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Theaterkritik

Theaterkritik vom 06.12.2010

Warteraum Zukunft - Der ganz normale Wahnsinn findet tagtäglich statt. Und zwar schon frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit. 70 Kilometer hin und nur Idioten auf der Straße. Und die Schwachsinnsstimme vom Verkehrsfunk, die süßlich-giftig dahersäuselt und jeden Blitzer zum Dämon schlechthin stilisiert. Terror ist das. So nennt es Daniel Putkammer, der tragische Held in dem Stück „Warteraum Zukunft“, das am Freitag Premiere im foyer III des DNT hatte. Angekommen an der Arbeitsstelle geht das Spiel mit veränderten Vorzeichen weiter: sinnentleerter Smalltalk mit Kollegen, schlechter Kaffee und die permanente Angst vor dem Chef, der von seinen Angestellten immer mehr verlangt; selbstverständlich auch unbezahlte Überstunden, auch am Wochenende. Und der Sommerurlaub wird gestrichen. Und das Allerschlimmste ist die Aussicht auf Beförderung: denn das heißt nur mehr Verantwortung, aber nicht mehr Geld. Und im Falle von Daniel: Versetzung nach Rumänien. Klar, dass man sich nach so einem Tag nur noch sinnlos betrinken kann. Und dann sprudelt es aus Daniel heraus: vom dominanten Vater auf Linie gebracht gelang es ihm nie, auch emotionale Tiefe zu entwickeln. So scheiterte auch seine Beziehung zwangsläufig, der er auf bizarre Weise nachtrauert: er sucht eine Wohnung mit Badewanne, weil er nur in der Badewanne eine erotische Erinnerung wiederaufleben lassen kann: wie er sich einst an seine Ex geschmiegt hat.

Nach dem eher verunglückten so genannten Kluck-Labor kommt nun mit „Warteraum Zukunft“ ein weiteres Werk vom Außerhausautor Oliver Kluck auf die Bühne und hier zeigt es sich, dass diesem Stück ein psycho-soziologisches Konzept zu Grunde liegt, das es in der Tat verdient, auf die Bühne gebracht zu werden. Regisseurin Daniela Kranz entwickelt daraus mit Florian Jahr als Daniel und Johannes Schmidt und Simon Zagermann als seine Kollegen ein teils klaustrophobisch, teils bizarres Gebilde, dessen Ähnlichkeit mit der Realität nicht zu übersehen ist. Dabei wird nicht moralisiert, sondern durch das Schauspiel werden Bilder vermittelt. Stark ist vor allem Jutta Burkhardts Bühnenausstattung, die aus einer einzigen, überlebensgroßen, in mehrere Teile zersägten nackten Frauenskulptur besteht. An ihr offenbart sich das Geschlechterdilemma, an dem stellvertretend für alle Daniel leidet. Der Schluss allerdings enttäuscht. Plötzlich wird das Spiel eingestellt und stattdessen nur noch erzählt. Warum, fragt man sich da. Fehlten da schlicht die Möglichkeiten? Oder hat da jemand mutwillig kurz vor Schluss die Notbremse gezogen?

Warteraum Zukunft (Oliver Kluck)
Regie: Daniela Kranz
Premiere: 03.12.2010, DNT, foyer III

(Oliver Kröning)

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