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Theaterkritik

Theaterkritik vom 04.03.2011

Alles ist erleuchtet - (Bildnachweis: Stephan Walzl)


Mal wieder eine jüdische Spurensuche am Anfang des 21. Jahrhunderts. Jonathan, Alter Ego des Autors, hört von seinen Eltern, dass sein Großvater während des Zweiten Weltkrieges von einer unbekannten Frau gerettet worden ist. Er macht sich auf in die Ukraine, um diese Frau zu suchen. Und dabei braucht er einen Dolmetscher, der allerdings mit der englischen Sprache etwas auf Kriegsfuß steht.

Dieser Dolmetscher heißt Alex und wird in Weimar von Michael Wächter dargestellt. Die meiste Zeit redet er in einem pseudo-slawischen Akzent, als ob es dessen bedurft hätte. Zur gesteigerten Verständlichkeit trägt es nicht gerade bei. Jonathan dagegen, gespielt von Florian Jahr, agiert schüchtern und oft auch zu leise. Das führt dazu, dass nur Teile von deren Aneinandervorbeireden beim Publikum ankommen. Schade, denn manchmal deutet sich in deren Dialogen schon ein gewisser Witz an.

Dritter im Bunde ist der Großvater von Alex, der von Christoph Heckel gespielt wird. Er muffelt den Juden Jonathan an, zeigt unverhohlen antisemitische Züge. Er dürfte in dem Alter sein, in dem die unbekannte Frau ist, die gesucht wird. Man ahnt es schon. Er wird wohl irgendwie verwickelt sein in den Geschehnissen, die mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor passierten.

Und dann sind dann noch die vielen alten Frauen am Wegesrand, allesamt von Roswitha Marks gespielt. Doch die Gesuchte ist nicht darunter, allerdings eine andere Zeitzeugin, die Licht ins Dunkle bringen wird. Alles ist erleuchtet oder doch nicht so ganz. Am Ende sind mehr Fragen offen als Antworten gefunden wurden.

Und zwischendurch gibt es dann noch ein paar Sequenzen aus noch viel früheren Tagen, denn die Geschichte beginnt schon in einem Schtetl Ende des 18. Jahrhunderts. Diese Einschübe versteht dann wohl kein Mensch, der den Roman nicht gelesen hat. Und die Crux an der Aufführung wird daran stellvertretend deutlich. Der Roman lebt von der Erzählung und auch auf der Bühne wird sehr vieles nur erzählt. Eine Theaterbühne ist aber zum Spielen da und nicht zum Erzählen. Wunderbar gespielt ist die Szene in der Dorfkneipe, wo die in den Dreck gefallene Kartoffel brüderlich gedrittelt und verdrückt wird. Davon hätte die Inszenierung von Dominique Schnizer ein paar mehr gebraucht.

Alles ist erleuchtet (Jonathan Foer)
Regie: Dominique Schnizer
Premiere: 03.03.2011, Weimar, DNT, e-werk

(Oliver Kröning)

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