Meer"
Elisabeth Mann Borgese im Gespräch mit Wolf Gaudlitz
2 CD mit insgesamt 156 Minuten Spielzeit
Erschienen im Audiobuch-Verlag Freiburg
Preis: 25 Euro

(Burkhardt Kolbmüller)

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