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Donnerstag, der 17.Juni, 18:38 Uhr

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Buchrezension

Buchrezension vom 17.03.2011

Amma Darko, Die Gesichtslosen - Afrika – der verlorene Kontinent, auf dem Chaos, Gewalt, Korruption und Hunger regieren. So sehen es die meisten Europäer und auf dem ersten Blick mag dies auch nicht falsch sein. Doch das Bild ist komplexer. In Amma Darkos Roman „Die Gesichtslosen“ prallen zwei Welten aufeinander, obwohl sie in Ghanas Hauptstadt Accra nur wenige Kilometer auseinanderliegen. Da ist zum einen das 14-jährige Straßenkind Fofo, das sich tagsüber mit Diebstählen durch das Leben schlägt, um sich nachts mit Drogen zu berauschen. Und da ist zum anderen Kabria, die ganz ähnliche Sorgen hat wie die Mittelklasse in Europa: ein Ehemann, der als Architekt Karriere macht, drei Kinder im Teenageralter, die rumzicken und ihr kaum eine ruhige Minute gönnen. Dabei hat sie selbst noch einen Job bei einer Nichtregierungsorganisation, die alternatives Wissen sammelt, das sich nicht in Bibliotheken findet.

Und eines Tages begegnen sich die beiden Frauen. Fofo versucht Kabria auf einem Markt zu bestehlen und wird deswegen fast von der Menschenmenge gelyncht. Kabria rettet sie und erfährt von ihr Dinge aus einer völlig anderen Welt. Es ist ein Zusammenprall zweier Gesellschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Teilnahmslos erzählt Fofo, dass kürzlich ihre Schwester ermordet wurde. Ein Verbrechen, das in ihren Kreisen zum Alltag gehört. Kabria sorgt dafür, dass nun der Mord untersucht wird und nicht wie üblich nur in einem kaputten Polizeischrank archiviert wird.

Amma Darko erzählt überwiegend recht nüchtern und emotionslos den Alltag der Mittelklasse und der Unterschicht in ihrem Land. Dabei zeichnet sie ein sehr realistisch anmutendes Bild, das aber mit manch magischen Momenten und trotz allen Elends auch mit Humor angereichert wird. Richtig komisch ist die intensive Beziehung, die Kabria zu ihrem Uralt-VW Käfer hat, der sie häufig im Stich lässt und fast menschliche Züge aufweist. Somit ist das Buch weit mehr als ein gesellschaftskritischer Roman. Es ist ein liebenswertes Portrait von starken Frauen in einer weitgehend unmenschlichen Umgebung, aber es auch eine Lektüre, die Hoffnung verbreitet, bei der das Lesen Spaß macht.

Amma Darko, Die Gesichtslosen
Roman
Schmetterling Verlag 2011
ISBN 3-89657-141-9
12, 80 Euro

(Oliver Kröning)

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