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Buchrezension

Buchrezension vom 30.05.2010

Nadja Rümelin: Die Große Unordnung - "Der denkt immer soviel nach, da vergißt er einfach das Aufräumen." (Magda,8) Tiefes Verständnis für Fink, in seinem kindlich-kreativem Chaos unter der Ägide seiner umso verständnisloseren Eltern gibt den zweiten Eindruck der oben zitierten "Testleserin" wieder. Das Buch "Die große Unordnung" ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass ein gutes Kinderbuch keinesfalls "mal eben so" nebenher oder gar mit links von schauspielernden Müttern geschrieben werden kann, wenn es denn nur quirlig und möglichst bunt daherkommt.

Nein: Ein gutes Kinderbuch wird "gemacht", und diesem merkt man an, wieviel Mühe, Emphatie und Kompetenz darinsteckt. Und wieviel vom "Inneren Kind": Die tragikkomische Geschichte von Fink, dem belehrungsresistenten Antihelden, welcher auf der Suche nach seinem Hamster, der im dunklen Reich unter der "Unordnung" von Kakerlaken zum König erhoben wurde, das ganze Ausmaß des Liegengebliebenen in seinem Zimmer als lebensgroßes Universum aus Schmutz und Schimmel erfährt, wirkt. Prompt. Und bezaubert. Beim zweiten und dritten und vierten Anschauen. Es ist die "Aus-einer-Hand"-Qualität, die Wort, Satz und Bild zu einem Erfahrungsraum werden lässt, dem sich wohl kaum ein Kind (auch über den empfohlenen Altersbereich hinaus) entziehen mag, und die so nah an das kindliche "Ordnungsgefühl" herankommt und Ekel und Düsternis bewusst nicht ausblendet, dass seitens der Eltern jeglicher Kommentar überflüssig wird.

Getreu dem Motto: Ich hätte vieles begriffen, hätte man es mir nicht erklärt, begreift der junge und der erwachsene Leser hier den Sinn von Ordnung, der Kindern ein ganz anderer ist, als Eltern. Eines der sehr wenigen Kinderücher, was den Spagat schafft zwischen Autoritarismus und Laissez-faire, zwischen Realitäts-Sinn und Phantastik, welches durchaus das Zeug zum neuen Klassiker hat!

(Katharina Winkler)

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