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Kommentar

Kommentar vom 15.02.2011

Revolution, Baby - 30 Jahre lang galt Ägyptens bisheriger Staatschef Hosni Mubarak als respektabler Partner des Westens. Von Menschenrechtsverletzungen hörten man so gut wie nie etwas. Und dass die meisten Ägypter in großer Armut leben, gehört in der Sichtweise vieler Europäer wie selbstverständlich zur afrikanischen Folklore. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Bild vollkommen gewandelt. Bis zum Rücktritt Mubaraks am letzten Freitag hielten sich westliche Politiker von Obama bis Merkel jedoch auffallend zurück. Kein Wunder, hat doch Israel stets vor einem Wechsel in Ägypten gewarnt. Vielleicht hatte man auch Angst davor, dass der revolutionäre Funke auf Europa überspringen könnte, denn auch unsere korrupten Politiker haben bei einem Großteil der Bevölkerung inzwischen jeglichen Kredit verspielt. Nun ist die Ära Mubarak zu Ende und der Westen sichtlich beschädigt: zu hilflos agierten die westlichen Staatschefs während der revolutionären Wochen.

Am Freitag änderte sich dann schlagartig die Rhetorik: Deutschlands Außenminister Westerwelle sprach von einem Sieg der Demokratie. Irans Präsident Ahmadinedschad dagegen von einem Sieg des Islamismus. Beides ist natürlich pure Propaganda, ein bloßes verbales Muskelspiel. Wobei Ahmadinedschad vielleicht sogar Recht haben könnte, denn die Muslimbruderschaft in Ägypten wird künftig sicherlich an Einfluss gewinnen.

Wie es weitergehen wird, kann heute natürlich noch kein Mensch vorhersagen. Deswegen lohnt sich ein Blick auf ehemalige Revolutionen. Auf die Französische Revolution 1789 folgte die Schreckensherrschaft Robespierres und Bonapartes Feldzug gegen ganz Europa. Auf die Russische und Deutsche Revolution 1917 und 1918 erst blutige Bürgerkriege und schließlich die Terrorherrschaften Stalins und Hitlers. Und auch die Ostdeutsche Revolution 1989 brachte nicht das, was die allermeisten Montagsdemonstanten wollten. Auf kurze Sicht hat noch nie eine Revolution die erhofften Änderungen gebracht. Meist profitierte erst die übernächste Generation von den Folgen des erzwungenen Wechsels. Und so kann man heute nur eine Sache mit einiger Gewissheit sagen: auch die Hoffnungen der Ägypter werden sich sehr bald als Illusionen herausstellen.

(Oliver Kröning)

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