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Bildarchiv vom 23.06.2010

Die Karl Marx-Straße - ...in Trier ist schmal und unscheinbar. Einige kleine Geschäfte, zwei Kneipen, eine Galerie und ein Autohaus säumen ihren Rand. Und gleich mehre Sexshops inclusive Videokabinen. „Zehn Programme!“ verspricht die Leuchtschrift. Das macht den Kern der Straße aus.

Und so beginnt auch der Dokumentarfilm des westdeutschen Filmemachers Pavel Schnabel über die frisch beschlossene Städtepartnerschaft zwischen Trier und Weimar im Jahre 1988. Den Auftrag dafür hatte er von der ARD erhalten. Ein Städte-Doppelprojekt sollte es werden. Mitten in die Dreharbeiten platzte dann die Wende. Erstmals konnte Schnabel ohne Stasi-Aufpasser in Weimar filmen. Ungestört arbeiten und vor allem deren Bewohner befragen.

Stück für Stück entwickelten sich so ungemein aussagekräftige Szenen. Vor allem dann, wenn dieselben Menschen vor und nach 1990 sprechen.
So etwa der Direktor der Weimarer „Erweiterten Oberschule Karl Marx“, der gleich nach der Wende Versicherungsvertreter wurde. Oder der Blick auf den Weimarer Karl-Marx-Platz, welcher im Jahre 1990 zum Gebrauchtwagenmarkt mutierte. Wie überall in Ostdeutschland. Freilich kommen auch Aktivisten der Wendezeit zu Wort, alte und junge.

Doch auch die Kommentare der Trierer Bürger sprechen für sich und geben den Stimmungswandel jener Jahre wieder. „Jetzt müsse mer auch noch für die schaffe, die han doch nix“, spricht jemand ins Mikrofon. Dafür lieferten die Trierer Verkehrsbetriebe gebrauchte, aber funktionstüchtige Ominbusse an die Weimarer Partnerstadt.

Und so kam es, dass im Dezember 1990 10 rote Omnibusse im Schneetreiben auf dem Weimarer Theaterplatz standen...

“Brüder und Schwestern“ heißt Pavel Schnabels abendfüllender Dokumentarfilm. Wie so vieles ist er fast in Vergessenheit geraten. Vielleicht auch deshalb, weil diese Städtepartnerschaft ein sperriges Relikt aus DDR-Zeiten ist und so gar nicht ins wiedervereinigte Deutschland passen will.

(Claus Bach)

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