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Kommentar

Kommentar vom 25.01.2011

Glanz und Elend eines Ministers - Zwischen Aufstieg und Fall liegen im politischen Geschäft oft nur erschreckend kurze Zeiten. Es ist erst wenige Wochen her, dass sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg samt Gattin nicht nur von der Boulevardpresse wie ein Königspaar in Afghanistan hat ablichten lassen. Auch Teile der halb-seriösen Medien machten bei diesem Schmierentheater mit. Kritik gab es nur vereinzelt.

Fast zeitgleich starb aber ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan, und zwar nicht durch Feindbeschuss, sondern weil Kameraden mit Waffen herumgealbert hatten. Und einige Wochen zuvor starb eine Kadettin auf dem Schulschiff „Gorch Fock“, wozu immer mehr Ungereimtheiten auftauchen.

Am Freitagnachmittag forderten die Oppositionsparteien Konsequenzen aus den Vorfällen, doch Guttenberg lehnte personelle Veränderungen ab. Erst müsse der Untersuchungsausschuss abgewartet werden. Im Übrigen verbat er sich jegliche Kritik. So nervös, ja dünnhäutig hatte man den bisherigen Hoffnungsträger der Regierung noch nicht erlebt. Da schien archaischer Adelsdünkel plötzlich herausbrechen zu wollen.

Der Hammer erfolgte nur wenige Stunden später. Nun hat zu Guttenberg plötzlich doch den Kommandanten der „Gorch Fock“ suspendiert. Und zwar einzig auf Grund der Intervention der BILD-Zeitung, die die Vorfälle auf der „Gorch Fock“ in der ihr eigenen Art ausschlachten wollte. Dass der Minister nicht erst den Bundestag über die Suspendierung unterrichtet, sondern das berüchtigte Boulevardblatt, ist ein Skandal allererster Größenordnung. In was für einer Republik leben wir eigentlich, wo ein demagogisches Schmierblatt die Geschicke der Regierung bestimmt?

Natürlich sind weite Teile der Bundeswehr über dieses katastrophale Krisenmanagement von zu Guttenberg zutiefst entsetzt. Ein wenig überraschend ist es aber doch, wie offen der Minister nun von der Truppe kritisiert wird. Soviel Courage hätte man den Soldaten nicht unbedingt zugetraut. Noch stärken Angela Merkel und andere Politiker des Regierungslagers dem Minister den Rücken. Aber wer sich selbst so offensichtlich zur Marionette der BILD-Zeitung degradiert, ist in der Bundesregierung völlig fehl am Platz.

(Oliver Kröning)

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