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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 07.03.2011

Creole - Weltmusik - Am Wochenende fand „Creole“ statt.
Das ist ein Musik- Wettbewerb zur sogenannten Weltmusik.
Globale Weltmusik aus Mitteldeutschland: Was kann man darunter verstehen?

Globale Weltmusik aus Mitteldeutschland – ja, das klingt schon sehr stolz. Und Beiträge zur Weltmusik aus jenen kleinteiligen, überschaubaren Regionen, wo die „Randfichten“ und Herbert Roth beheimatet waren bzw. sind, scheinen mitunter schwer vorstellbar...
Nun steht diese „globale Weltmusik aus Mitteldeutschland“ als Untertitel zu einem Wettbewerb von Musikformationen, wie er überall in der Bundesrepublik stattfindet.
Es geht also um Weltmusik. Und in diesem Fall versteht man darunter eine Rock-, Pop-, Jazz- und artverwandte Musik, die durch globale Musiktraditionen, und nicht zuletzt durch die Musik von Migranten in unserem Land, bereichert wurde. Das kann Konzertmusik, aber auch Tanzmusik sein. Und gerade bei letzterem haben wir ja aktuell interessante Entwicklungen, welche beispielsweise Ska- oder Latin- Rhythmen, den Balkan- Beat und noch vieles mehr als Grundlage haben.
Creole ist ein Wettbewerb für professionelle Bands.
Der findet alle zwei Jahre statt. Da gibt es Vorausscheide in den Regionen.
Und eine solche Region ist Mitteldeutschland – also die drei Bundesländer Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen – die richten gemeinsam einen Vorentscheid aus, um aus dieser Region zwei Bands zum Bundes- Wettbewerb zu entsenden. Und der findet im Mai in Berlin statt.


Das klingt durchaus interessant. Allerdings ist in der Öffentlichkeit von diesem Wettbewerb noch wenig zu vernehmen.
Gibt es denn eine Resonanz dazu - seitens eines Publikums,
und vor allem aber durch die Musiker selbst?

Ja, das eben ist eine Crux. Einerseits ist Weltmusik beliebt, wie selten zuvor in der Pop-Geschichte. Kaum ein Stadtfest kommt heute noch ohne wenigstens eine Weltmusik-Band aus. Oder denken wir nur an das große Folk-Festival in Rudolstadt... Bei den Events, da findet sich auch immer ein großes Publikum ein. Aber im Alltag haben es die Veranstalter noch ziemlich schwer.
Netzwerke der Musiker, Veranstalter, Medien, die in diesem Zusammenhang funktionieren könnten, sind noch nicht eng genug geknüpft.
Sicher auch, weil die Welt so groß, und daher die Musik so sehr verschieden, und eigentlich gar nicht vergleichbar ist.
Und eben das ist dann auch die große Herausforderung für die Juroren des Wettbewerbs, nämlich diese eigentlich unvergleichliche Vielfalt unter einem einheitlichen Kriterien-Katalog zu bewerten.
Immerhin; es gibt ja Preisgelder (oder sie sollte es eigentlich geben...). Und die Bands, die dann letztlich in Berlin eine „Creole“ gewinnen, für die ist das in der Regel schon ein sehr wirksamer Promotion- Schub.


Und wie sieht es mit dieser Szene dann in Mitteldeutschland aus?

Das Festival in Rudolstadt ist das eine, - aber das lebt ja davon, dass man die Welt der Musik hierher, nach Thüringen, holt.
Was aber können Thüringen oder Mitteldeutschland, dabei in die Welt hinaus entsenden?
Zum diesjährigen Creole- Wettbewerb gab es aus den drei Bundesländern etwa 30 Bewerbungen. Die Creole wird übrigens in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Aus Thüringen kam bisher aber ein jedes Mal recht wenig an künstlerischer Beteiligung.
Die organisatorische und finanzielle Beteiligung Thüringens sollte man allerdings unbedingt hervorheben; der Träger für den Wettbewerb hierzulande ist die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur. Und ich glaube, ohne das Engagement der Thüringer würde es diese Mitteldeutsche Creole überhaupt nicht mehr geben.
Aber die Musiker machen sich rar: Es waren auch diesmal wieder nur sehr wenige Bands aus Thüringen, die sich beworben hatten. Da gibt es zwar noch einige Thüringer Musiker, die in Leipziger, Hallenser oder Dresdener Bands aufspielen. Aber bei den 10 Festival-Beiträgen, die eine Vor-Jury auf Grundlage ihrer Ausschreibungskriterien aus den Bewerbungen herausgefiltert hatte, war schließlich nur noch eine Thüringer Band dabei: Alin Coen aus Weimar.
Und – es mag hoffentlich nicht bezeichnend für diese Thüringer Szene sein – die Weimarer Band hat dann auch noch sehr kurzfristig abgesagt, und war letztlich gar nicht anwesend.
Eigentlich wollte ich ja heute hauptsächlich über den Auftritt von Alin Coen & Band beim Festival in Halle berichten. Statt dessen muss ich heute beim „Kulturrückblick“ wieder einmal mehr über kulturpolitische Hintergründe dazu reflektieren...


