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LOTTE's Hörtipp

LOTTE's Hörtipp vom 19.11.2003

Mich Gerber: Endless String - Es gibt Instrumente, da weiß man gar nicht so richtig, daß es sie gibt, weil sie zumeist nur in irgendeiner Form in einem Ensemble zu finden sind, selten allein. Gut, Cello, da hat man die raumfüllenden Qualitäten des Intrumentes erkannt, aber wie ist das zum Beispiel mit einem Kontrabass? Was ist das eigentlich, ein Kontrabass? Ach ja? Auch gedacht, Cello und Kontrabass sei eigentlich das Gleiche? Umgangssprachlich ausgedrückt ist der Kontrabass die größte aller im Handel erhältlichen Geigen.

"Als sich Mich Gerber noch in der Ausbildung als Theatermaler befand, kaufte er - der schönen majestätischen Form wegen - einen Kontrabass. Es dauerte allerdings nicht lange, bis er dieser imposanten Skulptur die ersten Töne entlockte und sich ins Berner Konservatorium einschrieb. Sein Diplom in der Tasche spielte er mit dem Sinfonieorchester Bern, später experimentierte er mit den unterschiedlichsten Formen improvisierter Musik, bevor er sich dann für den eher unkonventionellen Weg einer Solokarriere als Kontrabassist entschied." So heißt es in der Künstlerinfo.

Als eher un-bekannter Musiker mit dem bis jetzt eher ver-kannten Kontrabass eine Solokarriere zu starten, da hat man es doch doppelt schwer, denke ich mir. Es ist, als wolle man mit einer Triangel vor ausverkauften Hallen spielen - nein, das war jetzt doch ein übertriebener Vergleich. Aus diesen großbauchigen Saiteninstrumenten läßt sich schon mehr Klang herausholen, Mich Gerber beweist es. Und alle Triangelspieler wollen mir jetzt bitte vergeben.

"Mit seiner speziellen Samplingtechnik baut der Bassist Mich Gerber rhythmische und melodische Muster auf, wobei er seine klassische Erfahrung mit zeitgenössichen Rhythmen vermischt, auf die Samples türmt er weitere karg schöne Melodien seines Kontrabasses." lese ich. Doch der Solomann ist nicht ganz allein: Im Handgepäck reisen der Schlagzeuger Gert Stäuble und der Keyboarder Oli Kuster, mit denen er ein "emotionales Klanggebilde zwischen Trance und Traum entwickelt, mit dem er sein Publikum mittanzen läßt."

Wozu es führen kann, wenn man den Kontrabass als Melancholieapparat a la Cello hoch 3 mißbrauch und sich auch noch allerhand anderes Gerät ins Arrangement packt, das hört sich so an. (Musik) Immer noch staunend halte ich die Presseinfo in der Hand: "Durch Zupfen, Schleifen, Streichen und Kratzen schafft Mich Gerber einzelne Melodiefragmente, die er anschließend übereinanderschichtet. Der warme Klang des Kontrabasses sowie ein überaus feinfühliger Umgang mit der Technik lassen eine Musik entstehen, die zwischen luftigen Loops und Kammermusik kaum einzuordnen sind." Ich denke beim Hören meineS Promo-Exemplares sogar an ganz exotische vergessene Welten wie die der längst untergegangenen Avantgarde-Elektroniker von Tangerine Dream.

Plötzlich entdecke ich auf dem Beipackzettel ein paar bekannte Compilations - "Café del Mar" und "Nirvana Lounge" - auf denen Mich Gerber offenbar schon einmal vertreten war. Umso erstaunlicher für mich, daß ich zuvor noch nie etwas von diesem Künstler gehört hatte. Da muß ich wohl nochmal genauer nachsehen. Meine Empfehlung also fürs anstehende "Wir machen dem Einzelhandel zu Weihnachten mal wieder richtig Beine und tun dabei noch was fürs Vaterland": Kaufen, diese CD, und am besten mehrfach und verschenken - an alle Freunde, die man für den Genuß dieser Musik für geeigent hält.

(Charles Ott)

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