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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 15.03.2011

"Der Spieler" - Fjodor M. Dostojewski - In Zeiten ewig leerer Kassen suchen natürlich alle nach der ultimativen Lösung des Problems.
Das es nicht nur heute so ist, sondern wahrscheinlich immer schon so war, das belegt eine Erzählung Dostojewskis, auf deren Grundlage das folgende Hörspiel entstanden ist, welches heute von Shanghai Drenger vorgestellt wird.
Heute geht es ums Geld bzw. um die Frage Haben oder nicht Haben?
Das Hörspiel, welches du mitgebracht hast ist „Der Spieler“ von Dostojewski. Worum geht es darin?

Shanghai Drenger:
Ja, es geht um die Frage des Reichtums. Genauer, es geht um eine seltsame Menschengruppe in einem deutschen Badeort mit ansässiger Spielbank. Diese Menschen stehen dicht vor der endgültigen Verarmung und alles dreht sich um den Ruf zahlungskräftig zu sein.
„Seltsame Menschengruppe“ sage ich deshalb, weil nicht wirklich klar zu definieren ist, um was für Leute es sich beim Personal dieser Geschichte handelt. Man kann es allenfalls erahnen. Ein so genannter General, von dem niemand weiß, ob er tatsächlich einer ist, jedenfalls hat er erstmal Geld, hat eine große Tochter namens Pauline und zwei kleine Söhne, deren Lehrer Alexej Iwanowitsch vom General angestellt ist. Alexej Iwanowitsch ist natürlich unsterblich in Pauline verliebt, die diesbezüglich von dem armen Knaben nichts wissen möchte, sondern nach anderen glitzernden Eheufern trachtet, weshalb er also davon träumt reich zu werden. Und der General, so erfährt der Lehrer auch bald steht kurz vor der Pleite und weiß am Ende gar nicht, wovon er seine Hotelrechnung begleichen soll. Alle schielen nach also nach dem großen Geld aus ganz unterschiedlichen Gründen und das passiert alles im unmittelbaren verlockenden Umfeld einer Spielbank.

Markus Koch:
Interessant an dieser Geschichte ist auch deren Entstehung. Die Geschichte selbst könnte ja beinahe als Reportage durchgehen, oder?

Shanghai Drenger:
Beinahe könnte man es so nennen, ja. Dostojewski selbst war ja auch so eine unstete Person mit einer bewegten, lebendigen Geschichte. Im Jahr 1865 hatte er selbst Wiesbaden besucht, wo es damals eine bekannte Spielbank gab und in der er ein kleines Vermögen verzockte, welches ihm kurz zuvor sein russischer Verleger im Voraus bezahlt hatte, damit er bis zum Jahr drauf einen neuen Roman fertigstellen konnte.
Dostojewski musste sich nun also einen Plan machen, es hieß also entweder ein Roman muss her oder das Geld muss zurückgezahlt werden. Und er hat kurzerhand – wirklich kurzerhand – aus der Not eine Tugend gemacht und seiner Sekretärin in 26 Tagen diese Geschichte diktiert. Und die hat es in sich. Die Geschichte zeigt ein Gesellschaftsbild, welches, ich möchte sagen bis heute, nicht inaktuell geworden ist, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Aber das wird wohl immer so bleiben, solange es ums Haben oder Nichthaben geht und damit auch um gesellschaftliche Stellung und damit verbundene Macht.
Und so verlieren dann auch in dieser Geschichte nach und nach alle ihre Würde, erst recht, als die reiche Erbtante aus Russland erscheint, auf deren Erbe alle Beteiligten hoffen und nun aber fürchten, dass auch die Tante ihr Vermögen verzocken wird.

Hörprobe

Markus Koch:
Kurze Szene, relativ viele Beteiligte.
Wer spricht denn in diesem Stück alles?

Shanghai Drenger:
Also in dieser Szene hatten wir mit Alexei Iwanowitsch den schauspieler Heinz Reincke, den ich übrigens sehr mag, als General Heinz Klevenow oder als Blanche Inge Windschild. Der Marquis war Heinz Piper und, in dieser Szene nicht dabei war auch die Pauline, gesprochen von Gisela Zoch-Westphal, auch keine Unbekannte auf den deutschen Bühnen, die Lebensgefährtin des Regisseurs Gert Westphal. Wir merken allerdings an dieser Aufzählung und an den Stimmen der Sprecher, das Hörspiel ist keineswegs neu, sondern stammt bereits aus dem Jahr 1956. Also, wenn die Beteiligten noch am Leben sind, heute klingen sie ganz anders.

Der Spieler von Fjodor M. Dostojewski
Produktion NDR 1956
Hörverlag 2011
1 CD / 78 Min.
Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-86717-726-9
www.hoerverlag.de

(Shanghai Drenger)

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