Und die wären?

Zunächst; dass man sich dieser Szene mit einer gewissen Aufmerksamkeit widmet, scheint angesichts globaler Entwicklungen – nicht nur aus ästhetischer Sicht – geboten.
Und die Szene hat ja auch viele Potenziale, - siehe Rudolstadt.
Andererseits gibt es in Thüringen – im Vergleich zu anderen Regionen der Bundesrepublik – wenig internationalen Austausch, auch nicht durch eine Kultur der Migranten.
Aber sie gibt es trotzdem, - nur; so scheint es: wagt sie sich nicht recht hervor...
Und dann gibt es für diese Szene eine sehr unterschiedliche kulturpolitische Bewertung durch die einzelnen Länder.
Anfangs war die Idee von Creole überall mit Begeisterung aufgenommen worden. Als es dann um Finanzfragen ging, teilten sich bereits die Geister. Kurzum, das sächsische Kulturministerium hat in diesem Jahr – gut eine Woche vor dem Festival – seine zuvor avisierte Mitfinanzierung abgesagt.


Das ist fatal. Wie reagiert Thüringen darauf?
Und wie reagierten die Musiker?

Ja, mir ist das Verfahren ebenso unverständlich, schon allein, weil man mit solch einer Verfahrensweise einerseits die Veranstalter und Promoter vor wirkliche Existenzprobleme stellt, und andererseits die Leistungen der Musiker absolut missachtet.
Die Musiker zeigten sich jedoch solidarisch; sie verzichteten auf ihre Preisgelder, und die Veranstalter und Juroren auf sonstige Vergütungen.
Das Festival fand jedenfalls statt!
Es ist ein Wanderfestival durch die beteiligten Länder, und nachdem es zuletzt im „Kassablanca“ in Jena über die Bühne ging, machte es diesmal im
„Objekt 5“ in Halle Station.
Und es war ein sehr gutes Festival, mit Beiträgen auf hohem Niveau
– ich habe das bisher noch gar nicht recht erwähnt.

Ja, und ausgerechnet in Sachsen befinden sich die eigentlichen Potenziale der Weltmusik unserer Region. Von den 10 beim Festival gesetzten Bands kamen schließlich 7 aus Sachsen (6 davon allein aus Leipzig). Und es waren dies auch wirklich die besten musikalischen Beiträge.
Für die Absage von Alin Coen, die diese Dominanz vielleicht noch hätte brechen können, kenne ich die wirklichen Gründe noch nicht. Begründet wurde es mit Tournee-Stress, möglicherweise aber war das gekürzte Preisgeld der wirkliche Grund. Und das, was aus der persönlichen Sicht der Band heraus sehr gut verständlich wäre, ist aus kulturpolitischer Sicht aber ein Desaster. Weil es nämlich die Szene hier im Lande auch keinesfalls motiviert und weiter bringt.


Kann es denn passieren, dass damit zum letzten Mal solch einen „Creole“- Ausscheid in Mitteldeutschland war?

Das wäre durchaus möglich, zumal wenn Thüringen sein Drittel an Finanzierung für dieses Projekt auch noch zurückzieht.
Die Ausbeute aus dieser Investition für Weltmusik ist für Thüringen selbst ja noch sehr gering, - bisher.
Aber die Idee des Creole- Wettbewerbs ist im Grundsatz doch wirklich gut.
Und enthält eine Förderung durchaus. Ich denke, der Creole- Wettbewerb sollte – trotz aller Probleme - erhalten bleiben.
Um zuletzt schnell noch ein Beispiel dazu:
Zuletzt nahm unter anderem „Feindrehstar“ aus Jena erfolgreich am Wettbewerb teil. Die Band wollte sich damals gerade auflösen.
Nun machen sie weiter, weil sie die entsprechende Anerkennung erhielten.
Und wir haben mittlerweile eine bemerkenswerte CD von „Feindrehstar“ vorliegen; die hätte es sonst wohl nie gegeben...

(Wolfgang Renner)

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