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Kommentar

Kommentar vom 26.04.2011

25 Jahre Tschernobyl - „Es war menschliches Versagen“, wurde gesagt. „Es ist ein AKW sowjetischer Bauart, das nicht mit westlichen Sicherheitsstandards ausgerüstet ist“, wurde über Tschernobyl gesagt. Und dann passierte die Atomkatastrophe von Fukuschima. Diesmal sind mehr Menschen zur Einsicht gekommen, aber die Profiteure der Atomwirtschaft versuchen mit ähnlichen Ablenkungsmanövern wie damals die Stimmung wieder zu kippen. Heute sagen sie: „Es gibt keine Tsunamis bei uns und keine schweren Erdbeben“. Aber es kann zum Beispiel im Rheingraben bei Basel sehr wohl ein mittelschweres Erdbeben geben wie es dort vor 650 Jahren der Fall war. Und das älteste französische AKW Fessenheim liegt genau dort und wäre gegen ein Erdbeben dieser Stärke nicht gerüstet. Die 200.000 Einwohnerstadt Freiburg im Breisgau liegt gerade 20 Kilometer entfernt. Dass es im AKW Fessenheim gerade vor drei Wochen eine Störung der INES-Stufe 1 gegeben hat, gelangte kaum in die überregionalen Medien. In so fern besteht durchaus die Gefahr, dass die Desinformationspolitik in Sachen Atomkraft wieder an Fahrt aufnimmt.

Auch die Geberkonferenz zu Tschernobyl, die in der letzten Woche stattfand, hat es nicht zum Top-Thema gepackt. Die westlichen Staaten machten aber immerhin mehr als eine halbe Milliarde Euro locker, damit um den maroden Schutzmantel, der die Reaktorruine umgibt, ein wirkungsvollerer Sarkophag gebaut werden kann. Man kann jedoch davon ausgehen, dass viele weitere Millionen oder gar Milliarden Euro notwendig sein werden, um die Situation dauerhaft in den Griff zu bekommen. Denn die extreme Kontamination in einem weiten Umkreis wird noch tausende Jahre anhalten. Wer will angesichts dieser Zahlen noch behaupten, dass Atomkraft eine kostengünstige Energiequelle sei?

Aber auch jenseits der super-größten anzunehmenden Unfälle von 1986 und 2011 wird immer deutlicher, wie sehr sich die Atomkraft als Sackgasse erwiesen hat. Dass radioaktive Abfälle in der ungeeigneten Schachtanlage Asse falsch deklariert lagern und bald in aufwändiger Weise geborgen werden müssen, ist nur ein Beispiel dafür, dass Atomkraft uns noch sehr teuer zu stehen kommen wird. Auch ohne GAU.

Immerhin etwas hat sich geändert von Tschernobyl bis Fukuschima. 1986 bezeichnete die politische Kaste Deutschlands Atomkraft als Übergangsenergie. Heute sprechen sie von einer Brückentechnologie. Es bleibt abzuwarten, ob tatsächlich ein Umdenken stattgefunden hat. Oder ob wir mit einer weiteren Worthülse in 25 Jahren rechnen dürfen.

(Oliver Kröning)

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