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Kommentar

Kommentar vom 05.12.2003

Spiegelzeltplatzgenehmigungen - Jedes Jahr steht ein Zelt im Schwarzwald und zieht viele Leute an. Es ist Bestandteil und Ergebnis der Freiburger Kleinkunstmesse und serviert
dem mittlerweile eingeschworenem Publikum einen schmackhaften Überblick der Leistungsfähigkeit des Genres.

Insofern empfand ich das nach Weimar importierte Spiegelzelt als eigentliche Innovation des diesjährigen Kunstfestes. Es gab zwischen
?Malediva? bis Ernst Kahl fast alles, was in dieser kreativen Szene Rang und Namen hatte, und es war auch allabendlich ausverkauft. Sicher,
die Vision eines Kommunikationszentrums hat es nicht erfüllt, aber bitte: wir sind in Weimar!!!

Ein weiterer Import, die Wagner-Enkelin Nike hielt diese gute Idee für ihre eigene lisztige Version des nächsten Kunstfestes für nicht
verwertbar. Sie will eben alles neu auf alt machen, da stören diesjährige erfolgreiche Weggefährten wie beispielsweise das Designerbüro
?Goldwiege? nur. Weg mit den Zebras, wir sind mit Koffer jederzeit abreisebereit!

Es ist dem Wirken des Kulturdienstes Weimar zu danken, dass das Spiegelzelt trotzdem im nächsten Sommer am Beethovenplatz seine
temporäre Heimstatt findet. Das finde ich sehr gut: Erstens weil wir hier kleinkunstmäßig immer noch auf einem Eiland leben, zweitens weil ein
Vergleich für hiesige Künstler dieser Art sehr brauchbar ist und drittens weil dann eventuell ebendiese hiesigen Künstler eine zusätzliche
attraktive Auftrittsfläche bekommen.

Nun ist der Kulturdienst keine Einrichtung der Wohlfahrt, das sind Kulturmanager mit Sinn für das Geschäftliche, was ja gute Kunst nicht
zwangsläufig ausschließen muss. Dass die sich natürlich auch an regionale Unternehmen wenden, ist logische Konsequenz und schmälert
nebenbei gesagt nicht den Förderetat des Kunstfestes wagnerscher Prägung. Zudem eignet sich das Spiegelzelt ideal für betriebliche Treffs mit
künstlerischem Ambiente, also why not?

Nun meint eine Lokalzeitung marktwirtschaftliche Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen, und konstruiert aus besagter Initiative sofort
eine Konkurrenz zum Kunstfest. Nike Wagner, heißt es, sei ?not amused?, so wie Königinnen eben denken. Und Germer macht was er am
Besten kann: er beschwichtigt.

Doch die landeszeitliche Kampagne zielt scharf am Kern des Problems vorbei. Denn Weimar braucht dringend eine nichtinstitutionelle Kultur,
welche die wirklich Interessierten anspruchsvoll zurückerobert, alles Andere haben wir vorerst zur Genüge. Und Nike Wagner ist eigentlich
hierher geholt worden, um mit ihrer Strahlkraft neue Sponsoren zu erleuchten, insofern bangte sie hier wohl um einen zuverlässig
bereitgestellten Salve-Topf anstatt auf Skoda zu bauen und weitere neue Quellen zu erschließen. Inzwischen steht das Salve-Forum mittels
Beschwörung in Treue fest, vielleicht wachsen dem Skoda in weiteren Ausleuchtungen auch noch Mercedes-Sterne.

Von Strahlkraft und Souveränität zeugt Nike Wagners Reaktion zumindest nicht. Eher von der Angst, das Schlusslicht in der Hand zu halten.
Übrigens: Der Angriffsfokus contra Spiegelzelt hat noch einen viel pikanteren politischen Hintergrund. Dazu vielleicht ein anderes Mal...

(Matthias Huth)

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