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Kommentar

Kommentar vom 12.10.2010

Der Kampf ums Schloss - Im Herbst fallen die Blätter von den Bäumen. Und in Weimar fällt zeitgleich scheinbar auch so manche Hemmschwelle im Umgang mit den Kulturmanagern dieser Stadt. Wir erinnern uns: vor zwei Jahren eskalierte das Geschacher um die Verlängerung des Vertrages von DNT-Generalintendant Stephan Märki. Der Bruch der Koaltion aus CDU und Weimarwerk war die Folge.

Und nun ist der Präsident der nächsten bedeutenden Kultureinrichtung Weimars dran. Der Vertrag mit dem Präsidenten der Klassik-Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, wird nicht verlängert. So will es Thüringens Kultusminister Christoph Matschie. In aller Eile und entgegen der üblichen Fristen wurde letzte Woche eine Sondersitzung des Stiftungsrates einberufen und Matschie wollte gleich einen ihm genehmen Nachfolger durchdrücken. Damit scheiterte er. Nun soll die Stelle ausgeschrieben werden. Es ist schon interessant: die Vertreter der Politik aus Bund und Land sowie OB Stefan Wolf wollen Seemann weg haben. Die Leute vom Fach, die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates sowie die Direktoren der Klassik-Stiftung dagegen stehen zu Seemann. Wer dessen Leistung besser beurteilen kann, sei dahingestellt. Findet hier etwa ein Machtkampf zwichen der Politik und den Kulturvertretern statt?

Eine sehr unglückliche Figur macht dabei OB Wolf. Er hält sich weitgehend raus und lässt seinen Parteifreund Matschie die Strippen ziehen. Vom Stadtoberhaupt Weimars dürfte man mehr erwarten. So sieht es auch Ex-OB Volkhardt Germer, der erstmals öffentlich seinen Nachfolger massiv kritisiert.

Noch beschämender ist das Vorgehen von Matschie. Erst versteckt er sich hinter der Floskel, Personalangelegenheiten nicht nach draußen zu tragen, als nach den Gründen gefragt wird. Und drei Tage später betreibt er in mehreren Interviews die Demontage Seemanns. Gewiss, Seemann mag den einen oder anderen Fehler begangen haben und hat in der Frage um den Standort des Bauhaus-Museums ziemlich unglücklich agiert. Insgesamt hat er aber eine sehr solide Arbeit verrichtet und den Stellenwert der Klassik-Stiftung in der bundesweiten Wahrnehmung deutlich vorangebracht. Seine Vision vom „Kosmos Weimar“ klingt überzeugend. Ob entstandene Verzögerungen bei der Umsetzung ihm anzulasten sind oder ob die Politik ihm gezielt Knüppel zwischen die Beine geworfen hat, lässt sich nur schwer beurteilen.

Vermutlich ist es unsinnig, die Ausbootung Seemanns im Hinblick auf eine mögliche OB-Kandidatur seines Weimarwerk-Freundes Martin Kranz im übernächsten Jahr zu sehen. Schlechter Stil ist das ruppige und überhastete Vorgehen dagegen allemal. Den aber ist man mittlerweile von Christoph Matschie zur Genüge gewohnt.

(Oliver Kröning)

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