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Aktuelles

Aktuelles vom 31.01.2011

Zugänge zur Kultur - Wolfgang Renner befasst sich heute hauptsächlich mit Veranstaltungen, zu denen er keinen – oder nur schwer einen - Zugang hatte. Sehr doppeldeutig!

Das ist natürlich vieldeutig gemeint. Aber das Thema gehört ja auch irgendwie zu unserer „Kultur“.
Ich war jedenfalls am Sonnabend in der Zeit um 19 Uhr in der Stadt unterwegs. Es war ziemlich kalt. Und Dunkel bereits. Trotzdem waren recht viele Menschen unterwegs.
Nun muss ich anmerken, dass ich gerade aus einer anderen Kleinstadt Thüringens hierher, zurück nach Weimar, gekommen war. Dort, am anderen Ort, schienen bereits am Nachmittag die Straßen wie leer gefegt. Außer vorm großen Einkaufsmarkt, auf der Wiese vor der Stadt. Dagegen war Weimar ein wirklich kommunikatives Ereignis. So etwas bemerkt man wohl immer erst, wenn man von draußen kommt.

Also, die erste überraschende Begegnung auf meinem Weg durch Weimars Innenstadt war das Licht auf dem Theaterplatz. Es war das Theater selbst, das den Platz überstrahlte. Illuminiert wie selten, stand es da. Und selbst die Skater auf dem Platz zeigten Respekt, und wussten nicht so recht, wohin mit ihren Brettern und wie sich verhalten.
„Wien in Weimar“ verkündete ein Transparent zum strahlenden Fest; sehr verlockend. Es galt dem Opernball im DNT. Aber selbst wenn ich bereit gewesen wäre, den sehr, sehr hohen Eintrittspreis zu zahlen – ich wüsste nicht, ob ich mich dort auch wohlgefühlt hätte. Was mich unterhält, ist eben anders geartet, eine andere Kultur. Und trotzdem ist es schön, dass das Theater sich für solch einen Opernball schmückt.

Es ist eine ungewöhnliche Zeit für eine Tour zur Kultur:
In den frühen Abendstunden hat das, was man gemeinhin als „die Kultur“ bezeichnet, doch eine Atempause.
Und trotzdem waren Veranstaltungen zu finden?

Ja, es ist eine Übergangszeit. Die Museen schließen ihre Türen, der Tourist zieht sich zurück, aber die Clubs aber bereiten ihre lange Nacht vor und die Wochenend- Partygänger kommen ja dann noch, - viel später.
Gleich neben dem Theater hörte man aus der Schützengasse den Soundcheck eines Drummers. Im Kasseturm lud ein DJ sein Gerät ab. „Oldies“ las ich am Schaukasten. Sehr frühe Oldies; denn sie begannen – laut Plakat - mit den 50ern und endeten bei den 60ern. Das hätte ja eigentlich auch meine Musik sein können.
Aber ich bin da später doch nicht hingegangen... Zum Jazz komme ich ja öfter in den Turm, - aber zu einer Diskothek?? Die Oldies meinen eben Klänge, und weniger die Leute, im Kasseturm.

In der Galerie Eigenheim aber stand die Tür weit offen. Auch hier viel Licht, das aus den großen Schaufenstern zur Karl-Liebknecht-Straße drang. Es gab eine Vernissage: „Raum 010/11 – Freie Kunst/ Wechselstrom“ las ich. 17 Studentinnen und Studenten der Bauhaus-Universität stellen noch bis Mitte Februar hier aus.
Moderne Galerien wirken für mich, auch trotz einer Vielzahl an Künstlern, immer irgendwie leer. An den Wänden zumindest.
Der Raum selbst aber war zur Vernissage voll, so voller Besucher, dass alsbald die Fensterscheiben der Galerie beschlagen und ein neugieriger Blick von außen nicht mehr möglich war.
Also hinein. Obwohl ich es zunächst problematisch fand, so als Solitär, als Einsamer, hier aufzukreuzen, und mich inmitten die Schar ernst und wissend blickender junger Kunstkenner zu stellen.
Von den Bildern, Videoperformances, Installationen konnte ich, ob der Menge an umher stehenden Personengrüppchen noch nicht viel sehen. Zumindest nicht genug, um jetzt öffentlich darüber zu reflektieren.
Aber mir kam das Thema „Zugänge“ zur Kultur in den Sinn: Denn unabhängig vom Geldbeutel und vom Interesse und Verständnis dessen, was da gerade dargeboten wird, gibt es wohl noch den Aspekt des Gefühls einer Zugehörigkeit zu bestimmten Kreisen der Kultur.
Wird man da akzeptiert? Ist es die einem gemäße Formensprache? Kann man sich dort mit jemanden über das Kulturerlebnis austauschen?
Jede Generation sucht sich mit der ihr eigenen Kunst auch ihren eigenen Ort. Und auch das ist auch gut so, denke ich.
Und so stehe ich, schaue wie sie sich und ihre Kunst feiern, die Jungen. Und ich finde auch mich einen Moment lang toll, weil ich mich überwunden hatte, hier hereinzukommen.
Allerdings, die Luft wird schnell knapp; und alsbald bin ich wieder draußen.

Dann ist er noch weitergezogen? Vor welche Türen? Zu welchen Stationen? Weimar bietet ja auch um 19 Uhr noch manches mehr...

Ja, zunächst zum ACC. Aber da wurde in der Galerie die Ausstellung gewechselt. Kürzlich war ich noch einmal dort zur Ausstellung „An das Gerät!“. Mein erster Besuch hatte mich nur verwirrt und ich hatte nicht viel verstanden von dem, was mir die Künstler da sagen wollten. Wollten sie mir überhaupt etwas sagen?
An den Sonntagnachmittagen gibt es immer Führungen im ACC, falls Ausstellungen zu sehen sind. Und bei dieser Gelegenheit bekamen die skurrilen Geräte, Apparate und Figuren plötzlich auch so etwas wie einen Sinn für mich: abgehackte Hände, winklige Schalltrichter, Eierausbrütmaschinen... Man muss nur die Muße, manchmal auch den Willen haben, sich darauf einzulassen.
Nun aber war die Galerie leider geschlossen.

Aber der C-Keller am Markt hatte geöffnet. Auch hier war es noch viel zu früh für größeren Publikumsverkehr. Dafür war es eine gute Gelegenheit, die Bilder in den Räumen mal ungestört und intensiv zu betrachten: Skulpturen im Raum, Wachstinte auf Tapete und Wachsstifte auf Papier und Holz, Porträts von Träumenden... „Träumer“ heißt auch die Ausstellung, die der Künstler Sascha Widolph aus Hannover geschaffen hatte. (noch bis 17. Februar). Das alles fand ich formal sehr interessant und sehenswert.
Im C-Keller gibt es immer Interessantes zu sehen. Hier laufen nicht die spektakulären Ausstellungen (oder nur selten), aber stets sehr gute. Ich kann da jedem eigentlich nur Mut machen, auch einmal hineinzugehen und den Zugang zu suchen.

(Wolfgang Renner)

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