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Kommentar

Kommentar vom 30.11.2010

Das große Diplomatenleck - Horst Seehofer? „Unberechenbarer Populist“. Angela Merkel? „Selten kreativ“. Guido Westerwelle „Aggressiv; kein Genscher“. Silvio Berlusconi? „Inkompetent und aufgeblasen“. Wladimir Putin? „Ein Alpharüde“. So lauten die Urteile US-amerikanischer Diplomaten über einige Politiker, die Washington übermittelt und durch einen Maulwurf im riesigen US-Getriebe an WikiLeaks weitergespielt wurden. Nun, ausgesprochen verwunderlich sind diese Einschätzungen ja nicht. Nahezu jeder Beobachter wird zu ähnlichen Schlüssen kommen. Das einzige Erstaunliche mag sein, dass US-amerikanische Diplomaten durchaus Menschenkenntnis besitzen.

Und trotzdem schlägt die WikiLeaks-Veröffentlichung vom Sonntag weit größere Wellen als alle Vorangegangenen, obwohl es da zum Teil sogar um massive Kriegsverbrechen der USA ging. Der italienische Außenminister spricht gar vom „11. September der weltweiten Diplomatie“. Und damit hat er nicht einmal Unrecht, denn nun ist ein riesiges Lügengebäude zusammengestürzt. Wenn man so will: die Twin Towers Verlogenheit und Heuchelei. Manch einer hat wohl noch nicht einmal kapiert, dass da etwas in Schutt und Asche gelegt worden ist. So nennt US-Botschafter Philip Murphy in Berlin in einem Interview gestern Merkel eine „wunderbare Verbündete“ und von Westerwelle habe er ein „hohe Meinung“. Seine Einschätzung gegenüber der US-Regierung dürfte anders lauten. Hier wird wirklich das Absurde ad absurdissimum geführt.

Erstaunlich gelassen reagieren betroffene deutsche Politiker. Sie machen gute Miene zum bösen Spiel und messen dem Ganzen nur „Cocktailparty-Geschwätz“ bei. Gebetsmühlenartig wird die deutsch-amerikanische Freundschaft gelobt, die dadurch nicht belastet werde. Und diese Vorgehensweise dürfte auch die richtige sein. Denn man muss diesen diplomatischen GAU als ein weiteres Mosaiksteinchen des rasanten Abstieges der ehemaligen Weltmacht sehen. Die Staatengemeinschaft funktioniert ähnlich wie ein Tierrudel. Wären die USA noch das unangefochtene Alphamännchen, fiele die weltweite Reaktion anders aus. Nun gibt es nur noch Hohn und Spott, weil sie selbst ihren eigenen Laden nicht mehr im Griff haben. Die Welt hat keinen Respekt mehr vor den USA und deswegen kann es einem ziemlich egal sein, was die von einem denken.

(Oliver Kröning)

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